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19:45 Freitag 25. Juli 2008

Die historische Festung Cuenca

Das Weltkulturerbe Spaniens Teil 21

Zwischen den Flüssen Júcar und Huécar liegt die mittelalterliche Stadt Cuenca. Ihre  Umgebung ist von der Erosion stark gekennzeichnet. So ist die naheliegende Landschaft Ciudad Encantada (verzauberte Stadt) mit ihrer bizarren Steinformation sogar ein offizielles Naturreservat für sich. Zu dem, was  in Cuenca der Mensch erbaute und was der Stadt im Jahr 1996 den Ehrentitel  „Weltkulturerbe“ eingebracht hat, zählt vor allem der berühmte Komplex der Hängenden Häuser, die Gotik-Renaissance-Barock-Kathedrale und die Burg auf den Grundmauern der maurischen Befestigungsanlage Conca mit dem Mangana-Turm, der als Wahrzeichen von weither aus allen Richtungen zu sehen ist.
Cuenca ist die etwa 46.000 Einwohner zählende Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Man  gehört seit dem 16. 8. 1982 zur Autonomie Kastilien-La Mancha. Diese Region im Herzen der Iberischen Halbinsel besteht im wesentlichen aus einem von Bergketten durchzogenen Hochplateau. In der Serranía de Cuenca, circa 160 km östlich von Madrid, liegt die Altstadt auf einem Felskeil zwischen zwei Flusstälern. Ihre strategische Lage machte sie in der Vergangenheit zur schier uneinnehmbaren Festung. Die Neustadt ist ins Júcar-Tal hinunter gewachsen.
Die Legende besagt, dass sich hier kriegerische kantabrische Stämme aufgehalten haben, bevor sie von den Römern unterworfen wurden. Aber erst die Mauren gründeten auf dem Felsen eine feste Siedlung. Erstmals wurde die Stadt im Jahr 784 in arabischen Texten erwähnt. Sie zählte bald 1000 Einwohner. Man widmete sich u.a. der Teppichweberei und Elfenbeinschnitzerei und hatte einen großen Absatzmarkt in Al Andalus und am Hof zu Toldedo. Handwerker und Händler hatten auf dem heutigen Plaza Mayor ihren Standort, ihre Moschee stand dort, wo sich heute die Kathedrale  Nuestra Señora de Gracia erhebt. Das Rathaus in unmittelbarer Nachbarschaft aus dem 18. Jahrhundert hat zwei Stockwerke mit drei Reihen von Spitzbögen.

Mit Beginn des 11. Jahrhunderts begannen die Rückeroberungskriege der Christen. Alfonso VI. „el Bravo“, König von Kastilien-Leon, eröffnete den Reigen. Er hatte die Maurenprinzessin Zayda geheiratet, die Cuenca als Mitgift in die Ehe brachte. Aber die Einwohner waren wohl nicht damit einverstanden, dass sie nun Christen werden sollten, sie wollten Mauren bleiben. Im Verlauf der Kämpfe  wechselten die Bewohner von Cuenca wiederholt ihren Glauben,  aber nach einer neunmonatigen Belagerung gelang es König Alfonso VIII. von Kastilien-Leon, die Übergabe endgültig zu erzwingen. Am 21. September 1177 zog er siegreich in die Stadt ein, der Sage nach eine Heilige Jungfrau im Gepäck. Er ließ sie in der Moschee aufstellen. 1183 wurde an dieser Stelle mit dem Kirchenbau begonnen. Eine handvoll Mauren waren zunächst um den Mangana-Turm herum geblieben, und ein paar Juden in der Straße der Schuhmacher. Aber mit der sich seit 1489 immer stärker etablierender Inquisition, die auch Cuenca nicht verschonte, verloren sie sich. 

Die Stadtmauer hatte sechs Tore und drei Eingänge, die nachts aus Sicherheitsgründen geschlossen wurden. Noch war der Gegner ringsum aktiv. Hinter der Stadtmauer wurden deshalb demonstrativ viele Kirchen gebaut, allen voran die Kathedrale anstelle der Moschee.  Ihr anonymer Initiator hat sich beim Entwurf an den Schulen der Burgunder und Normannen gehalten. Diese Stilrichtungen charakterisieren das Bauwerk, es handelt sich somit um die erste gotische Kirche Spaniens. Der Grundriss ist ein lateinisches Kreuz mit drei Schiffen und einem Querschiff. 1902 brach der Turm mit der Wetterfahne zusammen und beschädigte dabei die Fassade. An ihrer Stelle entstand eine neue im neugotischen Stil.
Die Kathedrale trägt die Merkmale vieler Epochen, wie das Triforium und den Engelsturm aus der Zeit der Gründung; aus dem 15. und 16. Jh. stammen die Sakristei und Kapitelsaal. Das Chorgestühl aus dem 14. Jahrhundert zog mehrmals um, und besonders auffällig ist das schmiedeeiserne Gitter in der Mitte des Tempels. Im Lauf der Jahrhunderte entstanden zahlreiche Kapellen, und erst in neuester Zeit wurden die kunstvollen Fenster ersetzt.

