Wer von uns hat nicht schon davon geträumt: eine einsame Insel, traumhafte Strände, Palmen, strahlende Sonne und Ruhe, nichts als Ruhe – und natürlich eine Flasche kaltes Bier in der Hand. Erholung und Entspannung pur. Der Rest der Welt existiert nicht mehr.
Inzwischen habe ich festgestellt, dass es viele Ausländer – natürlich auch Deutsche – hier in Spanien gibt, die sich diesen Traum zumindest teilweise verwirklicht haben.
Sie leben wie auf einer Insel. Kein Kontakt zur Landesbevölkerung, kein Interesse, die Sprache zu erlernen, sie leben zurückgezogen im Kreise Gleichgesinnter. Der einzige Kontakt zur Außenwelt besteht aus den deutschsprachigen Fernseh- und Radioprogrammen. Sie wissen also genau, dass gerade auf der Autobahn Richtung Hamburg ein Stau von zwölf Kilometern besteht. Sie wissen aber nicht, wer im Moment Spanien regiert, was sich sportlich oder kulturell in diesem Land abspielt, sie kennen weder die nationalen noch die lokalen Feiertage, die nun mal zahlreich sind, und stehen dann fluchend vor geschlossenen Geschäften. Sch...land.
Da ging doch wirklich ein Deutscher zu Trafico, um sein aus Deutschland mitgebrachtes Auto umzumelden. Nach drei Minuten kam er kopfschüttelnd wieder raus – da drin spricht ja niemand deutsch. Unglaublich. So geht es mit dem Arzt, im Krankenhaus, in der Autowerkstatt und so weiter und so fort.
Das schränkt natürlich den Bewegungskreis der Insulaner enorm ein, sie ziehen sich immer mehr zurück, angeblich will sie keiner verstehen. So leben sie zurückgezogen auf ihrer persönlichen Insel, gehen nur noch im Notfall raus, zum Beispiel wenn der Kühlschrank leer ist. Glücklicherweise muss man im Supermarkt nicht sprechen, es steht ja alles so schön in den Regalen, man muss nach nichts fragen. Und die Preise sind auch dran.
Doch wie jeder Traum hat auch das Leben auf einer einsamen Insel seine Schattenseiten. Nach und nach werden die Inselbewohner immer merkwürdiger, mürrischer, vergrämter. Der Inselkoller hat sie gepackt. Schade, Spanien könnte doch so schön sein.