Pablo Ruiz PicassoEin Flughafen mit Zukunft
Wer da geglaubt hat, der noch recht neue Terminal des Flughafens von Málaga, auf dem jährlich rund 12 Millionen Passagiere ein- und ausgehen sei noch lange im Dienst, der hat sich geirrt. Kaum 15 Jahre ist der von Ricardo Bofill entworfene Komplex alt und doch schon out. Davon ausgehend, dass sich der Flugverkehr weiterhin so rasant entwickelt wie bisher, ist offensichtlich, dass schleunigst neue Installationen her müssen. In den kommenden Jahren macht der Flughafen Málaga deshalb eine weitere, die bisher größte Transformation seiner Existenz durch. AENA (Aviación Española Nacional de Aeropuertos) hat den „Plan Málaga“ entwickelt, der alle Maßnahmen zur Realisierung des Großprojektes einschließt.
Für den Um- und Neubau des Flughafens sind zwei Phasen vorgesehen. Fertig werden sollen sie beide vor Ende 2010, veranschlagte Kosten 730 Millionen Euro. Besonders hervorgehoben wird, dass Malaga und sein Einzugsgebiet durch den Neubau optimal mit öffentlichen Verkehrsmitteln an den Flughafen angebunden werden. Ein weiterer angestrebter Nebeneffekt ist laut AENA, dass die aufgelockerte An- und Abreise und der flüssige Ablauf des Flugverkehrs „ein Antrieb für Tourismusindustrie und Wirtschaftswachstum durch Auslandsinvestitionen per Unternehmensansiedlung in der Region“ sind.
Die erste Phase betrifft den neuen Terminal T2. Der zweckmäßige Mammutbau nördlich von T1 misst 251.000 m’. Die Westfront zur Start- und Landebahn wird dadurch in Richtung Norden um 241 m länger. Man bekommt 86 Schalter. In Zukunft führen 20 Ausgänge über 12 Finger zu den Fliegern, und 8 Maschinen werden per Bus bedient. Damit können doppelt so viele Passagiere wie heute abgefertigt werden, nämlich pro Stunde 9.000, 20 Millionen im Jahr. Es darf gehofft werden, dass man auch das historische Problem mit den Transportbändern in der Ankunftshalle in den Griff bekommt.
Bei Fertigstellung von T2 sollen auch die neuen Zufahrten in Betrieb genommen werden können: von Süden durch einen Direktanschluss an die Autovia del Meditarraneo, von Norden an die neue Umgehungsstraße, die als zweite Ronda um Malaga herumführend dringend gebraucht wird. Die erwähnte Bedienung mit öffentlichen Transportmitteln sieht man übrigens als Schlüssel zur bestmöglichen Funktionsfähigkeit des neuen Flughafens, Schiene und Bus sollen den Aeropuerto Málaga zu einem der Pioniere auf dem Gebiet des tragbaren Zubringerverkehrs machen.
Selbstverständlich wird es auch mehr Parkplätze geben. Ein neues 1.800 Plätze-Gebäude südlich des bisherigen Parkhauses bekommt fünf Ebenen, verteilt auf eine Gesamtfläche von 51.000 m’. Dazu gehören ein neuer Busbahnhof und die Verlegung von Schienen.
Service-Betriebe wie Catering, Handling, Autovermietung, usw. werden weiter nördlich angesiedelt – auf 83.00 m’ Gelände mit einer 10.050 m’ Halle. Ein weiteres Gebäude für Privatflieger, Aerotaxi und Flugschulen entsteht im Anschluss daran auf drei Ebenen mit 3.483 m’ Fläche.
Der bisherige Terminal T1 wird währenddessen erweitert, die Abteilungen Einchecken und Abflug ausgebaut. Neun zusätzliche Schalter und ein neuer 845 m’ Flugsteig ermöglichen die Abfertigung von 530 Passagieren in der Stunde. Im kommenden Juni sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein. Die nördliche Parkfläche für Flugzeuge wurde auf 120.740 m’ erweitert, hier können neun Maschinen vom Typ Boing 757 stehen. Im Osten wird der Stellplatz repariert bzw. neu angelegt, in L-Form um den Nord-Anleger des neuen Terminals T2 herum.
Bauphase Zwei beginnt im Jahr 2007 mit dem Bau einer zweiten Start- und Landebahn. Noch sind die Studien über Umweltbelastung nicht abgeschlossen. So gibt es zum Beispiel ein Problem mit der nahen Mündung vom Guadalhorce, vom Menschen nur durch den üblen Gestank wahrzunehmen, wo sich jedoch nicht weniger als 253 Vogelarten wohl fühlen. Ob sie so lärm- wie geruchsunempfindlich sind? Auch gilt es die 24 Ha großen Grasflächen, die „Lunge des Flughafens“, zu schützen. Zu den Auflagen für Boden-, Grundwasser-, Wasser- und Luftqualität, Pflanzen-, Tier- und Lärmschutz kommt noch der Kulturerbeschutz, ein Konzept, das nach der Umsiedlung der Zigeuner aus diesem Raum nicht so leicht nachvollziehbar ist. Einher mit der zweiten Piste geht der Bau weiterer Parkflächen, eines neuen Kraftwerkes zusätzlich zur unter Phase Eins überholten alten Station bei Piste 1 und eine zweite Feuerwache.
Der Flughafen Pablo Ruiz Picasso in Malaga ist der südlichste auf dem europäischen Kontinent. Er verbindet die Costa del Sol mit 17 spanischen und fast einem halben Hundert europäischer Städte. Hinzu kommen zahlreiche Verbindungen mit Amerika, Asien und Afrika. Wegen ihrer speziellen Eigenschaft der Region als Tourismushochburg ist der Verkehr vorwiegend international: 77% aller Flüge kommen aus dem Ausland. Pro Jahr landen und starten 116.000 Flugzeuge. Unter den spanischen Flughäfen nimmt Malaga Platz 4 und europaweit Platz 25 ein. Mit nur einer Start- und Landebahn und täglich rund 300 Flugbewegungen ist ein Ausbau unumgänglich, bis zum Abschluss der Bauarbeiten leider mit erheblichen Behinderungen zu rechnen. Doch 2010 soll alles fertig sein – wetten dass…?