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08:01 Sonntag 6. Juli 2008

Der Nationalpark Coto de Doñana

Das Weltkulturerbe Spaniens Teil 20

Der 17. Dezember 1994 ist ein wichtiges Datum in der Geschichte des National- und Naturparks Doñana. An jenem Tage nahm die UNESCO ihn als einziges spanisches Weltkulturgut in ihren Katalog auf, und das Naturgeschenk an der südlichen Atlantikküste sah seine Einmaligkeit offiziell bestätigt.  Nicht nur die Besonderheiten der ganz außergewöhnlichen Flora und Fauna dieser Gegend, sondern auch die Interaktion zwischen Mensch und Umwelt wurde damit gewürdigt.

Der Nationalpark Doñana erstreckt sich auf 50.720 ha auf der westlichen Seite des Guadalquivir-Mündungsdeltas. Wenn man die 54.200 Hektar des 1989 geschaffenen Naturparks Doñana dazu rechnet, haben wir hier ein Naturschutzgebiet von gigantischen Ausmaßen. Es ist besonders als Reservat für die Vogelwelt von großem ökologischem Wert. Hier brüten sie, überwintern oder legen eine Pause ein auf ihrer Reise zwischen den Kontinenten. Verschiedene Organisationen haben Doñana deshalb ausgezeichnet. Dünen, Feuchtzonen, Wälder, endemische Pflanzen und Tiere, die es nur hier noch gibt,  ziehen Naturfreunde aus aller Welt an. Man muß seinen Besuch im Nationalpark vorher ankündigen, und es gilt bestimmte Vorschriften zu beachten, die dem Schutz der einmaligen Ökosysteme gelten.

Zu Doñana gehören eine Handvoll geschäftiger Ortschaften, die im und manchmal vom Naturpark existieren. Ihre Bewohner wahren Traditionen, die eng mit der althergebrachten Nutzung Doñanas zu tun haben. Das gilt zum Beispiel für Sanlúcar de Barrameda mit seinen weißen Stränden an der Guadalquivir-Mündung, berühmt geworden durch seine Pferderennen am Rande des Wassers;  Lebrija mit seinen Klöstern, Kirchen und Palästen, die viele Touristen anziehen. Hinojos inmitten schöner Pinienwälder, oder Almonte, Verwaltungshauptstadt mit 17.000 Einwohnern und zahlreichen Bodegas, in denen der regionale Wein lagert. 15 km entfernt liegt der Wallfahrtsort Rocío, internationales Pferdedorf und Balkon Doñanas. Jedes Jahr zu Pfingsten strömen hier über eine Million Menschen zu Pferd, per Ochsenkarren oder per pedes zusammen, um die „Blanca Paloma“ zu feiern, die Mutter Gottes und Königin der marismas. 

Ihren Namen bekam diese Gegend von Doña Ana, Gattin des 7. Grafen von Medina-Sidonia. Doña Ana bezog als Gräfin von Medina-Sidonia im Jahr 1589 einen Palast, den Palacio del Bosque, den ihr Gatte im Wald hinter den Sümpfen (marismas) der Guadalquivir-Mündung hatte erbauen lassen. Damit begann die Feudalherrschaft dieser Familie, die Doñana jahrhundertelang als private Jagdgründe nützte und schützte. Sie unterband alle Tätigkeiten, die nichts damit zu tun hatten, so auch die Trockenlegung für Reisanbau. Deshalb konnte die Natur in dieser Gegend unangetastet bis heute überdauern. Bis heute steht hier Doña Anas Waldschlößchen, der Palacio de Doñana, und mit ihm der Name des ganzen Nationalparks, nämlich „Coto de Doñana“, Jagdrevier von Doña Ana.
Das Leben in einer Tiefebene voller Salzmarschen war für Menschen ungeeignet. Im Sommer fehlt das Trinkwasser, und außerdem gab es hier Malaria. Deshalb war sie der Tierwelt der ideale Lebensraum. Die Cotos sind bewachsen mit einer Vegetation, die Pflanzenfressern und kleinen Raubtieren lieb ist. Luchs oder Adler wiederum finden durch diesen Umstand hier eine reich gedeckte Tafel. Die Pflanzen kolonisieren quasi das sandige Land und passen sich je nach Feuchtigkeitsbedürfnis und Tiefe des Grundwasserspiegels ihrem Standort an. In den leicht erhöhten Lagen wachsen stolze Wälder von Sadebäumen (juniperus phoenicea turbinata). Leider wurde daraus bis vor nicht allzu langer Zeit Bauholz und Holzkohle gemacht. An ihrer Statt pflanzte man schneller wachsende Hölzer an. Ehe die Küstenwälder dieser Gartenzierpflanze jedoch ganz verschwinden konnten, forstet man sie heute wieder auf. 

