Toreros y Bandoleros, Stierkämpfer und BanditenSie im selben Atemzug zu nennen und gleichermassen zu bewundern, gar zu Heldenfiguren zu erheben, ist in Andalusien durchaus nichts ungewöhnliches.
Die Straßenbanditen des 18. und 19. Jahrhunderts lieferten Geschichten und Geschichtchen, galten als Rebellen gegen die Obrigkeit und als großzügig und caritativ gegenüber der armen Bevölkerung. In Ronda gibt es sogar ihnen zu Ehren ein Museum.
Kein Wunder also, dass von den 27 Löchern des Lauro-Kurses 9 die fantasievollen Namen der berühmtesten Räuber tragen. Die ersten 18 allerdings sind den noch größeren Helden gewidmet, den Toreros.
Meine drei Mitstreiter gehören – um im Bild zu bleiben – wohl eher in die Kategorie der Männer, die den Stier bei den Hörnern packen. Erfolgreiche Geschäftsleute der Küste wie der umtriebige Gastronom Salvador „Salva“ Gallardo, Hcp 27, der eher zurückhaltende Investor Gunnar Pétzke (Hcp 18) und der fröhliche Hotelier Ramón Velasco (Hcp22).
Die ersten 18 Löcher, 1992 aus der Taufe gehoben, designed von Folco Nardi, sind gekennzeichnet von Oliven- und Korkeichenwäldchen, die so manches Kügelchen mit offenen Armen empfangen und an ihre bizarren Wurzeln spucken. Die anschließenden 9 Löcher von Mariano Benítez, 2003 eingeweiht, bieten ein völlig anderes Bild, sind breit und offen, mit lockererem Baumbestand und Wasser. Die Betreiber von Lauro Golf sind zu Recht stolz auf ihr Wiederaufforstungsprogramm, das den Spieler, der von der bebauten Küste kommt, aufatmen lässt angesichts der bautechnisch noch fast jungfräulichen Natur.
Wir haben uns entschlossen, alt und neu zu testen und starten an Loch 10, einem Par 4 (311 m), benannt nach El Litri, dem größten Protagonisten einer berühmten Torero-Dynastie.
Index 16 sagt uns, einfaches gerades Loch, Fahne ist sichtbar, nicht übermäßig schmal und das Wasser vor dem Abschlag ist eigentlich nur eine Pfütze. Wie kommt es nur, dass wir alle Welten entfernt von unserem Können abschlagen.
Gunnar geht baden, Ramóns Ball windet sich irgendwie knapp über den Seespiegel, Salva macht innige Bekanntschaft mit der dichten Baumreihe rechts und ich bin gleich ganz auf der Gegenbahn rechts gelandet. Das muss an der ignorant schnatternden Gänseschar neben uns gelegen haben, denn „Profis“ wie wir brauchen natürlich Ruhe zur Konzentration. Wie auch immer, wir schaffen es zum langgestreckten, von drei Bunkern bewachten Grün und einzig Ramón mit seinem speziellen Spiraldrive über den See schafft mit einem sensationellen 20 Meter-Put das Par.
Das anschließende Par 3, Marcial, (119m) gestaltet sich besser. Salva legt gleich vor aufs Grün und meint, er spielt wie der liebe Gott. Gunnar haut ein tolles Ding raus, das allerdings seinen Weg in den das Grün umgebenden Wald findet, Ramón besucht den vorgelagerten Bunker und ich schließlich erreiche ebenfalls das Grün und liege um etliches näher an der Fahne als der „liebe Gott“, der sich nach drei Puts nicht mehr als solcher fühlt und ebenso wie die beiden anderen Herren der Schöpfung einen Bogie spielt, während das einziges weibliche Mitglied dieses Flights durchaus stolz ein Birdie notieren kann.
Nummer 12, Belmonte, ist ein sehr interessantes Par 4 (313 m) mit einem scharfen Dogleg nach links. Abkürzen über die Ecke ist riskant, wenn man den Platz nicht kennt, denn es ist schwer einzuschätzen, wie weit sich die olivenbaumbestandene Wildnis hinzieht. Also lieber geradeaus auf die solitär stehenden Bäume zu und bloß nicht – wie ich – halbherzig links, wo ein ausladender Bunker solche Mutlosigkeit bestraft. Hat man den Knick überwunden, wird man durch einen herrlichen Blick auf Malaga und die umgebende Bergwelt angemessen belohnt. Natur pur um uns herum.
