AlgarveVon Johanna Romolo (Text & Fotos)
Die Atlantikküste der Algarve ist historisch sehr von der 500 Jahre dauernden Besetzung durch die Mauren geprägt. Die Zeit bis zum Ende des 12. Jahrhunderts zeichnete sich insbesondere durch Toleranz gegenüber Andersgläubigen, hohe kulturelle und naturwissenschaftliche Errungenschaften und das landwirtschaftliche Wissen (Bewässerungsmethoden) der Araber aus.
Das heutige Europa hat vom Morgenland sehr profitiert. Damals, im Zuge der Reconquista (Rückeroberung), sah man das allerdings anders. Kirchen wurden auf niedergebrannten Moscheen errichtet, “Ungläubige” hingerichtet. Der arabische Einfluss hat jedoch dauerhaft in der portugiesischen Sprache überlebt: Wörter wie almoco - Mittagessen, azeitonas - Oliven, oder Ortsnamen wie Albufeira, sind arabischen Ursprungs.
Die Algarve ist die Heimat einfacher und gutmütiger Menschen, Menschen des Meeres und der Serra. In den Dörfern an der Küste sind die Umzüge der Fischer zu Ehren ihrer Schutzpatroninnen üblich.
Wahrzeichen der Algarve sind die mit einem einzigartigen Zackenwerk verzierten Kamine, die bunten Einfassungen, die Galerien – weiß gekalkte Terrassen, auf denen man nachts die Frische genießen kann – und die vierhängigen Dächer. Sie verdienen einen aufmerksamen und sorgfältigen Blick und zeugen in ihren Farben und Formen von den Spuren ihrer maurischen Herkunft. Auch heute ist diese Präsenz noch gut an den Häuserreihen in Tavira, Faro, Silves und vielen anderen Ortschaften zu erkennen.
Tavira ist eine würdevolle und zugleich malerische Stadt, besonders an den Ufern des Flusses Gilhno, der durch sie hindurchfließt. Zur besseren Orientierung sollte man in der Umgebung des ‘Praça da República’, wo es das Rathaus mit seinen Gewölben neben einer römischen Brücke mit sieben Bögen und angrenzenden Gärten zu besichtigen gibt, anfangen. Die Kirche Santa Maria do Castelo und die Zinnen der Burg, die im höchsten, am besten zu verteidigenden und deswegen ältesten Teil der Stadt liegen, überblicken alles.
Der Weg hinauf zu den Burgzinnen lohnt sich, denn man hat von dort einen herrlich weiten Ausblick über die typischen, pyramidenförmigen Dachspitzen der Häuser aus dem 18. Jh., hinaus auf die Salzbecken, die verlassenen Thunfischkonservenfabriken und das Meer am Horizont. In Tavira gibt es mehr Kirchen als in irgendeiner anderen Stadt der Algarve, aber nur in einigen wenigen werden regelmäßig Messen abgehalten.
Wenn Sie von der Stadt und ihrer Architektur genug gesehen haben, nehmen Sie die Straße ‘Rua José Pires Padinha’, die am Flussufer entlang und am Markt vorbei einen langen Weg hinaus aus der Stadt, an abgetakelten Booten vorbei und über die Salzbecken zu einer Anlegestelle führt, von wo aus man einen kurzen Bootsausflug zu den idyllischen Stränden der ‘Ilha de Tavira’ , der Insel von Tavira, machen kann.
Faro, die Hauptstadt der Algarve, ist ein wichtiger wirtschaftlicher, künstlerischer und kultureller Anziehungspunkt. In ihrer Altstadt befinden sich gut erhaltene architektonische Beispiele für die Entwicklung der Stadt von der Eroberung durch die Christen bis in das 17. und 18. Jahrhundert.
Ein weiterer wichtiger Anziehungspunkt ist Sagres, nicht nur weil es sich hier um die westlichste Stadt des europäischen Kontinents handelt sondern auch aufgrund der wunderschönen Landschaft, von der sie umgeben ist. Sagres wurde schon vor der Eroberung durch die Römer gegründet. Und hier, so steht es in den Geschichtsbüchern, gründete Heinrich der Seefahrer eine „Seefahrerschule“, wodurch der Name Sagres für immer mit dem Epos der portugiesischen Entdeckungen in Zusammenhang gebracht wurde. Aufgrund ihrer historischen, mystischen, religiösen und landschaftliche Vielfalt, gehört die Stadt Sagres zum Weltkulturerbe.