Angebaut an die Kathedrale ist der ehemalige Bischofspalast aus dem 13. Jahrhundert, an dem auch bis ins 18. Jh. gebaut wurde. Vielbestaunt wird sein Kreuzgang, über den man in das Museum der Diözese gelangt.
Nach dem San Juan-Tor zur Júcar-Seite hin steht als einer der ältesten und schönsten Kirchenbauten San Miguel (für den Kult inzwischen geschlossen, statt dessen als Kulturbühne viel genutzt) mit einem besonders hohen Turm, kunstvollen Mudéjar-Decken und viel Barock und einer schönen Renaissance-Fassade. Zum Huécar-Tal hin entstanden San Martin (wovon nur noch die Reste der romanischen Apsis vorhanden sind), Santo Domingo, Santa Cruz und San Gil. In der Altstadt blieben uns San Salvador und San Andrés (seit 1936 geschlossen) und San Felipe Neri (diese aus dem 18. Jh. und kürzlich restauriert) erhalten.
Auch eine Einsiedelei (Nuestra Señora de las Angustias) und das Kloster mit Kirche La Merced und das Seminar San Julián gehören zur Altstadt, wie auch das Kloster mit Kirche San Pablo aus dem 16. Jh., heute ein staatliches Hotel. 

Im Frühmittelalter wurde Cuenca durch Textilindustrie und Viehzucht wohlhabend, wovon die imposanten Herrenhäuser zeugen. Die Stadt zählte im 16. Jahrhundert 12.000 Einwohner. Dann aber wurde die Wolle so teuer, dass die Textilindustrie zusammenbrach. Nur 3.000 Menschen waren  1640 geblieben. Zur Zeit der Unabhängigkeitskriege wurden die Kirchenschätze gestohlen. Die halb verlassene, schutzlose Stadt wurde gebrandschatzt. Auch die Karlistischen Kriege hinterließen ihre Spuren, und der Bürgerkrieg des vergangenen Jahrhunderts ebenfalls. Erst Ende des 19. Jahrhunderts erlebt Cuenca durch die florierende Holzwirtschaft und den Anschluss an das Eisenbahnnetz einen bescheidenen Aufschwung: die Stadt dehnt sich aus, den Berg hinunter. Heute hat die mittelalterliche, barocke Altstadt, obwohl bewohnt, Museumscharakter; das kommerzielle und bürokratische Leben spielt sich  im unteren Teil ab.

Mit ihren gepflasterten Sträßchen ist die Altstadt ein gut erhaltenes Beispiel für mittelalterlichen Städtebau. Gekrönt wird sie von einem Rest der alten Burg mit dem berühmten Quaderturm. An ihrem Fuße liegt das alte Inquisitionsgebäude, heute das Archiv der Provinz, das Karmeliter-Kloster (heute Sitz der Universidad Menéndez Pelayo) und der Stadtpalast San Pedro. Der Plaza Mayor mit dem Rathaus und der Kathedrale und ehemalige Patrizierhäuser (jetzt meist urige Gasthäuser) mit schönen Holzbalkonen und schmiedeeisernen Gittern laden zum Verweilen ein. Cuencas Aushängeschild, die berühmten Hängenden Häuser, deren Balkons wie Schwalbennester über der Huécar-Schlucht an den Mauern kleben, ist eine Nachbildung der Originale aus dem Mittelalter und stammt aus den Zwanziger Jahren. In einem dieser Häuser ist eins der berühmtesten spanischen Museen für abstrakte Kunst untergebracht.
Das Einzigartige an Cuenca ist die Symbiose von Architektur und Natur, von Fels und Zement, von Holz und Backstein. Ein Großteil der Mauern, die diese Stadt im Mittelalter beschützten, besteht aus natürlichen Felsen hoch über Júcar und Huécar. Die maurischen Erbauer der Altstadt machten sie sich zu Nutze und passten sich bei der Stadtplanung den physischen Gegebenheiten an. Gewundene Gassen mit verschachtelten Häusern und viele kleine Plätze, geschmückt  von zahlreichen Brunnen und Bögen,  machen Cuenca zu dem, was man unter einer Stadtlandschaft versteht.

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