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08:10 Sonntag 6. Juli 2008

Die Klosterbauten San Millán Suso y Yuso

Das Weltkulturerbe Spaniens Teil 25

Versteckt in den Buchen- und Eichenwäldern im Tal des Cárdenas in der Sierra de la Demanda (Rioja) gibt es viele kleine Dörfer, die im Schutz der Klöster entstanden und gewachsen sind. Dazu zählt der Ort San Millán de la Cogolla mit den beiden nur einen Kilometer voneinander entfernt liegenden Klöstern Suso und Yuso. Weil sie ein außergewöhnliches Zeugnis von Einführung und Fortwähren christlichen Klosterlebens vom 6. Jahrhundert bis heute sind und wegen ihrer Bedeutung als Geburtsstätte der spanischen Sprache stellte die UNESCO im Jahre 1997 beide Komplexe unter ihren Schutz.

In der dünn besiedelten Naturlandschaft mit ihren einfachen Dorfgemeinschaften fällt schon von weitem ein mächtiges Bauwerk auf. Es ist das von hohen Gartenmauern umgebene Kloster Yuso unterhalb des halb vom Walde verborgenen Klosters Suso, dem älteren der beiden Bauten. Der Ursprung der Klöster geht auf den Heiligen Emiliano (Millán) zurück, der mit seinen Anhängern sein langes entbehrungsreiches Leben als Einsiedler in mehreren Höhlen in San Millán de la Cogolla verbrachte (473-574). Er wurde zu einem der meistverehrten Heiligen, teilt sich mit dem Heiligen Santiago das Schutzpatronat über Spanien. 

Das tausendjährige Gemäuer vom unscheinbareren Kloster Suso, ein Zönobium aus dem VI. Jahrhundert und Ursprung der beiden Klöster von San Millán, ist von verwirrendem Grundriss. Es beherbergt dicht zusammen gedrängt und übereinander liegend die Gräber des Heiligen San Millán und seiner asketischen Anhänger, von ihnen selbst in den Felsen gehauen. Sie haben verschiedene Formen, sind trapez- oder hufeisenförmig, quadratisch, für Seiten- oder Rückenlage. Gemeinsam haben die über 120 Grabstätten, dass sie alle mit dem Fußende sind nach Osten ausgerichtet sind. Auch sieben Infanten und drei Königinnen von Navarra wurden hier bestattet. Etliche der Felsgräber liegen außerhalb der Kirche. Dort, wo einst sein eigenes Grab war, errichtete man im XII. Jh. ein Grabdenkmal, das den Heiligen San Millán in voller westgotischer Priestermontur darstellt. 

Die Geschichte des Klosters zur Zeit der Muselmanenherrschaft liegt im Dunkel. 923, nach der Wiedereroberung Nájeras, wurde Kloster Suso mit Mönchen und einem Abt neu besiedelt. 984 wurde die Klosterkirche geweiht, die einzige in ganz Spanien, die zwei Schiffe und drei Stilrichtungen aufweist. Im Jahr 1002 brach zum letzten Mal der maurische Sturm über das Kloster, nämlich als es vom großen Krieger Almanzor angegriffen wurde. Viele der westgotisch-mozarabisch-romanischen Elemente sind trotzdem in gutem Zustand erhalten. Ein Hufeisenbogen mit zwei korinthischen Kapitellen bildet den Eingang, und die beiden quadratischen Zwillingskapellen werden von drei Hufeisenbögen getrennt.
König Sancho III. von Navarra und seine Frau Muniadonna, unterstützt von den Erzbischöfen von Pamplona, Oca, Alava und Huesca, beschlossen nach dem Wiederaufbau der Kirche von Kloster Suso im Jahr 1030, die Reste des frommen Einsiedlers zu exhumierten und in eine kostbare Silberurne umzubetten, um sie den gläubigen Wallfahrern so würdig wie nur irgend möglich zu präsentieren. Sein Sohn und Nachfolger, König García, wollte die Urne jedoch lieber im Kloster Santa María von Nájera aufstellen und ließ sie im Jahr 1053 von Suso abtransportieren. Diese Tat, das Levantamiento Solemne, wurde zur Geburtsstunde von Kloster Yuso. König García wurde zu seinem Begründer, denn er ließ Yuso an der Stelle errichten, an der die Zugtiere partout nicht weiter wollten - was er als ein eindeutiges Zeichen dafür sah, dass der Heilige San Millán seine Heimat nicht verlassen wollte.
Der bei Kloster Yuso vorherrschende Baustil war deshalb zunächst rein romanisch. Da das Bauwerk jedoch zwischen dem XVI. – XVIII. Jahrhundert neu errichtet wurde, kamen gotische, renaissancistische und barocke Elemente hinzu. 

