An der südlichsten Atlantikküste spielt vor allem der rote Thunfisch eine Rolle: La AlmadrabaVon Beatriz Hohler
Es gibt sie noch, die Strände, die nicht verbaut sind, und so breit und einladend, dass selbst der Touristenansturm im Sommer noch genügend Freiraum läßt für einen ungestörten Platz an der Sonne. Den südlichsten Teil der Atlantikküste von Spanien, von Canos de Meca über Barbate, Zahara bis nach Tarifa, hatten sich lange Jahre fast ausschließlich junge, sportliche Gäste für sich auserkoren, die die stete Meeresbrise zum Surfen, Kitesurfen, Segeln etc. oder zum Drachenfliegen nutzen.
In den letzten Jahren hat sich an diesem Küstenteil ein touristisches Angebot an Hotelplätzen entwickelt, das den gehobenen Ansprüchen von Individualtouristen gerecht wird, die gerade diese geheimen Plätze schätzen und authentisches andalusisches Leben, abseits von den Massenzentren, genießen möchten. Traumstrände, originelle Hotels mit vorzüglichem Komfort und eine hervorragende Gastronomie locken Jahr für Jahr mehr Besucher an.
Bekannt ist diese Küste in der ganzen Welt jedoch hauptsächlich durch das alljährliche Spektakel der Almadraba, einer besonderen Kunst des Fischfangs. Japanische Schiffe liegen wochenlang an der Küste vor Anker, um den beliebten roten Thunfisch für ihr Sushi fangfrisch aufladen zu können.
Jedes Jahr kommen mit dem Mond im April Thunfische vom Nordatlantik zur Meerenge bei Gibraltar. Seit Jahrtausenden exisitert daher hier eine spezielle Kunst des Fischfangs, die genau festgelegt ist und sehr selektiv vorgeht: la Almadraba. Anhand von Münzen aus der Zeit der Phönizier weiss man, dass dieser Fisch seit mindestens 3000 Jahren hier gefangen wird. Auch die Römer haben sechs Jahrhunderte lang diesen speziellen Fischfang hier ausgeübt. Von 1928 bis 1970 wurde er in Spanien unter staatlicher Leitung des Consorcio Nacional Almadrabero vollzogen, unter der regelrechte Dörfer zum Fischfang und zur Verarbeitung entstanden sind.
La Almadraba ist sehr kostenintensiv und erfordert extrem viel Personal. Da dies im Laufe der Jahre unrentabel wurde, ist der Fischfang in den 70er Jahren fast verschwunden. Erst durch die Initiative von Privatfirmen, die es gewagt haben, den Thunfisch in Japan zu vermarkten, gelang es, diese Kunst des Fischfangs neu zu etablieren.
Sie besteht aus 3 Teilen:
Calamento: Bereits 2 Monate vor Ankunft der Fische werden riesige Netze mit Tausenden von Metern Stahlseilen ins Wasser eingebracht, festgehalten von 400 – 600 Ankern, jeder etwa 450 Kilogramm schwer. Es ist ein enormer Aufwand.
La Pesca: dann wird auf die Ankunft der Fische gewartet. Das Verhalten der Tiere richtet sich je nach Sauberkeit des Wassers, Temperatur, Mondphase, Gezeiten oder auch des Windes. Da es feststehende Netze sind, sehr nahe an der Küste, wird insgesamt nur etwa 0,01 Prozent der Thunfische auf diese Weise eingesammelt, abhängig von klimatischen Verhältnissen. Gerade der rote Thunfisch gilt in Japan als ganz besondere Delikatesse, aber auch entlang der Küste findet er vielfältig Eingang in das gastronomische Angebot, so dass man Thunfisch in allerlei Arten probieren kann. Conil veranstaltet dazu jedes Jahr im Juni eine Thunfisch-woche, wo man sich von Lokal zu Lokal die verschiedensten Zubereitungsarten von Thunfisch schmecken lassen kann.
La Leva: es dauert wiederum fast 2 Monate, bis alle Netze, Seile und Anker wieder gehoben werden, um sie anschließend von entstandenen Schäden zu reparieren oder durch neue zu ersetzen.
La Almadraba ist ein sehr selektiver Fischfang. Nur ausgewachsene Tiere des roten Thunfischs, von etwa 180 bis 200 kg Gewicht, werden herausgezogen. Junge Fische bleiben davon verschont. Zur Zeit sind pro Jahr etwa 500 Personen direkt mit dem Fischfang beschäftigt und etwa 200 mit der Weiterverarbeitung. Fraglich ist, wie lange noch, denn mittlerweile haben sich andere Länder darauf spezialisiert, bereits junge Fische weiter draußen auf dem Meer abzufangen. Damit droht eine der ältesten Traditionen des Westens, la Almadraba in Spanien, allmählich ganz auszusterben. Das wäre nicht nur für die Fischindustire ein Problem, auch den Touristen würde damit ein alljährliches, attraktives Spektakel fehlen.