Multi-Kulti an der Südspitze Spaniens – als Deutscher das britische Flair in Spanien erleben„Solange es noch Affen gibt auf Gibraltar, solange ist die britische Herrschaft in der Kronkolonie gesichert.“ Dies besagt eine Legende aus der Zeit der Belagerung Gibraltars von 1779 bis 1783 während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Damals sollen die Engländer angeblich von den Tieren vor einem Nachtangriff der Spanier und Franzosen gewarnt worden sein. Der Britische Premierminister Winston Churchill ließ während des Zweiten Weltkrieges sogar Berberaffen aus Marokko importieren, um den vermutlich wegen Inzucht kränkelnden Affenstamm wieder zu stärken und seine Herrschaft an der Südspitze der iberischen Halbinsel zu sichern.
Gibraltar befindet sich an der Nordseite der gleichnamigen Meeresstraße, wo Europa und Afrika am dichtesten beieinander liegen. Die Straße von Gibraltar ist 60 km lang und an ihrer schmalsten Stelle 14 km breit. Sie verbindet das Mittelmeer mit dem Atlantik. Wegen seiner strategisch günstigen Lage war der Felsen von Gibraltar schon sehr früh heftig umkämpft. An schönen Tagen ist der „Rock“ bereits von mehreren hundert Kilometern Entfernung zu sehen. Mit seinen 426 Metern Höhe, 4,8 Kilometern Länge und 1,4 Kilometern Breite ragt der Kalksteinfelsen stolz aus dem Meer.

Gibraltar hat eine lange Geschichte – sowohl kulturell als auch politisch. Im Altertum war Gibraltar eine der Säulen des Herkules. Die zweite Säule, der Dschebel Musa, befindet sich direkt gegenüber. Die Legende besagt, dass die gewaltige Kraft des Halbgottes die beiden Berge als Stützen zwischen Himmel und Erde geschaffen habe.
Im Jahr 711 überquerte der berberische Feldherr Tarik mit seinen Mannen die Straße von Gibraltar und machte den Felsen zum Ausgangspunkt für seine Eroberung der Iberischen Halbinsel. Tarik zog weiter, aber seinen Namen ließ er zurück: der Name Gibraltar kommt vom arabischen Dschebel al-Tarik (= Berg des Tarik).
1309 eroberte Guzmán el Bueno den Felsen für die Spanier zurück. Bis 1333 war Gibraltar kastilisch, bevor die Muslime Gibraltar bis zur Reconquista 1462 beherrschten. Erst danach wurde Gibraltar wieder christlich-spanisch. Am 4. August 1704 eroberten die Briten Gibraltar im Spanischen Erbfolgekrieg. 1713 wurde das Gebiet im Vertrag von Utrecht formell den Briten zugesprochen. Seit 1730 ist es britische Kronkolonie. Die Spanier gaben Gibraltar nie verloren, doch alle Versuche der Rückeroberung scheiterten. In einem Referendum entschieden sich 1967 mehr als 95% der Bewohner für den Verbleib im britischen Königreich. Die Spanier reagierten beleidigt und schlossen die Grenze. Erst 1985 wurde sie wieder geöffnet. Beim Referendum am 7. November 2002 stimmten 99% der Menschen erneut für ein britisches Gibraltar. Regiert wird die Kronkolonie von einem Gouverneur, der Vertreter der Queen ist. Innere Angelegenheiten werden autonom geregelt, Außenpolitik und Verteidigung dagegen unterliegen der britischen Krone.
Gibraltar beherbergt auf seinem nur 6,5 Quadratkilometer großen Hoheitsgebiet ein überaus buntes Völkergemisch. Neben den einheimischen „Gibraltarenos“, welche zumeist spanischer, maltesischer und portugiesischer, teils aber auch britischer, marokkanischer, italienischer und indischer Herkunft sind, trifft man in Gibraltar auf Matrosen und Touristen aus aller Welt und selbstverständlich auch auf britische Soldaten, die dort stationiert sind. Die Amtssprache ist Englisch. Gesprochen wird aber häufig das sogenannte „Llanito“, eine Mischung aus Englisch und Spanisch.
