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11:00 Dienstag 6. Januar 2009

Ardales

Ein sympathisches Städtchen mit viel ländlichem Charme :: TEXT und FOTOS: Marina Aliesch

Ein hübsches weißes Dorf am Fuße eines schroffen Felsens gelegen und eingebettet in einer malerischen Landschaft von Olivenhainen, Pinienwäldern, Stauseen und Schluchten, ein Wanderparadies der Extraklasse, reich an Kultur und Geschichte. Kurzum: der ideale Ort für Abenteurer und Erholungssuchende zugleich.

Die Geschichte dieses Dorfes beginnt vor 20’000 Jahren. Zu dieser Zeit wurde die Gegend um Ardales erstmals von Menschen besiedelt und noch heute erzählen Höhlenmalereien vom Leben in der Steinzeit. Im 11. Jahrhundert vor Christus ließen sich die Phönizier in der Gegend nieder. Die Schriften des römischen Chronisten Plinius des Älteren geben Aufschluss darüber, dass vor Ankunft der Römer an der Stelle des heutigen Ardales die keltische Siedlung Turobriga neben der Burg von Turón entstanden war. Die Römer marschierten dann im zweiten Jahrhundert v. Chr. ein und übernahmen die Herrschaft über die Iberische Halbinsel. Sie befestigten die Stadt mit dem Castillo de la Peña und bauten die Brücke Puente de la Molina. Im fünften Jahrhundert n. Chr. wurden die Römer aber zunehmend von den Vandalen, den Goten und den Franken verdrängt, welche wiederum im achten Jahrhundert der maurischen Invasion weichen mussten. Mit den Mauren begann der Aufschwung der Stadt, die fortan Ard-Allah, Land Gottes, genannt wurde, worauf auch der heutige Stadtname zurückzuführen ist.

Der Rebell Omar Ben Hafsum, ein zum Christentum konvertierter Maure, wählte die Gegend um Ardales im neunten Jahrhundert als Stützpunkt für seinen Widerstand gegen das Kalifat von Córdoba, hiervon zeugen die Reste alter Befestigungsanlagen in Bobastro, die man heute noch bewundern kann.
Als der Ritter Juan Ramírez de Guzmán und sein Gefolge Ardales am 24. März 1389 von den Mauren zurückeroberten, wurde die heutige Gemeinde Ardales gegründet.

Wir beginnen unseren Stadtrundgang im oberen Teil des Ortes. Ganz oben auf dem Felshügel thronen noch die Ruinen des Castillo de la Peña über der Stadt. An die zerfallenen Befestigungen des Stadthügels schließt sich das wohl auffälligste Bauwerk der Stadt an: die Kirche Nuestra Señora de los Remedios. Diese Kirche im Mudejarstil stammt aus dem 15. Jahrhundert und war vor der Rückeroberung durch die Christen eine maurische Moschee. Sie musste aber 1720 aufgrund ihres schlechten Zustands fast vollständig erneuert werden. Die Kassettendecke des Gotteshauses, die wunderschöne Barockfassade und der mit Keramikfliesen versetzte Turmhelm machen aus dieser Kirche ein sehenswertes Monument. Hoch oben auf dem in der Nähe gelegenen Hügel und vom Kirchplatz aus gut zu sehen ist die kleine Kapelle Encarnación, die in einem für das 18. Jahrhundert typischen Stil erbaut wurde. 

Durch die hübschen alten Gassen mit den blendend weißen Hauswänden geht es steil abwärts zum Herzen des Dorfes. Die belebte Calle Real führt uns zum Rathaus und der Plaza de la Constitución, wo sich die Senioren zum alltäglichen Schwatz und Dominospiel im Schatten der Bäume zu treffen pflegen. Noch etwas weiter bergabwärts befindet sich das im 17. und 18. Jahrhundert erbaute Kapuzinerkloster Convento de los Capuchinos, dessen Kirche durch ihren flachen Glockenturm hervorsticht.
Als nächste Anlaufstelle steuern wir das direkt am Dorfeingang gelegene Museo Municipal de la Historia y las Tradiciones an, das über die archäologischen Funde in der nahe gelegenen Höhle der Doña Trinidad Grund informiert. Auf großen Tafeln sind Nachzeichnungen der Felsmalereien zu sehen, die man im Innern der Höhle entdeckt hat. Das ländliche Leben und die Gebräuche von anno dazumal werden in diesem Museum ebenfalls thematisiert. Ardales wartet noch mit zwei weiteren Museen auf: Im Museo Municipal, das sich ganz in der Nähe des Rathauses befindet, erfährt man viel Wissenswertes über das steinzeitliche Leben in Ardales. Das Museo del Parque de Ardales befindet sich am Stausee Conde del Guadalhorce und bietet Allerlei historisch und geologisch Interessantes, so zum Beispiel Keramiken aus der Steinzeit, ausgegrabene Brautgaben, Gesteinsproben und vieles mehr. Die Museumsangestellten geben gerne Auskunft über die Region und machen auch Führungen durch das Umland. Natürlich sollte dies zuvor telefonisch angemeldet werden (Tel. siehe Infokasten am Ende des Artikels).

Abgesehen von den sehenswerten Kirchen, Ruinen und Museen ist Ardales allein schon wegen der ländlichen Idylle und seinem rustikalen Charme ein lohnenswerter Ausflug. In diesem Dorf werden Traditionen noch gepflegt und man ist stolz auf das viel gerühmte Erscheinungsbild, auf die zahlreichen hübschen Brunnen sowie auf die sorgfältig angelegten Parks und Plätze, die das Stadtbild verschönern.
So schön das Dorf auch sein mag, viele der wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen außerhalb des Dorfes, denn es ist die wilde Natur, die dem Ort seinen Charme verleiht. Der Parque Ardales, der eigentliche Touristenmagnet der Region, schließt sich direkt an den Ort an. In diesem Naturschutzgebiet befinden sich Stauseen, Wanderwege, Schluchten, Grotten, Ruinen und etliches mehr. Die drei Stauseen, die von den Flüssen Guadalhorce, Guadalteba und Turón gespiesen werden, versorgen große Teile der Provinz Málaga mit Wasser und bilden den Mittelpunkt dieses Naturparadieses, das sich nicht nur für Erholung, sondern auch für Aktiv-Urlaub bestens eignet. Von Kanufahren, über Segeln, Klettern und Wandern ist hier fast alles möglich was das Sportlerherz begehrt. Den an der steilen Bergwand montierten Steg  Caminito del Rey, der 1901-1905 in der atemberaubenden Schlucht Desfiladero de los Gaitanes angebracht und vom König Alfonso XIII höchstpersönlich besichtigt wurde, sollten aber auch adrenalinsüchtige Extremsportler nur von Weitem betrachten, denn leider ist der vernachlässigte Steg stark baufällig und es grenzt geradezu an Lebensgefahr, ihn abgehen zu wollen.

Etwas nordöstlich von Ardales liegt Bobastro und die Hochebene Mesas de Villaverde. Hier war einst die Rebellenhochburg Omar Ben Hafsums, von der heute noch die Ruinen des Castillo Bobastro zeugen und eine mozarabische Felskirche erinnert ebenfalls an die zum Christentum konvertierten Araber, die gegen das Kalifat von Córdoba rebellierten.

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