Ganz in der Nähe befindet sich eine weitere Sehenswürdigkeit: Die Festung von Sagres. Von dieser Festung erstrecken sich die mächtigen Klippen um das Fort Beliche aus dem 17. Jh. vorbei bis zum berühmten Leuchtturm vom Kap. Auf einer kleinen Halbinsel gelegen, thront sie über dem Atlantik. Im 15. und 16. Jahrhundert war sie Dreh- und Angelpunkt der portugiesischen Seefahrer- und Entdeckergeschichte. Noch heute flößt die in ihrer derzeitigen Form aus dem Jahre 1793 stammende Festungsmauer dem Betrachter gehörigen Respekt vor ihren Erbauern ein.
Auf dem Gelände der Fortaleza ist einiges zu sehen, zum Beispiel die “rosa dos ventos” (Windrose) ein Wasserturm sowie einige Häuser mit interessanten Exponaten. Beeindruckend sind die steilen Klippen der kleinen Halbinsel, die Ponta de Sagres genannt wird.
Nur 6 Kilometer trennen die Festung von dem „Ende der Welt“, den südwestlichsten Punkt Europas, Cabo de São Vicente. Schon von weitem leuchtet die rote Stahlkuppel des Leuchtturms, der riskant an der Kliffabbruchkante errichtet über dem Kap thront. Im Mittelalter glaubten die Menschen, dass die Schiffe hier über die Kante der Erdscheibe auf deren andere Seite kippten. Zwischen 50 und 60 m über dem Meer gelegen bietet sich vom Kap aus ein faszinierender Anblick, das Wasser von der Algarve und das aus dem Atlantik haben unterschiedliche Farben, und es herrscht meist ein starker Wellengang.
Die Städte der Algarve zu besuchen bedeutet, in jedem Museum, jeder Kirche, jeder Festung und jeder Burg die Bedeutung der Portugiesischen Geschichte, der Bevölkerung und der Traditionen zu entdecken.
Auch wer sich nach Strand und Sonne sehnt, ist an der Algarve mit ihren wunderschönen, weitläufigen Stränden, herrlichen Felsenformationen und kristallklarem Wasser genau richtig. Das ist die Region Portugals mit dem schönsten Wetter das ganze Jahr über, berühmt für viel Sonne und ein mildes Klima. Fast 200 Kilometer Küste, dreitausend Sonnenstunden pro Jahr und die angenehmen Temperaturen, die das mediterrane Klima dem Meereswasser verleiht, machen aus der Algarve ein hervorragendes Urlaubsziel. Die Küste der Algarve erstreckt sich von Vila Real bis Odeceixe de Santo Antonio mit weitläufigen Sandflächen oder kleinen Buchten, Klippen, Felsstränden und unzähligen Grotten. Es gibt Strände für jeden Geschmack, von den familiären, an denen Infrastrukturen wie Restaurants, Zugangswege, Duschen usw. vorhanden sind, bis zu den Stränden die es noch zu entdecken gilt. Die große Mehrheit der Strände ist mit der blauen Flagge ausgezeichnet, dem europäischen Symbol für die Qualität des Wassers und des Sandes eines Strandes.
Die Küche der Algarve ist eine weitere angenehme Überraschung, insbesondere für Liebhaber von frischem Fisch und frischen Meeresfrüchten. Täglich kommen kurz nach Sonnenaufgang die Boote vom Meer an, mit Netzen voller frisch gefangenem Fisch. Die auf Holzkohle gegrillten Sardinen, Geißbrassen und Meerbarben, die Fischsuppe, die die Fischer wie kein anderer zubereiten, die Cataplanas auf der Grundlage aller Arten von Fisch und Meeresfrüchte sind Spezialitäten, die man sich nicht entgehen lassen sollte und die fast überall entlang der Küste angeboten werden.
Die Algarve ist zu jeder Jahreszeit ein attraktives und lohnendes Reiseziel. Von der Costa del Sol aus erreicht man sie innerhalb weniger Stunden bequem über die Autobahn Sevilla-Huelva-Portugal.