Wer suchet, der findet …… manchmal seinen Ball, viel eher aber eine echte Herausforderung. Kein geringerer als Severiano „Seve“ Ballesteros, der dreimalige British-Open-Gewinner und zweimalige US-Masters-Sieger aus dem cantabrischen Pedreña hat diesen Platz gezeichnet und meisterhaft in die Berge von Mijas eingebettet. Dabei hat er keine Mühen gescheut, das golferische Dasein so schwer und spannend wie möglich zu gestalten und einen Erfolg zu einem echten Genuss zu steigern, der noch getoppt wird von der grandiosen Landschaft.
Das heutige Flight ist top-besetzt mit dem Berliner Möbelfachmann Günter Bahr (Hcp 16), dem Hamburger Rentier Roger Jann (Hcp 18) und dem Bremer Zahnarzt Peter Franke, der zwar erst vor einem Jahr zum Golfsport gefunden hat, aber mit Handicap 28 schon gut mithalten kann und als fortgeschrittener Neuling eine gute Testperson für diesen Kurs ist.
Es empfiehlt sich für den Neuankömmling, zunächst die Terrasse des hübschen Clubhauses aufzusuchen und einen Blick auf den Verlauf der ersten beiden Löcher zu werfen, denn vom ersten Abschlag ist der Blick sehr begrenzt. Ein bewachsener Hang rechts verhindert die Sicht aufs Grün, ein gerader Schlag zunächst geradeaus endet nicht selten im Bunker oder gar im Dickicht. Die ersten Bälle werden gesucht. Nun geht es lang, wellig und recht breit bergauf. Dieses erste Par 5 ist 486 m lang (von weiß) und das Grün ist repräsentativ für alle folgenden. Es ist lang, wellig und fällt nach verschiedenen Seiten ab. Der Score in Alhaurin hängt wie kaum sonst irgendwo vom Putten ab. Nicht selten hat sich auf unserer Runde ein Bierdie dramatisch in einen Boogie oder gar einen Doppel-Boogie verwandelt. Günter schließt das Loch mit einer 9 ab und ist zunächst einmal frustriert. Auch wir anderen können keinen Blumentopf gewinnen.
Loch 2 (Par 4, 352 m) führt zurück zum Clubhaus und auch hier ist das Grün nicht zu sehen. Der kleine Baum links vor uns ist eine gute Orientierungshilfe. Knapp rechts daran vorbei und man hat keine Schwierigkeiten im weiteren Verlauf bis zum Grün, das stark hängt und durch 3 Bunker geschützt wird. Günter ist mit dem 2. Schlag auf dem Grün und meint „nun macht Golf spielen wieder Spaß“. Drei Putts mindern den Spaß etwas, aber wir Golfer sind ja lernfähig und so gehen wir davon aus, auch diese schwierigen Grüns in den Griff zu bekommen.
Das nächste Loch ist ein Par 3 (167 m lang) und hinter dem Grün lauert ein langgezogener Bunker, der freudestrahlend die zu langen Bälle der männlichen Cracks in seine sandigen Arme nimmt. Gewarnt entschliesse ich mich für die kürzere Variante, die dann leider zu kurz ausfällt und zur Strafe im roughigen Abhang vor dem Grün landet. Günter befreit sich exzellent und spielt sein erstes Par. Wir alle genießen den faszinierenden Blick in die Bergwelt ringsherum. Nur Vogelgezwitscher unterbricht die himmlische Ruhe.
Richtig spektakulär wird es an Loch 6 Par 5 (510 m, Hcp 3). Tief unter uns im Tal liegen empfangsbereit drei Bunker, direkt an der Kniescheibe des Doglegs nach rechts.
Rechterhand vom Abschlag ein steiler, dichtbewachsener Hang, der den Blick aufs Grün versperrt und dazu reizt, ihn tigerline zu überspielen. Aber das sollten nur absolut sichere Longhitter (und die Damen von ihrem Abschlag aus) wagen, für alle anderen wäre ein langer sicherer Eisenschlag Richtung Bunker eher empfehlenswert. Von dort aus geht es in großen gefälligen Wellen zunächst bergab, um dann zum Grün hin wieder anzusteigen, das von mehreren Bunkern bewacht wird. Es ist groß und wie immer wellig und verlangt viel Augenmaß und Gefühl. Günter und ich sind hier mit einer 6 hochzufrieden, Roger muss noch an seinem Augenmaß arbeiten und Peter, unser fortgeschrittener Anfänger, hat sich trotz guter Schläge irgendwie eine 9 eingehandelt.
Bergziegenmäßig muss der Abschlag zu Loch 8 erklommen werden. Trotzdem ist das Grün nicht einmal zu erahnen. Es geht zunächst bergauf um dann tief zum Grün hin abzufallen. Dieses Par 4 (378 m, Hcp 5) hat es wirklich in sich und man wird den Eindruck nicht los, dass „Seve“ irgendwo im seitlichen dicht bewachsenen Hang sitzt und sich mit diebischer Freude ins Fäustchen lacht.
