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15:31 Samstag 17. Mai 2008

Monat der Romerías

Der Wonnemonat Mai ist in Spanien der Monat der Romerías. Romería kommt von Rom, Römerei also wörtlich, und bezeichnete damit ursprünglich die Wallfahrer, die nach Rom pilgern. Es ist heute immer noch ein katholisches Fest, dessen Hauptbestandteil eine Reise ist (symbolisch eine Pilgerfahrt) in geschmückten Ochsenkarren, Kutschen, zu Pferd oder zu Fuß, aber statt nach Rom zur Einsiedelei oder Eremitage einer Jungfrau oder eines lokalen Schutzpatrons. Diese liegen normalerweise außerhalb der Ortschaften oder auf einem nahen Berg.
Es gibt auch Romerías ohne Pilgerei zur Feier eines Heiligen einen ganzen Tag, Vor- oder Nachmittags lang. Auf jeden Fall gehen sie immer mit der Verbrüderung der Gemeinschaft einher, auf der gebetet, gegessen, getrunken, gesungen und getanzt wird.

ist Spaniens größte Feier dieser Art. Sie ist eine Feier von besonderem nationalem Tourismusinteresse. Daran beteiligen sich nicht nur die Ortschaften der umliegenden Provinz Huelva, sondern ganz Andalusien und ein großer Teil Spaniens. Man feiert die Weiße Taube (Paloma Blanca), die Königin der Sümpfe (Reina de las Marismas), was der Ehrentitel der Jungfrau der Morgentau-Kirche (Santuario del Rocio) in Almonte, Huelva im Mündungsgebiet des Guadalquivir und in unmittelbarer Nähe vom Nationalpark Doñana ist.

Jedes Jahr kommen auf kaum mehr als einem großen Marktplatz rund eine Million Romeros zusammen, um ein beeindruckendes Glaubensmanifest und ihre ebenfalls beeindruckende Kondition zum Nonstopfeiern unter Beweis zu stellen. Eine der beliebtesten Bruderschaften, die Jahr für Jahr nach Huelva pilgern, entstand unter andalusischen Gastarbeitern in Deutschland, die Real, Venerable und Fervorosa Hermandad de Nuestra Señora del Rocio de Emigrantes de Huelva. Den Rest des Jahres mutet der Rocio-Festplatz wie eine verlassene Westernstadt an, voller Saloons und versiegelter Stadthäuser, eine Kulisse, die einmal im Jahr belebt wird von Trachten tragenden, Gitarre spielenden, Hände klatschenden und endlos Sevillanas tanzenden Festgästen. Eine ausgelassene Feier, die ihren Höhepunkt hat, wenn die Massen zum Ende der Feiertage irgendwann nachts die Einsiedelei der Jungfrau stürmen und sie in kühner Aktion aus ihrem goldenen Käfig herausholen. Während der anschließenden Prozession versucht jeder, wenigstens ihren kostbaren Mantel berühren zu können. Diese eindrucksvollen Momente werden live in alle Welt übertragen. Empfindliche Gemüter zittern bei so viel Hingabe um die physische Integrität jener Kinder, die über die Köpfe der ausgerasteten Menge zur Jungfrau gereicht werden.

Es sind keinesfalls nur gläubige Katholiken, die sich kostümiert auf geschmückten Karren, zu Pferd oder per pedes auf den langen Pilgerweg machen (Autofahren gilt nicht), um diesen magischen Moment mitzuerleben, in dem alle sozialen und religiösen Unterschiede verschwinden und sich die Herzen öffnen. Die Romería del Rocío ist ein gesellschaftliches Phänomen. Wer in Andalusien etwas auf sich hält, muss einfach mindestens einmal dabei gewesen sein.

Romeria San Benito Abad
Die Romeria San Benito Abad, Huelvas älteste Wallfahrt, findet am ersten Sonntag im Mai zum Cerro del Andevalo statt. Dort halten die Teilnehmer in aufwendigen traditionellen Kostümen und mit Schmuck behangen eine Nachtwache, was den Höhepunkt darstellt. Eine weitere Besonderheit ist die allgemeine Speisung der Romeros gegen Ende der Wallfahrtsfeiern, darunter besonders mit süßem Wein und Quittenkonfitüre.