Der deutsche Archäologe Adolf Schülten glaubte der These einiger spanischer Wissenschaftler, wonach im Raum Doñana einst die Hauptstadt der Tartesser lag und damit der von den Römern oft erwähnte Lacus Ligustinos. Das erklärte den Ursprung der Feuchtgebiete. Die Kulturen, die sich hier niederließen, fanden genügend Mittel zum Überleben. Es gab die saftigen Wiesen, die reichhaltige und abwechslungsreiche Jagd, und der Fischfang fand praktisch direkt vor der Tür statt. Reich vorhanden waren auch Honig, Salz und das Rohmaterial für Werkzeuge und Hausbau.

Schon 1963 wurde Doñana auf Empfehlung von WWF (World Wide Fund For Nature) als das wohl größte Feuchtgebiet Europas unter Naturschutz gestellt. Diesem Regenzeitgebiet ist es zu verdanken, dass der Park heute Spaniens wichtigstes Naturschutzgebiet ist. Säugetiere wie der vom Aussterben bedrohte iberische Luchs, Wildschweine, Rehe, Damhirsche etc. und Vögel wie verschiedene Adlerarten, darunter auch der Kaiseradler, der Löffler, Flamingo, das Bläßhuhn, das Purpurhuhn und andere Tierarten sind in Doñana heimisch. Insgesamt zählt man in Doñana 33 Arten Säugetiere, 12 Arten Fische und 18 verschiedene Reptilienarten. Hinzu kommen die Zugvögel: In normalen Wintern zählt man allein 40.000 Wildgänse, 150.000 bis 200.000 Reiher und Enten, Zigtausend von Flamingos ...

Wasser ist das zentrale Lebenselement der marismas. Lagunen, Bachläufe, Quellen und erhöhte Stellen (veras) bilden das Gesamtbild. Drei der wichtigsten Bäche, der Caño Travieso, der Caño Guadiamar und der Caño Madre de las Marismas, bewässern dann Doñana weitaus mehr als der Guadalquivir selbst, der hier nur bei ganz großen Überschwemmungen in Erscheinung tritt.
Die marismas werden von den Caños periodisch überschwemmt, was hauptsächlich die Folge der herbstlichen und winterlichen Regenfälle ist. Bis März oder April ist hier landunter. Mit Beginn und Fortschreiten des Sommers verschwindet das Wasser und was übrig bleibt sind brackige Lagunen. Im Sommer spielt sich alles Leben an den Quellen ab; denn das Meer wird durch die Dünen ausgesperrt.
Die Vegetation der marismas wird dort, wo der Einfluss des Meeres zu spüren ist, von Schlickgras und Meeres-Simse bestimmt. Weiter im Inland, in den Salzsümpfen, finden verschiedene Arten der Gliedermelde, die Strand-Salzmelde und den Strand-Alant ihr ideales Habitat. Die fleischigen Blätter sind typisch für die Nähe des Meeres. An Quellen und Bächen wachsen Laichkräuter und weißblühende Wasserhahnenfüße, Binsenkräuter und Sumpfbinsen; dazwischen trifft man auf Sträucher wie die Weide Salix atrocinerea, wilden Wein und ulmenblättrige Brombeeren.