Heute spricht man von „Kloster San Millán Suso y Yuso“. Weltberühmt wurde es durch den Umstand, dass hier der gelehrte Priester Gonzalo de Berceo im XIII. Jh. die ersten Texte in der Volkssprache des Mittelalters (romance) niederschrieb. Das trug dieser Stätte die Ehre ein, als Wiege der spanischen Sprache zu gelten. So früh wie 964 war in Kloster San Millan der Códice Emilianense 46 geschrieben worden, das erste enzyklopädische Wörterbuch der iberischen Halbinsel. Es enthält bereits viele Wörter in Romance. Von den Mönchen in San Millán waren auch im 11. Jahrhundert schon etliche lateinische Manuskripte, die „Emilianenses 60“, zum besseren Verständnis mit Randnotizen (glosas) in Romance versehen worden. Sie gelten als die ersten auf spanischem Boden in Nicht-Latein niedergeschriebenen Wörter. Die Glosas befinden sich heute in Madrid. 

Die neue eigenständige Sprache entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte als Castellano so gut, dass sie heute von 400 Millionen gesprochen wird.
Die Kirche von Yuso in San Millán de los Cogollos wurde von 1504 bis 1540 erbaut. Sie hat drei Schiffe. Der Hauptalter wurde 1657 fertig gestellt, ist reich verziert und hat acht wertvolle Gemälde von Fray Juan Rizzi. Von besonderer Schönheit sind die Kanzel und das Hauptportal im Plateresco-Stil sowie der Chor in griechisch-romanischer Manier. Der große Kreuzgang entstand von 1550-1560 und weist Bestandteile in Gotik und Renaissance auf.

Yuso beherbergt eine kostbare Kunstsammlung mit den Schreinen der Heiligen San Millán und San Felices. Sie sind bedeckt mit Elfenbein, Gold- und Edelsteinschmuck und wurden teilweise unter Verwendung der Originalverzierung im 20. Jh. nachgebaut. Die Reliefs erzählen vom Leben und Wirken der Heiligen. Die Sakristei, geräumig und reich verziert, ist voller Skulpturen, Gemälde, Kupferstiche und Fresken aus dem XVIII. Jahrhundert. Sie wurde nie restauriert, sondern leuchtet bis heute in ihren Originalfarben. 

Das Archiv mit alten Manuskripten, Regierungsdokumenten und Hunderten von Pergamentrollen aus dem 10. bis 16. Jahrhundert gehört zu den wertvollsten Sammlungen spanischer Klöster. In einem Schrein befinden sich Verstexte, die von 1629 und 1731 in diesem Kloster kopiert wurden und hervorragend erhalten sind. Die Bibliothek ist so geblieben, wie sie zu Ende des 18. Jh. eingerichtet worden ist. Diese Räume gelten als Kostbarkeiten der Kunstgeschichte.

Seit 1878 leben in Yuso Mönche des Augustiner-Ordens. Hunderte von Missionaren gingen von San Millán de los Cogollos in die Philippinen, nach Asien und Amerika. Viele fleißige fromme Männer sind geblieben und haben alte Texte kopiert. In Kloster San Millán Suso y Yuso schlägt nicht nur das Herz der navarresischen und kastilischen Kirchengeschichte, hier sind die Ursprünge der spanischen Sprache zu finden.

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