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Die Affen von Gibraltar
Die auf Gibraltar heimischen Berberaffen sind die einzigen freilebenden Affen Europas. Ihre ursprüngliche Heimat sind die Bergwälder Nordafrikas, wo sie auch heute noch in größeren Beständen vorkommen. Wie die Affen nach Gibraltar gekommen sind, ist ungewiss. Fest steht nur, dass sie sich dort scheinbar seit jeher sehr wohl fühlten und den Bewohnern Gibraltars zum Teil sogar zur Plage wurden, sodass 1913 ein britischer Offizier zum „Affendienst“ abkommandiert werden musste. Seine Aufgabe bestand darin, die haarigen Bewohner mit Futter zu versorgen, damit sie die menschlichen Bewohner nicht mehr belästigten. Diesen ehrenwerten Offiziersdienst gibt es noch heute und noch immer unterstehen die Berberaffen dem britischen Kriegsministerium, welches über die Tiere exakt Buch führt. Insbesondere die Anzahl der Affen muss genau kontrolliert werden, denn werden sie zu zahlreich, besteht die Gefahr, dass sie den Felsen verlassen und in die Stadt kommen und den Bewohnern die Lebensmittel streitig machen. Ohne Affen geht es aber in Gibraltar schon allein aus abergläubischen Gründen nicht. Denn sobald es dort keine Berberaffen mehr gäbe, würden die Briten ihre Festung im Süden Spaniens verlieren, heißt es. 1942, während des Zweiten Weltkrieges, drohte der Bestand der schwanzlosen Tiere zunichte zu gehen. Gerade einmal sieben Affen wurden in Gibraltar gezählt. Daraufhin beauftragte der damalige britische Premierminister Winston Churchill den britischen Oberkommandierenden in Nordafrika dazu, eiligst einige Berberaffen aus dem nahen Atlasgebirge zu beschaffen und nach Gibraltar zu senden.
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Gibraltar ist ein einzigartiger Ort auf der Welt, schon allein wegen seines sehr außergewöhnlichen Flughafens. Die Landebahn verläuft über die Hauptverkehrsstraße Gibraltars, die abgesperrt wird, sobald ein Flugzeug startet oder landet. Am Flughafen beginnt auch unser Ausflug durch Gibraltar, nachdem wir die Passkontrolle (gültiger Personalausweis oder Reisepass erforderlich!) überquert haben.
Stadtrundgang Gibraltar
Wer alle Sehenswürdigkeiten Gibraltars an einem Tag besuchen will, der darf über Fußschmerzen am Abend nicht verwundert sein, denn es gibt wirklich vieles, was man unbedingt gesehen haben sollte. Ein Einkaufsbummel durch die Main Street, eine „Rock Tour“ auf dem Felsen und einen Abstecher zum Südteil der Halbinsel gehören auf jeden Fall zum “Pflichtprogramm“.
Wir beginnen mit der Main Street, die von der Grenze aus in wenigen Minuten zu Fuß oder mit dem Bus erreichbar ist. Diese pulsierende Geschäftsader lockt mit ihren unzähligen von der Mehrwertsteuer befreiten kleinen Läden die meisten Touristen an, weshalb die Straße eigentlich immer gut besucht ist. Zur Hauptreisezeit im Juli und August platzt sie vor lauter Touristen sogar fast aus allen Nähten. Die Main Street ist aber mehr als nur eine Einkaufsmeile, man kann sich dort auch in einem der zahlreichen Pubs auf traditionell britische Art mit englischem Bier und Fish’n’Chips verköstigen und die ersten Sehenswürdigkeiten sind hier ebenfalls schon zu sehen. Da wäre zum Beispiel die Cathedral of St. Mary the Crowned, an deren Stelle einst eine reichlich verzierte maurische Moschee stand. Das katholische Königspaar Fernando und Isabella ordneten nach der Rückeroberung Gibraltars von den Mauren den Bau einer katholischen Kirche an, sie stifteten auch die Uhr und die Glocken für den Turm. Das steinerne Königswappen im Hof der Kirche erinnert noch heute an die Reyes Católicos. Etwas weiter stadteinwärts, immer noch an der Main Street, befindet sich die Cathedral of the Holy Trinity, eine anglikanische Kirche, deren Bau 1832 beendet wurde. Wir gehen vom Cathedral Square die George´s Lane hinauf und stoßen auf die St. Andrews Church of Scotland. Diese