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18:07 Samstag 6. September 2008

X. Festival de Jerez, 24. Februar bis 11. März 2006

Alle Tendenzen von Flamenco

Zum 10. Male jährt sich dieses wichtigste jährliche Ereignis Spaniens rund um den Flamenco, das aufgrund seines Erfolges um drei Tage verlängert wurde und auf mehr Schauplätzen als bisher stattfindet. 50 Vorstellungen an 16 Tagen bedeuten 20 Prozent mehr auf dem Programm als bei den bisherigen Ausgaben. Geblieben sind der Tanz, Gesang und die Gitarre, neu ist die Fusion mit anderen Musikrichtungen. Außerdem werden diesmal 36 Kurse angeboten, an die sich Vorträge und Debatten rund um diese einzigartige andalusische Kunstrichtung anschließen.

A solas, eine Show „mit einem Touch Theater“, wie Joaquín Grilo, Bailaor aus Jerez, es ausdrückt, eröffnet das Festival. Es handelt sich hier um eine der Uraufführungen. Carmen Cortés und Aída Gómez mit ihren jeweiligen Gruppen treten ebenfalls zum ersten Mal mit La puerta del silencio und Carmen vors Publikum.
Eine weitere Neuheit in Spanien ist nach der Uraufführung in den USA die choreografische Arbeit von Manolo Marín, mit Merche Esmeralda und Rafael Campallo als Protagonisten. Und schließlich stellt Sara Baras erstmalig in Andalusien ihre Show Sabores vor, die das Publikum von Paris und Barcelona bereits begeisterte.

Aber diese Festspiele sind nicht etwa auf Uraufführungen fixiert, wie Francisco López als Direktor des Teatro Villamarta und Maximus des Events ausdrücklich betont. Vielmehr hat man alles das zusammengetragen, was sich in den Jahren 60 bis 80 in der Welt des Flamenco getan hat, und stellt es nun mit einem Programm vor, bei dem auch die junge Generation ihren Platz hat.
Diese Mischung aus Alt und Neu schließt eine Manuela Carrasco (Un sorbito de lo sublime), Los Farruco, das Bühnenbild von Mario Mayo bei Diálogo del Amargo mit Juan Andrés Maya und Diego Llori ein, sowie El Güito und Blanca del Rey als Vertreter der „alten“ Generation. Der junge experimentelle Tanz ist vertreten mit Isabel Bayón, Antonio El Pipa und Rocío Molina. Lola Greco ist für die Szenerie von El eterno retorno verantwortlich. Die Gitarre von Moraíto und der Gesang von Fosforito, kürzlich mit dem Oro del Cante-Preis ausgezeichnet, werden im Teatro Villamarta ebenfalls dabei sein.
Die außerhalb des Teatro Villamarta stattfindenden Darbietungen sind in unterschiedliche Zyklen unterteilt. So spielt sich das Café cantante in der Kellerei von Gonzalez Byass ab, was den Charakter des unverkennbaren Ambientes dieser Stadt betont. Alreó de la fragua  bringt Cantaores wie Juanito Villar, Nano de Jerez und Fernando de la Morena zusammen. Als weitere Künstler aus Jerez sind Tomasito, Diego Carrasco und María José Santiago dabei. Reina Gitana und die Gruppe Son de la Frontera schließen diesen Kreis.

Auf der neu hinzu gekommenen Bühne vom Teatro Guadalcacín stellen sich die Zyklen De la frontera und Los Novísimos vor. Im ersten Fall handelt es sich um Gruppen, die gerade noch zum Flamenco zählen und diesen mit anderen Musikstilen kombinieren. So tanzt David Morales eine Symbiose von Flamenco und brasilianischen Rhythmen. Die Gruppe Txalaparta mischt baskische und andalusische Tradition. Belen Maya wird erneut mit ihrer Show Dibujos überraschen, die Gruppe Arrieritos präsentiert Entablao/Nuestras piezas, und Belén Cabanes zeigt ihre Kunst im Kastagnettenspiel.
Der Zyklus Los Novísimos konzentriert sich auf junge Bailaores, die zukunftsweisend sind. Belén López, Fuensanta La Moneta, Daniel Navarro und Pastora Galván heißen die Beispiele einer aufsteigenden künstlerischen Tendenz.

Im Saal La Compañía hat die Generation dazwischen ihre Bühne. Solos en Compañia heißt der Zyklus, zu sehen sind Israel Galván (Preisträger „Nacional de la Danza“) neben Domingo Ortega, Angel Muñoz, Juan Antonio Tejero, Marcos Flores und Manuel Liñán. Die weibliche Versión, Solas en Compañía, ist der Rahmen für den Tanz von Hiniesta Cortés, La Truco, Lalo Tejada, Rosario Toledo und Manuela Carpio. Bordón y cuenta nueva heißt die Show von Jerónimo und Rafael Riquine.
Im Saal La Compañía findet auch eine Konferenz-Show-Kombination statt, illustriert von Künstlern von der Kategorie einer Angeles Gabaldón und eines David Palomar. Flamenco pa‘toos heißt diese Idee von José Luis Ortíz Nuevo im schönsten „andalú“.
Im Palacio Villavicencio alterniert die Gitarre mit dem Gesang. Antonio Rey begleitet den Cantaor Salmonete, Pedro Sierra La Tobala, und José Luís Montón Eva Durán. Eröffnet wird der Kreis von Luis El Zambo und der Gitarre von Alberto San Miguel, geschlossen von Gema Jiménez und Raquel Benitez, El Pitingo und Macarena Moneo.
Ein großer Teil dieser Künstler, die im Teatro Villamarta, Teatro Guadalcacín, Saal La Compañía, Palacio Villavicencio und in der Bodega von Gonzaley Byass auftreten, nehmen abends an den beliebten Jam Sessions teil, die in den zahlreichen Vereinslokalen der Jerezaner Flamenco-Szene stattfinden. Auch das gehört zum Reiz des Festivals, als einfacher Zuschauer diese weltweit einmalige Kunst hautnah miterleben zu können.
Die 900 Plätze hingegen, die für die genannten 36 Kurse angeboten werden, sind sicher für Fortgeschrittene in der Tanz-Materie von Interesse. Alle Konferenzen und Kolloquien finden in der Bodega San Ginés statt. Insgesamt gesehen ist die hohe Qualität der Festspiele von Jerez von Publikum und Kritik gleichsam als einmalig anerkannt. Man sieht auch dieses Jahr einer internationalen Teilnahme entgegen.

Fotos: Ayuntamiento Jerez



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