Abnützungserscheinungen und verschleißbedingte Veränderungen oder Arthrose der unteren Extremitäten befallen hauptsächlich das Hüft - und Kniegelenk. Aufgrund der zunehmenden Freizeitaktivitäten vor allem in sehr jungen Jahren nimmt die Bedeutung der Behandlung der arthrosebedingten Schäden des Sprunggelenkes deutlich zu.Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass die Arthrose des oberen Sprunggelenkes ein sehr häufiges orthopädisches Krankheitsbild ist und eine differenzierte Betrachtung bei der Auswahl der korrekten Therapie erfordert. Neben den allgemeinen Risikofaktoren die zur Entstehung einer Arthrose führen, sind es vor allem Verletzungen im Bereich des Sprunggelenkes die nachhaltige Folgen haben. Eine der häufigsten Sportverletzung überhaupt ist der typische Außenbandriss, Frakturen des Innen - oder Außenknöchels sind ebenfalls sehr häufige Unfallfolgen. Unzureichende Behandlungsstrategien der Weichteilverletzungen können zu wiederholten Verletzungen führen und eine chronische Instabilität im oberen Sprunggelenk hervorrufen, was dann letztendlich in einer vorzeitigen Arthrose endet. Brüche im Bereich des Sprunggelenkes sind deswegen so gefährlich, da sie die höchst feine Funktionsweise des Gelenkes nachhaltig stören können und somit ebenfalls frühzeitig einen Gelenkverschleiß produzieren.
In der sportmedizinischen Praxis ist es auffällig, dass die Anzahl dieser Verletzungen vor allem bei jungen Patienten deutlich zunimmt. Das immer höhere Leistungsniveau in besonderen Trendsportarten führt zu immer verdrehteren Manövern und somit zu immer höheren Belastungsspitzen auf den Bandapparat aber auch auf die knöchernen Elemente dieses Gelenkes. Snowboarding, Kitesurfen, Windsurfen, Wakeboarding, Mountainbiking und ähnliche Sportarten spielen dabei vor allem in der Gruppe der 14 bis 20 jährigen eine wichtige Rolle, während die typischen Ballsportarten wie Fußball, Volleyball und Basketball die Statistik in den höheren Altersklassen anführen, abgesehen natürlich von den klassischen Motorrad- und Verkehrsunfällen.
Etwa die Hälfte aller Brüche und etwa 20 Prozent der Bandverletzungen führen zu einer frühzeitigen Arthrose und somit natürlich zu einem Handlungsbedarf in der orthopädischen Praxis. Bei einer fortgeschrittenen Arthrose sind die Schmerzen dann so stark, dass mit konservativen Behandlungsmethoden wie Einlagenversorgung, entsprechender Schuhzurichtung, physikalischer Therapie und Krankengymnastik ein schmerzfreies Gehen nicht möglich ist.
Bisher stand als dauerhafte Behandlungsmöglichkeit mit Aussicht auf Schmerzlinderung lediglich die Versteifungsoperation zur Verfügung. Die Endgültigkeit dieser Methode führt es mit sich, dass viele Patienten diesen Eingriff scheuen.
Seit einigen Jahren gibt es jedoch eine ernsthafte und ausgereifte Alternative, nämlich die Implantation eines künstlichen Sprunggelenkes.
In Zentren mit fußchirurgischem Schwerpunkt werden in Deutschland jährlich insgesamt etwa 1200 Prothesen eingebaut und die Langzeitergebnisse sind sehr gut mit noch steigender Tendenz. Technisch ist diese Operation für den Operateur anspruchsvoll und bei weitem kein risikoarmer Routineeingriff, aber bei ausreichender operativer Erfahrung und Kenntnis der spezifischen Feinheiten ist bei korrektem Verlauf die Haltbarkeit dieser Prothese durchaus mit der einer Knieprothese vergleichbar.
Die Entwicklung neuer, anatomisch angepasster Modelle der Sprunggelenksprothese seitens der Industrie und auch die Entwicklung spezieller Operationsinstrumente führen zu einer zunehmenden Haltbarkeit und geringeren Lockerungsrate der Prothese. Inzwischen gibt es bereits 10 -Jahresstudien in denen Patienten mit Prothesen nachuntersucht wurden und die Ergebnisse sind bisher sehr vielversprechend:
Nach 10 Jahren funktionieren vier von fünf Endoprothesen einwandfrei!!
Diese ermutigenden Aussichten führen zu immer weiteren Verbesserungen der bestehenden Prothesenmodellen. Ihnen ist gemein, dass sie eine Spezialbeschichtung haben und normalerweise zementfrei im Knochen verankert werden. In der Regel handelt es sich um je eine metallische Komponente für den Schienbein- und Sprungbeinknochen und einem Polyethylengleitkern dazwischen. Im Falle einer vorzeitigen Lockerung muss die Prothese nicht immer komplett, sondern es können auch einzelne Komponenten ausgewechselt werden.
Dennoch muss betont werden, dass der Einbau eines künstlichen Sprunggelenkes in der exakten Position ein anspruchsvoller chirurgischer Eingriff ist, mit Komplikationen die selbst bei einem versierten Operateur durchaus vorkommen können.
Den wichtigsten Vorteil für den Patienten sehe ich in der Verlängerung der natürlichen Beweglichkeit des Gelenkes mit einer Prothese und eine weitgehende natürliche, anatomische Belastung bei der Ausübung seiner freizeitsportlichen Aktivitäten. Bei einer Lockerung nach einigen Jahren kann meist immer noch eine Versteifungsoperation angewendet werden. Die Lebensqualität jedoch im Zeitraum der eingesetzten Prothese kann somit deutlich verlängert und beibehalten werden.
Bei entsprechender Weiterentwicklung der Prothesenmodelle und zunehmender Erfahrung der Operateure wird das künstliche Sprunggelenk bei der Behandlung der Arthrose sicherlich einen festen Platz in der Behandlung der Arthrose des Sprunggelenkes einnehmen.
FOOT & SPORTS CLINIC MARBELLA
Dr. med. Petr Spurek
Medical Director
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