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08:09 Sonntag 6. Juli 2008

Der Nationalpark Ordesa y Monte Perdido

Das Weltkulturerbe Spaniens Teil 26

Eins der wichtigsten Naturschutzgebiete der Welt liegt im Westen der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien. Das Gebiet namens Ordesa y Monte Perdido umfasst 15.608 Hektar, gehört auf spanischer Seite zur Provinz Huesca in Aragonien und wurde 1918 zum ersten Nationalpark erklärt. Seit 1977 gehört dieser Park zur UNESCO-Biosphäre-Reserve Ordesa-Viñamala und seit 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Die höchste Erhebung ist das Massiv Monte Perdido y Marboré. Die Gipfel des Monte Perdido mit 3.355 m, Soum de Ramón oder Gran Anisclo (3.254 m) und Cilindro Marboré (3.248 m) sind Ausgangspunkt von strahlenförmig abwärts laufenden Tälern. Besonders romantisch ist das Ordesa-Tal, Ursprung des alten Nationalparks, das sich in Richtung Südost öffnet. Des Weiteren begeistern die Añisclo-Schlucht in Richtung Süden, die Escuaín-Schlucht gen Südost und das Pineta-Tal nach Osten. Ihr Ursprung sind die Flüsse Arazas, Bellos, Yaga und Cinca.  

Wenngleich nicht zum spanischen Nationalpark gehörend, weil auf französischer Seite liegend, so ist das Tal und das Kar Gavarnie doch untrennbarer Bestandteil eines Ganzen. Hier finden wir die beeindruckende eiszeitliche Senke, an deren Kopfende die größte Kaskade Europas aus über 400 m Höhe tosend in die Tiefe stürzt.

Die Morphologie des Parks geht zurück auf das Tertiär, als bei den tektonischen Bewegungen auch die Alpen und der Kaukasus aufgeworfen wurden. Anschließend tat im Quartär die eiszeitliche Erosion ihr Werk. Der Besuch des Nationalparks ist somit eine aufschlussreiche Reise in die Entstehungsgeschichte der Pyrenäen. Auf dem Rückzug und nicht mehr in Höchstform liegt an der Nordwand des Monte Perdido einer der wenigen Gletscher Spaniens, ebenso ein Evolutionszeuge des Bergmassivs wie die pflanzlichen und tierischen Fossilien der letzten 70 Millionen Jahre.
Monte Perdido ist Europas höchstes Kalksteinmassiv. Der überwiegende Teil der Landschaft ist von karstischer Transformation geprägt, übersät mit Nischen und Höhlen, Schlünden und Erdlöchern. Von hier überblickt man Gipfel und überhängende Steilwände, Seen, Gletscherfelder, Grotten und Wälder, eine Landschaft von wilder Schönheit. Buchen, Pinien und Tannen wachsen an Hängen und in Tälern und sind die Heimat vieler Tierarten, die in manchen Teilen Europas bereits ausgestorben sind.
Diese Entwicklung hat jedoch auch die Pyrenäen erreicht. Die Pyrenäen-Bergziege war das Wahrzeichen des Nationalparks, bis sie im Jahr 2000 trotz aller Rettungsbemühungen ausstarb. Murmeltiere, Wildschweine und der Pyrenäen-Desman sind jedoch noch vertreten, Raubvögel wie Bartgeier und Königsadler oder die hispanische Bergziege halten sich in den fast unerreichbaren Höhen auf. Falken, Eulen, Auerhähne und Schneehühner fühlen sich in der Einsamkeit des Nationalparks ebenfalls wohl.  

Bis zu einer Höhe von 1.500-1.700 m klettern die zahlreichen Buchenwälder, die Pinien, Eichen und auch Birken, Eschen, Weiden und Haselnusssträucher. Weiter unten breiten sich Schwarzpinienwälder aus. Im Unterholz dominiert der Buchsbaum. Auf den hoch gelegenen Weiden, zwischen 1.700 bis 3.000 m, dominiert der Waldschwingel. Das Symbol des Nationalparks, das emblematische Edelweiß, steht unter strengem Naturschutz. Lila und rosa Ramonda myconi wachsen in Fels- und Erdspalten, und fleischfressende Pflanzen hängen die steilen Felsen herunter. Ohne zu übertreiben haben wir hier einen Märchenwald, den zu erhalten sich die UNESCO zur Aufgabe gemacht hat. Dadurch bekommen zukünftige Generationen zumindest die Chance, neben einer virtuellen hier und da eine reale Paradieslandschaft besuchen zu können.

Fotos: P.N.O.M.P.

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