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22:40 Freitag 5. September 2008

Auge und Brille

Wie entsteht Alterssichtigkeit ?

In der ersten Folge wurde davon berichtet, dass bei Kurzsichtigkeit ein Bild im Auge unkorrigiert vor der Netzhaut und bei Übersichtigkeit hinter der Netzhaut entsteht und dass durch entsprechende Minus- bzw. Plusgläser wieder ein deutliches Sehen erlangt wird. Diese Korrektur gilt streng genommen nur für die Ferne, also für betrachtete Gegenstände die sich weit entfernt vor unserem Auge befinden.

Vieles in unserem Umfeld liegt aber wesentlich näher vor unseren Augen, der Gesprächspartner im Zimmer, die Tassen auf dem Tisch, der Bildschirm des Computers oder das Buch in der Hand. Um dies alles deutlich sehen zu können, stellt sich das Auge des Rechtsichtigen wie auch das Auge des korrigierten Fehlsichtigen auf die Nähe unbewusst scharf ein. Das Auge verstärkt seine Brechkraft, es akkommodiert. 

Wir haben gehört, dass die Brechkraft des Auges hauptsächlich durch die Hornhaut und durch die Augenlinse entsteht. Beim Einstellen auf die Nähe, bei der Akkommodation, verändert sich die Form der Augenlinse, sie ist elastisch.
Wie der Name schon sagt, dürfen wir uns die Augenlinse wirklich in der Form einer dickbauchigen Linse vorstellen. Sie sitzt in der Pupillenmitte, direkt hinter der Iris. Befestigt ist sie ringsherum an ihrem Rand durch unzählig kleine Bänder, den Ziliarbändern. Die äußeren Enden der Ziliarbänder gehen in den Ziliarmuskel über, der wie ein geschlossener Ring den Rand der Augenlinse umgibt. Sehen wir nun in die Ferne, dann vergrößert dieser Ringmuskel seinen Durchmesser, die Ziliarbänder straffen sich und ziehen die Augenlinse auseinander. Die Augenlinse bekommt dadurch eine flachere Form, ihre Brechkraft hat sich verringert und weit entfernte Dinge werden auf der Netzhaut scharf abgebildet. Ohne jetzt diesen komplizierten Vorgang weiter zu vertiefen, ist diese Stellung – ein Ziliarmuskel mit großem Durchmesser, straffen Ziliarbändern und einer flachgezogenen Augenlinse – die Ruhestellung in unserem Auge. 

Jetzt kommt die umgedrehte Reihenfolge. Unsere Augen blicken in die Nähe, z.B. auf den Text in einem Buch in unserer Hand. Der Ziliarmuskel zieht sich zusammen, er verkleinert seinen Durchmesser, die Ziliarbänder lockern ihre Spannkraft und die Augenlinse kann Dank ihrer Elastizität wieder ihre dickbauchige Form annehmen. Die Brechkraft der Augenlinse hat sich erhöht und auf der Netzhaut im Auge werden nahe gelegene Dinge deutlich abgebildet. Das Auge hat akkommodiert. Dieser Vorgang geschieht unbewusst, vegetativ, wir brauchen ihn nicht willentlich zu beeinflussen. Der Ziliarmuskel zieht sich dabei nur soweit zusammen, dass die Augenlinse gerade die Form mit der entsprechenden Brechkraft einnimmt, die für die augenblickliche Betrachtungsentfernung zum Scharfsehen benötigt wird.
Bis jetzt wurde der Idealvorgang beim Nahsehen in unserem Auge beschrieben, genau genommen der des „jüngeren Auges“. Ein junges Auge besitzt ein großes Akkommodationsvermögen, die Fähigkeit sich auf nahe gelegene Dinge einzustellen. Bei einem Kind von fünf Jahren beträgt dieses Vermögen zum Nahsehen noch mehr als 12 Dioptrie, es kann Dinge noch in 8 Zentimeter vor dem Auge scharf erkennen. Nur leider beginnt bereits in diesem Alter die Elastizität der Augenlinse nachzulassen, sie kann bei Entspannung des Ziliarmuskels immer weniger in ihre dickbauchige Form zurück gehen. Das Nachlassen der Elastizität, das Altern der Augenlinse ist ein langsamer Prozess und wird in unserem täglichen Leben anfänglich nicht wahr genommen. Zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr ist die Akkommodation der Augenlinse aber auf 4 bis 3 Dioptrie gesunken und das Auge besitzt noch ein realistisches Einstellvermögen auf die Nähe von 30 bis 50 Zentimeter. Wir beginnen in der Nähe schlechter zu sehen, die Alterssichtigkeit oder Presbyopie hat begonnen, „die Arme sind zum Lesen zu kurz geworden“. In der Mitte der vierziger macht uns die Nähe Probleme.

Dieser Alterungsprozess der Augenlinse findet beim Recht- sichtigen, der bis jetzt noch keine Brille für die Ferne gebraucht hat, genauso statt wie beim korrigierten Fehlsichtigen mit Kurzsichtigkeit oder Übersichtigkeit und genauso bei allen Menschenrassen und auch im Tierreich. Wir können Augenübungen machen, uns versuchen auf das Einstellen von Ferne und Nähe zu trainieren, wir bringen dadurch vielleicht den Ziliarmuskel in Schwung, aber auf das Nachlassen der Elastizität der Augenlinse hat dies keinen Einfluss. Wir können Vitamine und Mineralstoffe zu uns nehmen und Karotten und Salat essen, das tut dem Körper alles gut, aber die Elastizität der Augenlinse bleibt dadurch unbeeinflusst. Aber wir haben die Möglichkeit die nachlassende Brechkraft des Auges durch Plusgläser zu ersetzen, durch eine Lesebrille oder eine Computerbrille, oder wir ergänzen die Brillengläser für die Ferne mit einer Nahzone in Form eines Nahteils oder mit stufenlosem Übergang.

Alwin Kaufmann , Augenoptikermeister - Optometrist
Heiko by Heiko
Avda. Andalucia 119 , 29740 Torre del Mar
Tel. 952 967 923 , Heiko-by-Heiko.com

 

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