Tourismuszahlen können täuschenTrotz aller Unkenrufe hat der spanische Tourismus ein weiteres Jahr scheinbar Grund zum Jubeln. Besucherrekorde im Juli, fast hundertprozentige Ausbuchung im August! Die neuen Märkte wie das ehemalige Jugoslawien oder die Türkei mit ihren attraktiven Orten und Preisen haben Spanien dieses Jahr nicht schaden können.
Zumindest haben sie jedoch bewirkt, dass die hiesigen Hotelpreise zur Hauptsaison zum Beispiel nur bescheidene zwei Prozent gestiegen sind, obwohl die Übernachtungen in dieser Zeit um fast acht Prozent zunahmen. In den ersten sieben Monaten des Jahres wurde Spanien bereits von 33,3 Mio. Ausländern besucht, das waren 5,3% mehr als voriges Jahr in dieser Zeitspanne.
Aber – natürlich gibt es ein Aber – das Geld sitzt leider nicht mehr so locker. Das heißt, der Aufenthalt wird kürzer, die Ausgaben kontrollierter. Der Trend geht zum Kurzurlaub hin, gefördert durch die extrem billigen Flüge, allzeit buchbar und nicht wie bisher nur als Last Minute-Schnäppchen zu ergattern. Aus England kommen zum Beispiel scharenweise Polterabend-Cliquen für ein Wochenende angeflogen, für 200 Euro alles inklusive. Das sind nicht die Gäste, die sich die Branche wünscht, die sich aber in den Zahlen niederschlagen.
Deshalb ist Euphorie verfrüht. Es gibt keinen Grund, sich selbstzufrieden zurückzulehnen und zu meinen, die Schlacht um die Marktführung sei gewonnen. Dem ist nicht so, die Tourismusbranche, im Speziellen die Touristen, reagieren sehr sensibel. Die Experten verlangen eine dringende Modernisierung der alt gedienten Zielorte. Ein Pflichtfach, bei dem die Costa del Sol & Co. das Nachsehen haben und längst von den neuen Tourismusmagneten wie dem Baskenland oder Castilla und Leon oder selbst Madrid überholt wurden. Qualität, weg von der Massifizierung, Qualität und noch mal Qualität muss das Ziel aller am Tourismus Verdienenden heißen. Das gilt besonders für die Mittelmeerstrände. Nicht ein einziges Jahr mehr die Umweltschweinerei, die mit ungeklärten Abwässern einen um den anderen Tag jedes Badevergnügen vereiteln. Engländer, Deutsche und Franzosen sollen wiederkommen und nicht nach dem dritten Anlauf resignierend die Hoffnung entgültig aufgeben, dass Spanien seine Hausaufgaben gemacht hat.
Zurücklehnen und Feiern wäre meiner Meinung nach sowieso die falsche Reaktion auf zufriedenstellende Zahlen. Die Entwicklung geht immer weiter, die Ansprüche der Touristen verändern sich und steigen, die Mitbewerber auf dem weltweiten Markt schlafen nicht. Zurücklehnen ist gleichbedeutend mit Stillstand – und Stillstand ist bekannterweise nie gut. Es gibt noch viel zu tun.