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07:24 Dienstag 6. Januar 2009

Palau de les Arts Reina Sofia

Eine moderne Musik-Kathedrale mit vielen Funktionen

In Valencia ist innerhalb des Komplexes „Stadt der Wissenschaften und Künste“ (Ciutat de les Arts i les Sciències) am 8. Oktober 2005 ein hochmoderner Kunstpalast eingeweiht worden. Der Palau de les Arts Reina Sofia will eine wichtige Station auf dem Rennkurs internationaler Musik-Veranstaltungen und szenischer Kunst werden und sich mit so renommierten Häusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper und der New Yorker Met messen.

In der Ciutat de les Arts i les Sciències wurde 1998 als erstes revolutionäres Gebäude das l‘Hemisfèric eingeweiht, ein audio-visueller Technik-Tempel. Es folgte im Jahr 2000 das didaktische Zentrum Museu de les Ciències Principe Felipe mit dem berühmten Schattenspender L‘Umbracle und 2003 der Themenpark L‘Oceanogràfic. Valencia vollendete jetzt mit dem Palau des les Arts Reine Sofia einen bedeutenden Abschnitt seiner architektonischen und kulturellen Wandlung.

Santiago Calatravo, einer der berühmtesten Söhne der Region, war von der Landesregierung (Generalitat Valenciana) damit beauftragt worden, für die Bürger einen Ort der Entspannung, verbunden mit wissenschaftlicher und kultureller Unterweisung, zu gestalten. Das Projekt wurde zum Motor für eine generelle Erneuerung auf gesellschaftlichem und kulturellem Gebiet. Valencia, von großer musikalischer Tradition, und der einheimische Architekt gaben ihr Bestes, damit der Palau de les Arts als vierter und letzter Teil der kulturellen „Stadt in der Stadt“ glanzvoll in die Welt der Opernbühnen, der großen Musik-Shows und der choreografischen Ereignisse eintreten konnte. Koryphäen wie Lorin Maazel, Zubin Metha und Placido Domingo haben feststellen können, dass nicht nur die Verpackung, sondern auch der Inhalt des neuen Kunstpalastes Spitzenklasse hat.

Zur offiziellen Einweihungsfeier waren einmalig für diesen Tag valencianische Musiker aus aller Welt zusammen gekommen. Sie begleiteten am Vorabend der Feier des valencianischen Landestages unter der Leitung des ebenfalls aus Valencia stammenden Dirigenten Enrique Garcia Asensio so große Stimmen wie Angela Gheorghiu, Sopranistin aus Rumänien, Robert Alagna, französischer Tenor, und Carlos Alvarez, Bariton aus Malaga. Zarzuelas valencianischer Komponisten und Bizets „Carmen“ erfreuten auch das Ohr der Namensgeberin Königin Sofia, die sich das Ereignis natürlich nicht entgehen ließ. 

Nach einem betont lokalen, stürmisch gefeierten coming out gehörten der 24. und 25. Oktober Zubin Metha, der das israelitische Philharmonic Orchestra Stücke aus Beethovens Symphonien spielen ließ. Nach diesen drei Feuerproben bleibt das Haus für das Publikum vorläufig geschlossen, bis es im Herbst 2006 weiter geht. Bis dahin werden die vier Bühnen des Hauses feinabgestimmt, ganz so als ob es sich um empfindliche Instrumente handelte.
Das Äußere des Klangkörpers mit seinen geschwungenen Linien aus weißem Beton, Stahl und Glas ist unverkennbar ein Werk des genialen Architekten Calatrava, der vor kurzem durch die Einweihung des Malmö-Torsos erneut viel Publicity genoss. Er hat das Gebäude zu einem allen Bürgern rund um die Uhr offenen Anziehungspunkt gemacht. Zu beweglichen Plattformen, austauschbaren Bühnen und ultimativen Audio- und Video-Systemen gesellen sich Terrassen, Balkons, Panoramalifts und Gartenanlagen, in denen man zu den Klängen von Musik lustwandelt.
Das markanteste Merkmal des Bauwerkes der vielen Strukturen und Rundformen ist die spektakuläre „Feder“, die es krönt. Mit ihren 170 Tonnen Gewicht und 237 Meter Länge liegt sie scheinbar nur leicht an zwei Stellen auf und schwebt über dem ganzen. Besonders fallen auch die vielen Teile aus asymmetrisch geformter Emaillekeramik auf, die wie zufällig über den gesamten Komplex gestreut sind. Zusammengefügt bedeckten sie eine Fläche von 20.000 m2 und sind neben Beton die am häufigsten zu findende Dachabdeckung. Ihre Farbe erinnert an die blauen Kirchendächer in der Region Valencia.
Das Innere des Palaus besteht aus vier Auditorien, die aufs Modernste eingerichtet und mit der neuesten Technik ausgestattet sind. Dazu gehören zum Beispiel Simultanübersetzungen von Operntexten in 8 Sprachen auf in die Sitze integrierten Bildschirme oder der Einsatz moderner Audio/Video-Systeme. Zwei weitere Elemente ermöglichen, jeden Saal jeder Art von Aufführung anzupassen: Zum einen ist das die Akustikmuschel im Hauptsaal. Sie kann bei Konzerten oder Vorträgen so dirigiert werden, dass der Ton von der Bühne in jede gewünschte Richtung  gelangt. Das  Teil  ist  14 m  hoch  und trotz einer 710 m2-Fläche so hermetisch verschließbar, dass die Geräusche nicht mit anderen Geschehnissen im Palau kollidieren. Und zum anderen setzt sich ein neuartiger Eiserner Vorhang aus verschiedenen festen und mobilen Strukturteilen zusammen.

