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06:48 Dienstag 6. Januar 2009

Stierzucht in Spanien

Edle Tiere im “Cortijo de Arenales“

Von Beatriz Hohler (Text) & Roland Beysel (Fotos)

In Spanien hat der Stierkampf lange Tradition. Ohne den Kampfstier, der einer uralten Rinderrasse angehört, die nur in Spanien überlebt hat, gäbe es keinen Stierkampf. Ganz gleich, wie man dazu stehen mag, so muss man doch zugestehen, dass kaum ein anderes Tier in unserer modernen Gesellschaft ein solch privilegiertes Leben führen darf, wie der spanische Kampfstier. Gezüchtet werden sie hauptsächlich in Andalusien, wo sie ideale Lebensbedingungen vorfinden. Vier Jahre lang wachsen sie in nahezu freier Wildbahn auf, fernab von Ställen und Massentierhaltungen, und sie bekommen nur das beste Futter.

Wir haben die Stierzuchtfarm „Cortijo de Arenales“ des Conde de la Maza besichtigt. Sie liegt südlich von Sevilla in der Nähe der Stadt Morón de la Frontera.  Zahlreiche Stierzüchter bieten heute geführte Touristenbesichtigungen durch,  um Verständnis für ihre Leistung zu bekommen, aber auch, um einen Ausflug in herrlichste, unberührte Natur machen zu können.

Die Finca verfügt über 2.800 Hektar Land. Zwei Drittel davon werden landwirtschaftlich genutzt. In erster Linie wird Hartweizen für Brot und Nudeln angebaut, Sonnenblumen für Öl, Oliven, aber auch Gerste und Gras als Tierfutter. Ein Drittel der Weiden steht für die Viehzucht zur Verfügung; das sind in „Cortijo de Arenales“  etwa 1000 Kampfstiere, 800 Schafe (für Wolle und Fleisch), 40 Pferde, die größtenteils verkauft werden, sofern sie nicht zur Arbeit auf dem Gut gebraucht werden. Darüber hinaus gibt es Bienenstöcke, aber auch Rebhühner, Wachteln, Kraniche, Geier etc.
Bewirtschaftet wird die Farm von 35 Personen, mit modernster Technik, aber  unter Beibehaltung der Tradition und den Gewohnheiten der Aufzucht auf dem Campo Andaluz.

Ausschlaggebend für die Zucht ist die Auswahl einer geeigneten Kuh. Meist testen professionelle Toreros im eigenen Kampfring des Züchters die Kühe. Entscheidend sind dabei die Reaktionen der Kühe.  Nur die besten Tiere werden schließlich für die Zucht der Kampfstiere eingesetzt. Sie leben auf dem Feld und gebären Jahr für Jahr ein Kalb.
Die Auswahl der männlichen Tiere läuft ähnlich ab, ist aber weitaus gefährlicher. Im Alter von etwa 2 Jahren werden die jungen Stiere auf ihren Mut erprobt. Dabei werden einzelne Tiere auf der Weide von Vaqueros, den andalusischen Cowboys, von der Herde getrennt, über die Weide gejagt und mit Lanzenstößen zu Fall gebracht. Wenn sich ein Stier wieder aufrappelt und dann auch noch das Pferd angreift, ist er tauglich für den Stierkampf, und darf weitere Jahre auf der Weide verbringen. Andernfalls wird er kastriert und für den Schlachthof vorgemerkt. Im Alter von fünf Jahren werden ausgewachsene Kampfstiere mit einem Gewicht von 400 bis 700 kg zu Stierkämpfen verkauft. Besonders schöne und gute Stiere, oder solche, die beim Stierkampf begnadigt werden, kommen in die Zucht. Es heißt, der Stier erbt die Kraft und den Mut vom Vater, aber die Wildheit von der Mutter. Kühe sind auf der Weide oft gefährlicher als die Stiere, da sie wendiger sind und ihre Kälber verteidigen.

Jede Zucht hat ein eingetragenes Brandzeichen. Auch die Zahl des Geburtsjahres wird aufgebrannt. Je nach Zucht haben die Tiere unterschiedliches Aussehen und vor allem einen anderen Charakter. Berühmte Toreros entscheiden oftmals, aus welcher Zucht sie gegen die Stiere antreten. Daher sind die Stierzüchter darauf bedacht, ihren Namen mit ihren Tieren gut zu vermarkten. Auf jedem Plakat zum Stierkampf steht nicht nur der Matador, sondern auch der Name des Züchters, dessen Tiere in der Arena antreten.

Im „Cortijo de  Arenales“ kann man die Farm in kleinen, geführten Gruppen in Jeeps besichtigen. Für größere Gruppen stehen große, offene Wägen zur Verfügung. Die Führungen übernimmt die Tochter des Hauses, Almudena de la Maza, so dass man alles aus erster Hand erfährt und erfragen kann. Mittlerweile kommen die Gäste aus aller Welt. Zahlreiche Firmen  nutzen einen Ausflug in die Natur für Geschäfts- und Incentive-Reisen, es gibt aber auch viele Privatleute, die in der umgebauten, ehemaligen Stierkampfarena Feste jeglicher Art feiern. Hier kann man typisch andalusische Küche und Weine verköstigen und Folklore oder Flamenco genießen.

CORTIJO DE ARENALES
41530 Morón de la Frontera
SEVILLA - ESPAÑA
TEL.: +34 - 955 95 70 48 - +34 - 954 85 09 17
MOVIL: 670 87 53 53
E-Mail: cortijodearenales@cortijodearenales.com
www.cortijodearenales.com



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