Romeria de la Estrella
Am ersten Sonntag im Mai an findet in Navas de San Juan (Jaén) die Romeria de la Estrella  statt. Romeros in Flamencokleidern pilgern zur Einsiedelei ihrer Jungfrau außerhalb des Dorfes. Ihre Begleitmusik ist nicht unbedingt religiösen Charakters, eine Besonderheit dieser Wallfahrt. Nach der Prozession der Jungfrau werden die Bordüren ihres Gewandes versteigert und die Einsiedelei gestürmt. Am 3. Tag der Feierlichkeiten zieht die Jungfrau nachts in Navas de San Juan ein und wird mit Rosenblättern begrüßt.

Fiesta Santisima y Vera Cruz de Caravaca
Die Fiesta zu Ehren des Santisima y Vera Cruz de Caravaca gehen vom 1. bis 5. Mai. Sie beginnt mit einem gemeinsamen Migas-Essen am 30. April unter freiem Himmel, wo die Migas auch zubereitet wurden. Man vergisst nicht den religiösen Hintergrund der Verbrüderung zu unterstreichen, und der beruht auf einer Geschichte, wonach ein verehrtes Kreuz in Wein gewaschen wurde und anschließend zum Sieg über die Ungläubigen verhalf – die Brunnen waren von den Mauren vergiftet worden. Ein mittelalterlicher Brauch, der bis heute jeden 3. Mai gepflegt wird. Das bewusste Kreuz wird in feierlicher Prozession bis zum 4. Mai durch den Ort getragen, begleitet von Menschen, die als Mauren oder Christen gekleidet sind. Am beliebtesten ist jedoch der 2. Mai, der Morgen der Wein-Pferde, der Caballos del Vino, an dem Dutzende von herausgeputzten Pferden und Reitern durch Straßen trotten und sich wo es geht spontane Rennen liefern. Der Endspurt zur Burg ist der Moment, wo sich der Gewinner heraus kristallisiert und zum Schluss den Ersten Preis bekommt.

Die Fiesta de las Cruces
Die Fiesta de las Cruces am 1. Maisonntag ist der Startschuss zu dem schönsten aller Feiertage in Cordoba. Jetzt werden die üppigen Blumenkreuze von Hausgemeinschaften und Bruderschaften auf Plätzen und Patios aufgestellt. Die Straßen der Altstadt werden zum Magnet für Einwohner und Besucher. Während eines nächtlichen Umzugs von einem Kreuz zum anderen erfüllen die Klänge von Gitarren und Gesang die duftenden Straßen.

Festival der Patios
Im Anschluss an die Kür des schönsten Kreuzes beginnt das Festival der Patios. Von Blumen überquellende Innenhöfe, die dem Fremdem gewöhnlich hinter dicken Holztüren verborgen bleiben, werden nun öffentlich  zur Schau gestellt und wetteifern um die Gunst der Betrachter. Besonders gegen Abend, wenn sie in der lauen Luft Andalusiens ihren Duft verströmen, ist es ein Genuss, hier spazieren zu gehen. Frisch geweißte Wände, glänzende Holzverzierungen an Geländern, Balkonen und Treppen, kunstvolle schmiedeeiserne Gitter um Brunnen und glänzende Marmor- oder Steinböden werden seit den dreißiger Jahren von öffentlichen und privaten Eigentümern zur Schau gestellt, und selbst die alte Mezquita beteiligt sind am Wettbewerb der herrlichsten Patios.

Fotos: Johanna Romolo

Feria de Cordoba
In der letzten Maiwoche feiert die Stadt Cordoba ihre Feria, die ebenfalls auf Hunderte von Jahren an Geschichte zurückblickt, bis in die Regierungszeit von Sancho IV im Jahr 1284. Es gab damals einen Viehmarkt, der an 8 Tagen abgehalten wurde und die Händler aus ganz Andalusien anzog. Inzwischen wurde daraus eine Kirmes mit Stierkampf und Flamenco. Anders als in Jerez oder Sevilla, wo die Festzelte privater Natur sind, stehen die von Cordoba jedem offen. Im Gebiet Arenal am Guadalquivir hat sich die Facette der Paseos zu Pferde etabliert. Die großen Gestüte zeigen hier die Zuchtergebnisse mit dem spanischen Pferd, eine Rasse, die hier beheimatet ist.

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