Kleine Dimensionen von allem
Peter Hilgard„Federico García Lorca schrieb einst, die Stimme Granadas sei voll unsäglicher aristokratischer Melancholie und um sie zu hören, müsse man in die kleinen Nischen, Winkel und Ecken der Stadt gehen. So habe ich die Stadt erlebt.“
Von Nicole Schaar
Klingt nach einer Liebeserklärung an eine Stadt und genau das ist es auch. Aber wie schreibt man ein ganzes Buch über eine Stadt? Peter Hilgard hat über ein Jahr lang eine Art Tagebuch geführt, über sein Leben in Granada. Aber er beschreibt nicht nur die zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Eigenarten der Stadt, sondern blickt tiefer hinter die Fassade. Das Werk erscheint wie ein Stadtrundgang, bei dem der Autor immer wieder an Plätzen verweilt und den Leser in Legenden, Geschichten und historische Begebenheiten längst vergangener Tage eintauchen lässt.
Peter Hilgard erzählt vom maurischen und jüdischen Erbe Granadas, beschreibt Alltagsbegebenheiten in den Straßen und Vierteln der Stadt. Auch auf die Veränderungen des Stadtbildes in der Geschichte Spaniens und wie sich der Anblick der Alhambra zu verschiedenen Tageszeiten ändert, sind Teil seiner Sicht auf die andalusische Ortschaft. Das jedoch auffälligste an seinem Schreibstil ist die Tatsache, dass er mit fremden Worten arbeitet. Innerhalb seiner Beschreibungen fügt er stets Zitate anderer Autoren hinzu, um seine Angaben zu untermauern und dazustellen, wer eigentlich schon in Granada verweilte und auch darüber schrieb. So fügt er seinen Aufzeichnungen nicht nur Zitate hinzu, sondern auch Gedichte und Liedtexte.
Besondere Beachtung schenkt Peter Hilgard dem Aspekt der christlichen und maurischen Geschichte Granadas. Immer wieder geht er auf die Einflüsse der Araber ein, sei es bei Gebäuden, der Sprache oder den Essgewohnheiten. „Und dennoch, keine andere Stadt verkörpert die arabische Kultur auf europäischem Boden intensiver als Granada. Acht Jahrhunderte maurische Anwesenheit bedeuten auch acht Jahrhunderte eines hartnäckigen Kampfes, der „Reconquista“, ...“
Doch wer steckt eigentlich hinter dem Namen des Autors? Peter Hilgard ist promovierter Mediziner und ein international bekannter Krebsforscher. Schon bei seiner ersten Begegnung mit Spanien hat er sich der Kultur des Landes verschrieben. In mehreren Büchern und zahlreichen Zeitschriften hat er bereits über die Vielfalt der Wein-und Esskultur spanischer Regionen berichtet.
Doch gibt es nur Positives zu berichten? Granada als Traum- stadt und Stätte vergangener historischer Ereignisse? Der Autor geht auch auf Umweltzerstörungen oder Veränderungen der Landschaft ein und auf die Touristenströme in den Sommermonaten. Aber zusammenfassend ist es eine Hymne an Granada. Wer herrschte über die Stadt? Wer hat ihr zu Ruhm verholfen oder sie gar zerstört? Wer hat Granada besucht und die Stadt schätzen gelernt?
„Granada- Eine Spurensuche“- ein Gang durch die andalusische Stadt mit ihrer Geschichte, ihren Legenden und ihren Eigenarten.
Peter Hilgard: Granada. Eine Spurensuche.
Kassel, Verlag Winfried Jenior 2006
ISBN 3-934377-40-8, 256 Seiten, 12 Fotos, kartoniert
16,- Euro