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Deutsche Botschaft und Konsulate in Spanien


10:39 Dienstag 6. Januar 2009

Historische Begegnung in Cádiz

Die Götheborg zu Besuch

Es gab einmal eine Zeit, als das Silber aus Spanien als einzige Währung  in China etwas wert war. Deshalb lief die Schwedische Ost-Orient Gesellschaft stets den Hafen von Cádiz an, um hier ihre Ladung zu verkaufen. Sie brachte Eisen, Holz und Teer, was man in Cádiz brauchte, weil die spanische Wirtschaft um den Schiffsbau kreiste. Dafür bekamen die Schweden jene Silbermünzen, mit denen sie anschließend chinesischen Tee, Porzellan und Seide erwerben konnten. Diese Waren kamen in Schweden als exotische Erzeugnisse für teueres Geld auf den Markt.

In Erinnerung an diese Reisen und um an die guten kommerziellen und kulturellen Kontakte von früher anzuknüpfen, lag vom 19. bis 28. November die Götheborg im Hafen von Cádiz. Es handelt sich bei dem Segler um einen Nachbau des 1738 gebauten Originals, gegenwärtig auf großer Fahrt nach Kanton. In Recife, Kapstadt, Port Elizabeth, Fremantle und Djakarta geht er vor Anker.
Mit dieser Fahrt, die vom heimatlichen Göteborg bis ins südchinesische Kanton, offiziell Guanzhou genannt, insgesamt 10 Monate dauern wird, erfüllt sich der Wunsch der Schweden, das historische Flaggschiff ihrer Handelsflotte des 18. Jahrhunderts vor dem Vergessen zu retten. Es hatte leider ein tragisches Ende, indem es vollbeladen am 12. September 1745 sank, als es in den Heimathafen einlief und von den Löschungsbarkassen dabei machtlos beobachtet wurde.
Im Jahr 1985 stieß ein Taucher auf einen Teil des Wracks. Die Rekonstruktion begann mit dem Studium der alten Baupläne. Man verwendete zur Konstruktion ausschließlich das in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebräuchliche Material. Auf dem Einkaufszettel: 55.000 handgeschmiedete Nägel, 27 handgenähte Segel aus englischem Leinen, 20 Tonnen Seile und Taue aus Hanf, 1.000 Eichenstämme und 50 km Pinienholz. Selbstverständlich wendete man auch die Bautechnik der Zeit an.
Nach neun Jahren Arbeit und der Zahlung von 8 Millionen Euro, die teilweise von prominenten schwedischen Sponsoren beigesteuert wurden, haben die Schweden nun ein historisches Wahrzeichen mehr. Zum Stapellauf erschien das schwedische Königspaar, das damit den Gedanken unterstützt, dieses Schiff zum Symbol der schwedischen Kultur und Handelsbeziehungen zu den Völkern der Welt zu machen. Auch die Länder entlang der Route unterstützen das Projekt, zum einen aus nostalgischen Gründen, zum anderen aus kommerzieller Sicht. Denn von Spanien bis Peking sind es heute nur noch Stunden, worauf die Fluggesellschaften SAS und SPANAIR bei einem Empfang an Bord ausdrücklich hinwiesen.

Der Aufenthalt der Götheborg wurde vom Tourismus-Patronat Cádiz genutzt, an das Goldene Zeitalter der Stadt zu erinnern, als die Beherrschung der Meere die spanische Weltmacht begründete und die spanische Flotte ihren Hauptsitz in Cádiz hatte. Zum 200. Jubiläum der ersten Spanischen Konstitution, die in Cadiz im Jahr 1812 ausgerufen wurde und Spanien die Tür zur modernen Zeit öffnete, wird die Götheborg zu einem weiteren offiziellen Besuch erwartet. Die Stadt erinnert sich gerne an alte Geschichten, als der Segler jeweils vier Monate in der Stadt blieb und die Handwerker unter den nordischen Seeleuten nicht an Land durften - sie wären sonst wahrscheinlich nicht an Bord zurück gekehrt. Cádiz boomte, würde man heute sagen. Es gibt ein spanisches geflügeltes Wort aus der Zeit: „den Schweden markieren“, hacerse el sueco. Es bedeutet, sich dumm zu stellen und entstand, als der Sherry für England in Cádiz verladen wurde. Wenn Krieg zwischen beiden Ländern herrschte, charterten die findigen Spanier einfach schwedische Schiffe, mit denen sie unbehelligt in England landen konnten. Um schwedisch auszusehen, färbten Offiziere und Mannschaft die Haare blond. So getarnt, ließ sich der englische Hafenmeister sicher gerne täuschen. Vielleicht war das ganze ja auch eine Idee der Briten, die man sich bis heute ohne Sherry kaum vorstellen kann.
Nach der Rückreise über Shanghai durch den Suezkanal mit kurzer Station in Cádiz wird die Götheborg am 12. September 2006 in ihrem schwedischen Heimathafen zurückerwartet .



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