Der Hauptsaal hat 1.700 Plätze und dient der Aufführung von Opern, Balletten und ähnlichen Bühnendarstellungen.
Ein Amphitheater bietet 1.500 Zuschauern einen Platz unter freiem Himmel.
Im Kammertheater Teatro de Cámara geht es privater zu, es fasst 400 Menschen. Dieser Raum steht einem Minderheitspublikum für experimentelle Musik und modernen Tanz zur Verfügung. Er gehört zum 9.500 m2 großen Gebäudeteil für angewandte Kunst neben dem eigentlichen Palau, in dem auch Ausstellungen stattfinden werden.
Ein Glanzpunkt des Musikpalastes ist die Academia de Perfeccionamiento, die mit Placido Domingo als Regent in diesem Kammertheater ihren Stammsitz hat. Der Tenor hat die Akademie als Aktionsgruppe vor 13 Jahren aus der Taufe gehoben. Sie widmet sich der Förderung neuer Talente. In diesem Zusammenhang kommt der nächste Opernwettbewerb Operalia, der alle drei Jahre stattfindet, mit Placido Domingo nach Valencia.
Als viertes Auditorium kommt die Aula Magistral für 400 Zuschauer hinzu. Sie ist für live-Auftritte kleinerer Gruppen eingerichtet.
Neben Santiago Calatrava stehen andere große Namen hinter dem ehrgeizigen Kulturprojekt. Lorin Maazel hat als Musikdirektor des Palau für drei Spielzeiten unterschrieben. Seit 1984, als er denselben Posten bei der Wiener Staatsoper innehatte, hatte sich der Maestro nicht mehr so eng an ein Opernhaus gebunden. Einen außergewöhnlichen Komplex im Dienste der Kunst, so bezeichnet er den Kunstpalast. Sein Wirken ist entscheidend bei der Konstitution des Hausorchesters. Die besten Musiker und Dirigenten garantieren höchstes internationales Niveau.

Zubin Metha ist in seiner Eigenschaft als Präsident des Festival del Mediterráneo mit dem Palau verbunden, das am 27. April 2007 beginnt und drei Wochen währt. In diese Zeit fallen auch Ereignisse wie der Americas Cup, der in der Bucht von Valencia stattfindet, und die Kunstbiennale von Valencia. Zubin Metha wird sich in Vorbereitung der Musikfestspiele über längere Zeit in Valencia aufhalten, was dem Meister nicht schwer fallen wird, weil er von dem Projekt, dem Architekten und seiner Arbeit vom ersten Moment an begeistert war. 
Frau Helga Schmidt als Intendantin steht schon seit einiger Zeit dem valencianischen Opernprogramm vor. Sie kam vom Londoner Royal Opera House hierher, wo sie die künstlerische Leitung inne hatte. Ihre Aufgabe ist es, ein Programm aufzubauen, das den Palau de les Arts Reina Sofia zu einer Referenz in der Welt der Musik und der szenischen Künste macht. Moderne und klassische Musik werden sich dabei das Gleichgewicht halten.

So werden auf dem Festival del Mediterráneo bei zwei Wagner-Opern („Das Rheingold“ und „Die Walküre“) die Bühnenbilder von La Fura dels Baus stammen. Tradition und Avantgarde im Repertoire sollen jede Art von Publikum nach Valencia ziehen, auch das, das an die aktuellen Künstler sehr hohe Ansprüche stellt.



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