Die weißen Dörfer Andalusiens sind mit Anmut, Geschichte und Schönheit gesegnet. Sie laden einheimische und auswärtige Besucher ein, ihre interessanten Gassen und nähere Umgebung zu erkunden. Bis vor kurzem trugen sich trotzdem nur wenige mit dem Gedanken, sich in dieser faszinierenden ländlichen Gegend niederzulassen. Erst neuerdings werden die weißen Dörfer als Erst- und Zweitwohnsitz immer beliebter.
Von Debbie WallaceMit den Burgen, Türmen, Kirchen und engen gepflasterten Gassen inmitten einer Landschaft, die mit Olivenhainen, Baumwollfeldern und Weingärten durchsetzt ist, liegt eine besondere Art von Aura über dieser Gegend. Dieses alles noch zu vertiefen ist das stolze Erbe, so typisch für diese Dörfer. Denn von der Geschichte geprägt werden sie von Familien bewohnt, die seit Jahrhunderten hier ansässig sind.
Das kurvenreiche Fahrerlebnis durch die weißen Dörfer ist einmalig und faszinierend. Man windet sich durch welliges Hügelland, vorbei an Seen, Stierweiden und atemberaubend schönen Landstrichen. Zweifellos ist das Licht in Cádiz mit seinem die meiste Zeit des Jahres durchsichtig klaren, blauen Himmel, der manchmal von Schäfchenwolken übersät ist, etwas Besonderes. Im Herbst hängt niedriger Morgennebel über dem Land und zaubert eine einzigartige Stimmung herbei, wenn die Sonnenstrahlen langsam durch Olivenhaine und den gelegentlich einsamen Baum auf einem Hügel gebrochen werden. Im späten Frühling sind die Sonnenuntergänge hinter den riesigen Sonnenblumenfeldern und Reihen der sauber aufgereihten Heuhaufen besonders schön.
Eine Pause in einem Gasthaus oder Landhotel einzulegen bedeutet meistens eine erfreuliche Überraschung und ein appetitliches Angebot von frisch zubereiteten Gerichten - hier schmeckt man das echte Spanien. Das Menu wird in schnellem Andalusisch herunter gerattert, es gibt nichts Schriftliches dazu. Wenn Ihr Spanisch also spärlich ist können Sie eine Überraschung erleben mit dem, was Sie sich dabei ausgesucht haben - es kann Hühnchen, Fisch oder Fleisch sein. Jetzt im Herbst, wenn die Temperaturen abends leicht sinken, wird man erfreut festellen, wie gut Kichererbsen oder weiße Bohnen schmecken können. Beide spielen eine wichtige Rolle auf dem Speiseplan der Sierra von Cádiz. Viele Restaurants und Hotels haben ihren eigenen Küchengarten, so dass die den Jahreszeiten angepassten Gerichte überwiegend biologisch angebautes Gemüse enthalten. Fleischliebhaber kommen auf ihre Kosten mit Ochsenschwanz (rabo de toro), Wildschwein (jabalí), Kaninchen (conejo) und Reh (venado); beliebt sind auch Hühnchen, Truthahn und verschiedene Schweinefleischgerichte. Eine ausgezeichnete Gelegenheit die lokale Gastronomie zu probieren bietet sich im November, wenn die „Ruta de la Tapa“ (Tapas-Strecke) nach Arcos de la Frontera führt.
Sportfreunde können vor Ort wandern, Vögel beobachten, Kanu fahren, klettern und Hang Gliding machen. Die nächste Strand ist beim lebendigen, eleganten Hafen El Puerto de Santa Maria, nur 45 Autominuten entfernt. Die einsamen Strände der westlichen Costa de la Luz liegen nur eine Stunde weit weg. Hier ist Drachensurfen der letzte Trend! Kulturfreaks und Einkaufsfans sind sehr erfreut, dass Jerez weniger als eine halbe Stunde von Arcos entfernt ist, Cádiz und Sevilla weniger als eine Stunde. Obwohl Welten dazwischen liegen, was die Lebensart betrifft, so ist Arcos durch einen 2 Stunden-Trip mit der Costa del Sol verbunden.
Arcos de la Frontera selbst präsentiert sich abenteuerlich auf zwei steilen Felsen gelegen (die nachts angestrahlt werden). Von weitem erkennt man es sofort an seinen zwei Hauptkirchen (San Pedro und Santa Maria) und seinem Kastell. Der Turm von Santa Maria (erbaut 13. bis 15. Jahrhundert) wurde Ende 2004 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und gibt einen herrlichen Blick auf die Stadt und die Umgebung frei. Die alten Straßen sind gepflastert und manchmal recht steil. Hier und da stehen romanische Säulen an den Ecken der Häuser. Sie erinnern an die Zeit, als hier die Römer wohnten, so lange her wie 2 v.Chr. Die Häuserreihen sind mit Hängegeranien in Terrakotta-Töpfen geschmückt, und lauschige Plätze sind eine ideale Bühne für die regelmäßig hier stattfindenen authentischen Flamenco Shows.
Arcos ist wahrhaftig reich an Traditionen! Festivals und Events gibt es das ganze Jahr über, einschließlich der „Feria de San Miguel“ (Dorffest Ende September), dem „dia del caballo“ (Tag des Pferdes), „Semana Santa“ (Osterwoche), „Cruzes de Mayo“ (Mai-Kreuze) und der „Ruta de la Tapa (Tapas-Kostprobe im November), an der sich diesen ganzen Monat die meisten der Bars und Restaurants beteiligen. Am 0riginellsten ist wohl das lebendige Krippenspiel (Belén viviente) im Dezember. Es findet ein paar Tage vor Weihnachten auf dem alten Marktplatz statt, wo Tonnen von Erde, Ziege, Schafe, Federvieh, Pferde und Esel auf der Bühne agieren und die Einheimischen in biblischen Gewändern längst vergangene Zeiten herauf beschwören. Durch die in vielen Häusern offene Haustüren kann man ins festlich geschmückte Innere blicken und große Flure und hohe Decken sehen, die normalerweise hinter dicken Holztüren entlang der Gassen versteckt bleiben.
Bis jetzt hat Arcos einen ständigen Strom von Besuchern erlebt, von denen die meisten auf einem Tagesausflug auf der Durchreise sind und höchstens eine oder zwei Nächte bleiben. Da die Stadt jedoch das erste „Weiße Dorf“ der Provinz Cádiz ist, das einen Golfplatz direkt vor der Tür hat, wird sich das Bild bald durch ein neuartiges Angebot ändern, wenn nämlich Arcos Gardens Golf Club & Country Estate seine Türen öffnet.