das aktuelle spanienmagazin für die Costa del Sol und Costa de la Luz, Spanien
Startseite
Kontaktieren Sie unsFavoriten hinzufügen

Deutsche Botschaft und Konsulate in Spanien


18:48 Samstag 6. September 2008

La Lonja de la Seda - Die Seidenbörse von Valencia

Das Weltkulturerbe Spaniens Teil 22

Valencia ist Spaniens drittgrößte Stadt. Unter den Römern hieß die 138 v. Chr. gegründete Siedlung Valentia. Sie wurde mehrmals komplett zerstört, ging jedoch niemals unter, sondern machte ihrem Namen Ehre und wurde stets größer und schöner wieder aufgebaut. Dem Meer zugewandt, blühte Valencias Handel mit Übersee, seit im 11. Jahrhundert das Exportgeschäft mit dem Olivenöl groß angelaufen war. Im Anschluss ging es mit Gewürzen im Tausch gegen valencianische Seide weiter.
Das 15. Jh. erlebte eine Etappe von besonders vigoröser wirtschaftlicher Entwicklung. La Taula de canvís, eine städtische Bank, unterstützte die lokalen Seidenhändler, zu denen die Berufsgenossen aus ganz Europa in diese zu den wichtigsten des Mittelmeeres zählende Handelsmetropole kamen.

Das 14. Jahrhundert war für Valencia ein Desaster gewesen. Die Große Pest (1348), Epidemien, der Krieg gegen Kastilien und verschiedene Revolten der drei Glaubensgemeinschafen in der Stadt untereinander hatten die Bevölkerung dezimiert. Erst  nachdem zu Beginn des 15. Jh. die Machtkämpfe zwischen den tonangebenden Familien, die entweder das Königshaus von Aragon oder das von Kastilien unterstützten, durch den sog. Kompromiss von Caspe beigelegt worden waren, erhob sich Phönix Valencia erneut aus der Asche.
Wenn ein Gebäude den Aufschwung und den Reichtum des blühenden Valencia widerspiegelt, dann ist das ein Haus des Handels, die Seidenbörse - La Lonja de la Seda. Es reflektiert das Ausmaß der mittelalterlichen Handelsrevolution, die hohe gesellschaftliche Entwicklungsstufe der valencianischen Bürgerschaft und das von ihr erarbeitete Prestige. 1483 wurde mit dem Bau der Börse begonnen. Baumeister Pere Comte schuf auch das zur Börse gehörende Consulado del Mar, das alles kontrollierte, was mit dem Seehandel zu tun hatte. Der gesamte Komplex  erstreckt sich über 2.000 qm und liegt der Kirche Santos Juanes und dem Zentralmarkt gegenüber.
Die Seidenbörse ähnelt mit ihren dicken Mauern und Zinnen einer mittelalterlichen Festung. Sie setzt sich aus vier Teilen zusammen: dem Turm, dem Patio, dem Saal der Säulen und dem Consulado del Mar.
Die Hauptfassade wird von dem Turm (Torreón) in zwei Körper geteilt. Auf der linken Seite treten besonders die reich dekorierten Spitzbögen hervor, rechts das große Eingangstor und zwei Steinreliefs. Gekrönt werden beide Teile von Gurtsims und Zinnen. Entlang der ganzen Dachfront stellen sich 28 Wasserspeier in Form von Fantasietieren, Monstern und Menschen in ungebührlicher Pose vor. Der Gesamteindruck des Äußeren: ein alles andere als gastfreundliches Haus!
Anders das Innere: Das Herz desselben ist der große Säulensaal, in den man durch das 3 Meter hohe Eingangstor eintritt. In diesem Raum wurden die Geschäfte abgeschlossen. Der rechteckige Saal wird durch zwei wie Palmendächer abschließende schraubenförmige Säulenreihen in drei lange Schiffe geteilt. Sie sind 16 m hoch. Konzipiert wurde die Halle als paradiesischer Handelstempel, in dem die Säulen Bäume und die Kuppeln das Firmament symbolisieren. Die Wände sind schlicht, der Fußboden ist aus hellem und dunklem Marmor. Der 35 x 21 m große Saal ist fantastisch dekoriert mit alltäglichen, religiösen, tierischen oder kriegerischen Motiven. Sie tauchen auf Türrahmen, Fensterstürzen usw. auf. Eine Wendeltreppe ohne Mittelstamm zeigt, wie hoch die Steinmetzkunst entwickelt war.
Ein nicht zu übersehendes Spruchband in Form von goldenen Lettern auf dunklem Grund umläuft alle vier Wände und erinnert die Kaufleute daran, sich wie gute Christen zu gebären, wenn sie denn „Wohlstand und letztlich ewiges Leben“ erreichen wollten. Zu lesen ist folgendes, von den Zunftvätern unverkennbar auf ungeliebte Glaubensminderheiten gemünzt:

„Ein stattlich Bauwerk bin ich, in fünfzehn Jahren errichtet worden. Ihr Bürger, prüft und sehet selbst, wie gut der Handel ist, der keinen Betrug im Munde führt, der dem Nächsten seine Schuld bezahlt und nicht säumig wird, und der sein Geld nicht zu Wucherzinsen verleiht“.
Im nach Orangenblüten duftenden Innenhof der Börse plätschert ein Brunnen, an dem die gestressten Handelsleute ihr geistiges Gleichgewicht zurück erlangen konnten. Geistlichen Beistand fand man in der Kapelle zu Fuße des Wehrturms, unter dessen Dach die sich unchristlich Verhaltenden eingesperrt wurden.
Das angrenzende Consulado del Mar ist über die Treppe zu erreichen. Hier wachte eine Aufsichtsbehörde über alle Belange des Seehandels. Auch hier liegt der Schwerpunkt der Dekoration in der Decke, die kunstvoll ausgearbeitet ist.
Das achtbare Haus, das eher extravagant als zweckgebunden wirkt und damit seiner Zeit voraus war, verkörpert den sprichwörtlichen Unternehmungsgeist der Bevölkerung dieses Landstrichs und ihren Mut zur Modernität. Der zeitgenössische Architekt Santiago Calatrava ist dafür der beste Beweis. Die Lonja de la Seda, auch Lonja de los Mercaderes genannt, wurde von der UNESCO am 7. Dezember 1996 zum Weltkulturerbe erklärt.

Download Artikel in PDF



Adobe Reader für PDF hier gratis downloaden


das aktuelle spanienmagazin · +34 952 547 020
Urb. El Tomillar · Avda. del Sol, 6 · 29740 Torre del Mar