Vögel und andere Tierarten rasten auf den kleinen Erhöhungen („veras“). Eine vera ist ein eigener Biotop, eine Übergangszone zwischen marismas, cotos und Dünen. Auf einem schmalen Streifen tritt Feuchtigkeit aus, filtriert vom Sand begünstigt sie das Wachstum von dichten Rohrwäldern und saftigen Weideflächen, auf dem auch im trockenen Sommer das Rotwild weidet.
Ein besonderes Habitat bilden die Reste alter Wälder außerhalb der marismas. In Korkeichen und wilden Olivenbäumen nisten immense Kolonien von Reihern, Löfflern, Kuhreihern, Nachtreihern, und geben diesen Stätten den Beinamen „Pajarera“, Vogelkäfig.   

Der Boden des Guadalquivir-Deltas ist typisches Schwemmland. Der Atlantik spült einen Teil der Sedimente an Land zurück und bildet in Zusammenwirken mit dem ständigen Wind aus Südwest  zwischen den marismas und dem Meer gewaltige Dünen. Auf ihrer Windschattenseite werden sie vorübergehend von der Vegetation erobert. Sie erstrecken sich auf über 30 km zwischen Matalascañas und der Flußmündung. Der Wind bläst sie jährlich bis zu 6 Meter weiter landeinwärts. Dabei werden sie bis zu 40 Meter hoch und bilden mehrere ziemlich parallel verlaufende Ketten. Zwischen ihnen wachsen Nadelbäume, die von den Dünen irgend wann zugedeckt werden.  Jahrzehnte später kommen die Baumskelette wieder zum Vorschein. Die die Verschüttung überlebenden Samen haben inzwischen für das Überleben der Flachwurzler an versetzter Stelle gesorgt. 

Wenn eine Düne vorbei gewalzt ist, kommt auf der flachen Sohle eine feuchte windgeschützte Fläche zum Vorschein, ein „corral“, Pflanzenpatchwork mit weißen Zwergnelken und gelben Strohblumen in Küstennähe. Je weiter landeinwärts so ein corral liegt, desto kräftiger ist seine Pflanzenwelt, sie besteht aus  Oleander und Salbeiblättrigen Zistrosen. In den corrales treffen sich Schlangen und Schlangenadler,  Kaninchen und Eidechsen mit Baumfalken, Eulen und Luchsen, Bussarde und Schildkröten.

Auf den Dünen selbst siedelt als erstes der Strandhafer. Die Wacholderwurzeln lassen die Sträucher  auf dem Rücken der Dünen „reiten“. Wo Wanderdünen zum Stillstand kamen und von der Vegetation befestigt wurden, wächst das matorral, Busch- und Strauchwerk.  Man unterscheidet zwischen  montes blancos, fast ausschließlich bewachsen mit gelben Zistrosen und mit verschiedenen Arten von artverwandten Sträuchern. Auch allgemein bekannte Pflanzen, die sandigen trockenen Boden vorziehen (Lavendel, Rosmarin und Thymian) wachsen auf den montes blancos.
Die montes negros, die feuchteren Senken, sind mit einem dunklen, dichten und undurchdringlichen Buschwerk bewachsen. Zwischen ihnen bilden sich zur Regenzeit kleine Lagunen, umsäumt mit allen möglichen  Ginster- und Erikaarten.

Am weißen Strand von Doñana liegt feinster Sand. Vor 6.000 Jahren schlossen Wind und Wellen damit das Flußdelta bis auf die Stelle, wo der mächtige Guadalquivir ins Meer tritt. Hier kann man neben den heimischen Möven große Scharen von Zugvögeln beobachten, die je nach Jahreszeit kommen und gehen. Die spanische Gesetzgebung gestattet freien Zutritt zu allen Stränden. 

Drei Besucherzentren bieten Programme an, bei denen man die verschiedenen „Doñanas“gesondert kennen lernen kann. Eine Rundfahrt mit Allradfahrzeugen durch den gesamten Nationalpark organisiert ein privates Unternehmen, über dessen Angebote man unter der Nummer 959 430 432 und 430 451 Auskunft erhält. Der Naturpark kann hingegen auch auf eigene Faust erforscht werden. Eine wichtige Anlaufstelle für alle Auskünfte (auch in deutsch) ist das Besucherzentrum El Acebuche, das man wochentags von 08.30-15.00 Uhr unter der Nummer 959 448 739 erreichen kann.

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