Orientierungshilfe ist eine rot-weiße Stange rechts, an der man unbeirrt geradeaus vorbei ins Ungewisse schlagen sollte. Schafft man das, hat man gute Chancen, irgendwo in der Nähe oder gar auf dem Grün zu landen, wenn nicht, muss man ein geraumes Weilchen mit Bälle suchen verbringen, was nicht immer von Erfolg gekrönt ist.
Günter wächst tatsächlich ein Krönchen aufs Haupt, er spielt trotz schwierigem Grün ein Par, Roger eine 6 und Peter sensationell eine 5. Mein Ball hat sich irgendwo im Nirgendwo verkrümelt.
Das schwierigste Loch ist die 9 (Par 4, 404 m). Ein breiter welliger Fairway liegt vor uns, mittendrin zwei ausladende Bäume, links Neubauten. In der Ferne umschmiegen zahlreiche Bunker das erhöht liegende Grün. Wie so oft, fragt man sich, warum hat ausgerechnet dieses Loch den Index eins. Wir kommen alle ohne größere Probleme aufs Grün und nur die Putts verhindern ein Par-Spiel.
Auf dem 2. Teil des Kurses kommt immer wieder Wasser ins Spiel, zudem verstärkt sich zum Teil in extremem Masse die Hanglage des Geländes. Man ist gut beraten, die „Keule“ im Bag zu lassen und stattdessen auf Eisen zurückzugreifen, denn die Bälle rollen wie „batteriebetrieben“ unweigerlich in Gegenden, die man lieber nicht kennen lernen möchte.
So zum Beispiel an der 16. Vor dem Abschlag funkelt azurblau ein See, dahinter erhebt sich ein steiler, nach links bis zum Buggyweg abfallender Hang. Logischerweise sollte man sich hier ganz rechts halten, aber die Bälle rollen mit einem Affenzahn links hangabwärts Richtung See. Hier ist unbedingt ein Eisen zu empfehlen. Das Grün liegt erhöht und hat ebenfalls einiges an ungebetenen Schwierigkeiten zu bieten, wenn man es nicht ganz präzise trifft . Nur 2 Bunker wachen über seine Sicherheit, aber die haben es in sich. Der Linke liegt tief unter dem Kurzgeschorenen, der rechte um einiges erhöht. Spielt man nun quasi blind aus dem linken ein wenig zu weit, landet man im rechten. Der wiederum verlangt echtes Fingerspitzengefühl, denn ein Tick zu viel Gas und das hängende Grün leitet den Ball wiederum in Nummer 1, usw. Alles klar?
Wenn ich das nächste mal in Alhaurin die 17 spiele, werde ich den Abschlag demütig kurz halten, möglichst nur auf die höchste Stelle des Fairways, um dann beim 2, Schlag sehen zu können, wohin die Kugel fliegt. Heute habe ich einen langen, extra links ausgerichteten Superdrive auf den Weg gebracht, den ich mitten auf dem Fairway wähnte und nie mehr wiederfand. Wahrscheinlich ist er doch noch rechts in den See gerollt. Meine Flightpartner sind diesem Schicksal nur knapp entronnen. Für dieses letzte Par 5 (521 m Hcp 4) hat sich der gute Ballesteros noch einmal so richtig ins Zeug gelegt, um uns zu zeigen, wo unser Platz auf dieser Golfwelt ist. (Für die momentane Baustelle mittendrin kann er allerdings nichts). Einzig Günter wird „Seves“ Ansprüchen gerecht und spielt ein Par.
Das letzte Loch (Par 4, 325 m) hat einen interessanten 90º-Knick zum hochgelegenen Grün aufzuweisen. Peter beweist viel Mut und auch Können, als er den zweiten Schlag quasi blind schräg über hohe Bäume und eine Neubaustelle hinweg aufs Rough neben dem Grün setzt.
Am Ende ist Günter trotz zweier Ausrutscher eindeutig mit der Nase vorn und beim Siegerbier auf der Terrasse in der Frühlingssonne ziehen wir ein Resümee.
Alhaurin ist ein äußerst interessanter, herausfordernder Platz, der einfühlsam in die Gegebenheiten der Natur eingepasst wurde und einen sehr gepflegten Eindruck macht. Die Fairways sind zum Teil eng und lang, die Grüns selten einsehbar und diffizil. Man sollte, besonders im trockenen Sommer, öfter auf Eisenschläge zurück- greifen. Aber gerade weil dieser Kurs nicht leicht ist, wiegt der Erfolg umso schwerer.
Das Clubhaus hat ein sehr hübsches Restaurant, die Speisekarte ist klein, aber gut, der Proshop gut sortiert. Der Platz ist nur für ganz Fitte zu Fuß zu bewältigen, die Wege sind lang und zum Teil recht Steil.
Alhaurin verfügt natürlich auch über eine Drivingrange und einen sehr beliebten Par 3-Kurs. Betreiber ist die bekannte Aymerich-Gruppe, die u.a. auch den neuen Chaparall-Golfplatz unter ihren Fittichen hat.
Fotos: Margot Jann
Alhaurín Golf
Ctra. MA-426, km 15,1
29120 Alhaurín el Grande/Malaga
Tel. 952 59 58 00 - Fax 952 59 45 86
Greenfees je nach Saison 32,- bis 57,- Euro
Buggy 20,- bis 35,- Euro
6221 m 5857 m 4941 m