kleine presbyterianische Kirche wurde 1853 erbaut, um dem Wunsch der zahlreichen schottischen Soldaten nach einer eigenen Kirche nachzukommen. Wieder unten an der Main Street angekommen, gehen wir weiter zum Convent. Seit 1728 ist das ehemalige Franziskanerkloster (gegründet 1531) der offizielle Sitz des Gouverneurs von Gibraltar. Mehrmals täglich kann man hier die Wachablösung des Royal Gibraltar Regiment beobachten. Gleich gegenüber befindet sich die methodistische Kirche, die im Jahre 1769 von Soldatenpriestern gegründet wurde. Am Ende der Main Street steht das Referendum Gate. Der Name dieses Tores geht auf das Referendum von 1967 zurück, in dem sich die Bewohner Gibraltars in überwältigender Mehrheit für die britische Zugehörigkeit entschieden. Früher verliefen hier übrigens die Stadtmauern. Wenn man nun durch das Tor hindurch und ein paar Schritte auf der Trafalgar Road geht, kann man den Trafalgar Cemetery, einen Militärfriedhof aus dem 19. Jahrhundert, gar nicht übersehen. Jedes Jahr findet hier eine Gedenkzeremonie anlässlich Lord Nelsons Sieg über die napoleonische Flotte in der Schlacht von Trafalgar (1805) statt. Nicht weit vom Friedhof entfernt liegt der 1816 eröffnete Botanische Garten, der über 600 verschiedene Pflanzenarten enthält. Im Botanischen Garten befindet sich auch die Seilbahnstation, von der aus man den Upper Rock, also den oberen Teil des Felsens, erreichen kann. Wer sich das Herumwandern von einer Sehenswürdigkeit zur anderen auf dem Felsen ersparen will, der kann die bequemere Ausflugsvariante mit Parodytur wählen. In einem kleinen klimatisierten Bus werden wir auf dem Rock zu den wichtigsten Aussichtspunkten wie dem Jew’s Gate gefahren, von wo aus wir eine tolle Sicht auf Afrika und den Atlantik genießen. Wild lebende Berberaffen tollen im Apes’ Den und auch sonst überall auf dem Felsen herum. Zur Tour gehört zudem die Besichtigung der gewaltigen Tropfsteinhöhle St. Michael´s Cave und der Great Siege Tunnels, den zu militärischen Zwecken angelegten Bergstollen, die heute wie ein kleines Museum ausgebaut sind. Auf dem Rückweg sehen wir eine maurische Burg, das Moorish Castle, welche aus dem Jahre 1333 stammt.
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Kultur und Festkalender
Der außergewöhnlichen geographischen Lage und der belebten Geschichte hat Gibraltar seine multikulturelle Atmosphäre zu verdanken. Die Bevölkerung ist nicht nur größtenteils zweisprachig – sowohl Englisch als auch Spanisch beherrschen die meisten fließend – sondern weist auch eine große religiöse Vielfalt auf. Zwar ist die Mehrheit der Bevölkerung römisch-katholisch, die protestantischen, muslimischen und jüdischen Bevölkerungsteile sind jedoch keinesfalls zu vernachlässigen. Das multikulturelle Zusammenleben macht sich auch im Festkalender bemerkbar, der sowohl britische als auch spanische Bräuche aufweist.
Ein erster Auftakt des Festjahres bildet der traditionelle Reiterumzug, der zum Dreikönigstag am 6. Januar stattfindet. Am zweiten Montag im März wird der Commonwealth Day begangen, in dem die Zugehörigkeit zum Commonwealth of Nations, einem Staatenbund zwischen Großbritannien und den ehemaligen Kolonien, gefeiert wird. Am Good Friday, also am Karfreitag, zieht eine Prozession durch die Staßen Gibraltars, die an die typisch spanischen Prozessionen der Semana Santa erinnert, welche zur selben Zeit stattfinden. Am zweiten Samstag im Juni wird anlässlich des Geburstages der Königin der Queen´s Birthday gefeiert und im Juli ist die Wahl der “Miss Gibraltar“ als Höhepunkt zu verzeichnen. Jedes Jahr im August findet die Gibraltar Regatta statt, die sich unter Seglern großer Beliebtheit erfreut. Am 10. September, dem Nationalfeiertag Gibraltars, und in der ganzen Woche um den 10. September, finden viele Veranstaltungen wie Konzerte, Ausstellungen, Paraden, Parties und Spielwettbewerbe statt.