Das schwerste Loch, die 13, ist benannt nach dem „Wunderkind“ des Stierkampfes, Joselito, der Anfang des vorigen Jahrhunderts im zarten Alter von nur 25 Jahren durch die Hörner eines Stiers das Zeitliche segnete. Ein 513 m langes Par 5, wiederum mit einem Dogleg nach links. Hier sei erwähnt, dass sich der Platz zum Zeitpunkt unseres Tests in einem ausgezeichnet gepflegten Zustand befand, das gilt ebenso für die Fairways wie für die Grüns. Gunnar hat sich rechts zwischen drei kleine ebenso hübsche wie sperrige Zypressen manövriert und ist gezwungen mit einem kurzen Befreiungsschlag diese florale Einkesselung zu überwinden. Landet damit aber weiterhin im Rough unter anderen Bäumen. Dorthin hat es auch mich verschlagen. Ich vermeide anschließend knapp das rechtsseitige schilfbestandene Wasser und versenke dann dieses verflixte runde Ding im unsichtbar hinter dem Grün lauernden Bunker. Ramón ist auf der Suche nach seinem Abschlagsball völlig verschwunden und taucht erst am Grün unverrichteter Dinge wieder auf. Einzig Salva, der die Strategie Präzision auf Kosten von Länge gewählt hat, kann hier mit einer 6 punkten, wir anderen müssen unser Herz mit einem Blick auf die Landschaft erfreuen.
Auch die nächsten Löcher bieten durch ihren reichlichen Baumbestand mit darunterliegenden Roughs und ausladenden Bunkern rund ums Grün eine Herausforderung.
An der 18, Frascuelo, (gewidmet dem unvergessenen Torero aus Granada, der Anfang des 19. Jahrhundert 30.000 Reales an die Armen seiner Heimatstadt verteilen ließ) kommt zudem noch das feuchte Element kräftig ins Spiel. Der Fairway dieses Par 4 (329m) ist recht schmal, baumgesäumt und verlockt durch das links gelegene, langgezogene Gewässer den – wie wir wissen selbstdenkenden – Ball sich nach rechts zu verziehen, wo leider ausladender Zypressenbestand Golfers Freude über einen langen Drive abrupt ins Gegenteil verwandelt. Daran kann dann schon gar nichts die Erkenntnis ändern, das dieses Gewässer, dass wir durch unsere Rechtsorientierung vermeiden wollten, auch vor dem Grün sein Unwesen treibt.
Der Weg zum Loch 19 (in diesem Fall nicht die Quelle im Klubhaus) führt unter der Fahrstraße hindurch und ist die einzige lange Entfernung für Walker. Wer – wie wir – beide Plätze spielen will, sollte sich überlegen, auf einen Buggy zurückzugreifen, zumal die letzten beiden Löcher steil nach oben führen.
Breit und leicht onduliert mit nunmehr nur lockerem Baumbestand liegen sie vor uns - die neun Löcher der Bandoleros. In der Ferne sehen wir in der Sonne die schneebedeckten Spitzen der Sierra des las Nieves glitzern, ein äußerst seltenes Naturschauspiel im warmen Andalusien.
Loch 19 ist nach „Pasos Largos“, dem Bandolero mit den langen Schritten benannt, ein Par 5, 470 m lang und gerade. Vor Streuern sei hier und auf den nächsten Fairways gewarnt, denn im Gegensatz zum alten Teil liegen die Spielbahnen hier parallel und büßen dadurch ein wenig Spannung ein. Salvas Ball hat sich gleich beim Drive entschlossen, die Gegenfahrbahn kennen zu lernen und sein Besitzer spielt nun unverzagt dort weiter, auf den rechten Moment wartend, sich wieder zu uns konventionell die vorgegebene Bahn Spielenden zu gesellen. Der kommt etwa auf Fahnenhöhe. Leider verspringt die Kugel in den seitlich gelagerten, fantasievoll geformten Bunker und vernichtet alle Punkteträume.
Das interessanteste Loch auf diesem Teil ist sicherlich die 26. Tragabuches stand hier Pate, ein Bandolero, der Anfang des 19. Jahrhunderts in der Serania de Ronda sein Unwesen trieb. Dieses Par 3 ist 158 m lang und schmückt sich mit dem Index 3. Ein gähnender Abgrund trennt uns vom tiefer gelegenen Grün, das man einigermassen präzise treffen sollte, denn der rechts vom Kurzgeschorenen gelegene Wildwuchs ist undurchdringlich.
Im wunderschönen Patio des Klubhauses, der in diesem Fall nicht das 19. sondern das 28. Loch ist, genießen wir die Sonne, ein angemessenes Getränk und ein ausgezeichnetes Mittagsmenü. Auch das frischrenovierte, mit viel Liebe eingerichtete Restaurant ist einen Besuch wert.
Unser Fazit: Lauro ist in jedem Fall eine Reise wert. Die ersten Löcher bieten für viele sicherlich etwas mehr Spannung und Abwechslung als die neuen 9. Die letzteren sind für Longhiter wie für Anfänger geeignet und zudem durch die parkähnliche Anlage eine Augenweide. Service und Gastronomie im Klubhaus sowie der kleine Proshop lassen kaum Wünsche offen. Dazu gibt es natürlich auch eine Drivingrange und ein Puttingareal.
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