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Deutsche Botschaft und Konsulate in Spanien


19:57 Freitag 25. Juli 2008

Marbella

Die Stadt der Rekorde

Bereits in der Mai-Ausgabe habe ich mich mit dem Dauerbrenner Marbella und seinen Ex-Politikern beschäftigt. Inzwischen gibt es so viele Neuigkeiten, dass eine Fortsetzung ansteht.
Die sogenannte Operación Malaya, die am 29. März ihren Lauf nahm, hat bis jetzt 63 mutmaßliche Betrüger aufgespürt. Unter den bei Redaktionsschluss noch 23 in U-Haft sitzenden Personen befinden sich die drei letzten Ex-Bürgermeister von Marbella, ein Dutzend ehemalige Ratsabgeordnete, Unternehmer und Rechtsanwälte. Die bisher letzten, die Bekanntschaft mit dem Gefängnis machten, waren Julián Muñoz, der nach Jesús Gil das Amt des Stadtvaters innehatte, Pedro Pérez von der andalusischen Regionalpartei PA und zwei Geschäftsführer der Immobilienfirma Aifos. Carlos Fernandez, seinerzeit Sport-Delegierter und wegen illegaler Bereicherung zu Lasten der Fußballer im Dezember 2005 verurteilt, ist flüchtig.

José Antonio Roca, Ex-Baurat der Stadt und „mutmaßliche“ Drehscheibe der Korruption, hat sein ganz besonderes System entwickelt und darüber auch Buch geführt. Er bekam große Summen Geld von den Unternehmern, damit sie auf illegale Weise mit städtischem Land lukrative Geschäfte machen durften oder Baulizenzen erhielten, die eigentlich nicht möglich waren. Allein in zwei Jahren gingen so 30 Millionen Euro Bargeld durch seine Hände. Von Aifos wird vermutet, sich mit 4 Millionen Schmiergeldern an diesem Topf beteiligt zu haben. Dieses Geld verteilte Roca in Briefumschläge und leitete es weiter an seine Stadträte, damit sie erstens bei der Stadtratsitzung ihre Zustimmung erteilten und zweitens ihren Mund hielten. Je nach Rang und Wichtigkeit waren die Beträge natürlich unterschiedlich hoch, die höchste Summe erhielt der Bürgermeister bzw. die Bürgermeisterin.

Auch dem guten Tropfen war Roca anscheinend nicht abgeneigt. So bestellte er für über 800.000 Euro Dom Pérignon und Edelwein bei einer französischen Kellerei, Rechnung auf Rathaus Marbella. Die jetzige Übergangsverwaltung weigert sich natürlich, diese Rechnung zu begleichen. Von der Ware keine Spur. Wird sicher interessant zu erfahren, an wen er diese Präsente liefern ließ oder wie viel er selbst davon genoss!
Nur der Staatsanwalt hat bisher einen Einblick in die Vielzahl von Gesellschaften und Personen, die sich der Geldwäsche und Investierung in illegale Fonds widmen. Das Repertoire der Möglichkeiten sei in der Tat überraschend, so Richter Torres. 

Nicht überraschend ist, dass Marbella trotz des Politskandals wie gewohnt den Sommer genießt. Für Gesprächsstoff ist für lange Zeit gesorgt.

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