Am 21. Oktober jeden Jahres wird am Trafalgar Cemetery der Toten und Verletzten der Schlacht von Trafalgar vor der Küste von Cádiz gedacht und da sich in diesem Jahr die Schlacht zum zweihundertsten Mal jährt, finden diverse Veranstaltungen rund um diesen Jahrestag statt. Das Programm umfasst Vorträge, Schiffsfahrten zu den Kriegsschauplätzen, Militärparaden und sogar eine Trafalgar-Segelregatta. Am 28. Oktober wird in der Nähe des Trafalgar Friedhofes ein neues Denkmal zu Ehren Admiral Lord Nelsons enthüllt, das ebenfalls an die Schlacht erinnern soll (Siehe dazu den Artikel 200-jähriges Gedenken an die Schlacht von Trafalgar).
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Wer jetzt noch nicht genug vom Sightseeing hat, der sollte dem
Leuchtturm Europa Point auf der Südspitze der Halbinsel noch einen Besuch abstatten. Auf dem Weg dorthin liegen die Parson’s Lodge Battery, ein befestigtes Waffenlager aus dem Jahre 1875, und die Kapelle der Lady of Europe, zu der auch ein Museum gehört. Ebenfalls auf der Südspitze befindet sich die 1997 eingeweihte Moschee Ibrahim-al-Ibrahim, die ein Geschenk des kürzlich verstorbenen Königs Fahd von Saudi Arabien an die Bevölkerung Gibraltars war, welche zu sieben Prozent aus Moslems besteht. In der Moschee befinden sich zudem eine Schule, eine Bibliothek und ein Hörsaal. Die drei Strände auf der Ostseite – Eastern Beach, Catalan Bay und Sandy Bay – sind nach einem solch vollen Programm genau das Richtige, um sich ein wenig zu erholen. Vor allem die Catalan Bay, die auch La Caleta genannt wird, ist bei den Einheimischen und den Touristen gleichermaßen beliebt. In der Catalan Bay liegt auch das gleichnamige kleine Fischerdörfchen, das ursprünglich von genuesischen Fischern besiedelt wurde, deren Nachfahren zum Teil noch heute dort leben. Hier kann man sich zum krönenden Abschluss der kleinen Rundreise in einem der kleinen Restaurants mit frischen Fischgerichten verwöhnen oder einfach nur den schönen Strand und die angenehme Meeresbrise genießen.

TEXT: Sigrid Wieland und Marina Aliesch
FOTOS: Sigrid Wieland
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Sehenswertes
Einreisebestimmungen: gültiger Personalausweis
Importbestimmungen nach Spanien/pro Person ab 18 Jahren:
200 Zigaretten/50 Zigarren,
1 Liter Schnaps/2 Liter Wein
Parfum im Wert von 171 Euro
Offizielle Währung: englisches Pfund, Gib. Pfund
Straßenverkehr: Rechtsverkehr
Tourismusbüro
GIBRALTAR TOURIST BOARD
Duke of Kent House , Cathedral Square
Tel.: 00350-74950
E-mail: tourism@gibraltar.gi
Website: www.gibraltar.gov.gi
Rock Tour
Der obere Felsen kann mit dem eigenen Auto erreicht werden, dies ist allerdings Gebührenpflichtig. Es empfiehlt sich eine Fahrt mit den örtlichen Ausflugsgesellschaft wie z.B. Parodytur oder mit der Seilbahn. Die geführten Ausflüge kosten ca. 20 Euro pro Person. Sonderpreis für Gruppen bitte erfragen. Der Ausflug dauert rund 2 Stunden und beinhaltet den Besuch der St. Michael´s Höhle, des Apes´ Den und des Great Siege Tunnels. Zudem bietet diese Felsentour traumhafte Ausblicke auf den Atlantik, das Mittelmeer, das europäische und das afrikanische Festland.
Website: www.parodytur.gi
Ausflugsgesellschaft: 9567-47366
Taxi: 9567-70027 / 70052
Seilbahn
Red Sands Road
Tel.: 00350-77826
Museum von Gibraltar
Bomb House Lane 18-20
Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-14 Uhr
Tourismusbüro im Museum von Gibraltar
Tel.: 00350-74805
Botanischer Garten
Red Sands Road
Tel.: 00350-72639
E-mail: alameda@wildlife.gib.gif
Website: www.gib.gi/alameda
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