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03:42 Freitag 25. Juli 2008

Alcalá de Henares, Universität und Altstadt

Das Weltkulturerbe Spaniens Teil 28

Alcalá de Henares ist der Geburtsort von Miguel de Cervantes, Spaniens bekanntestem Schriftsteller. Die ehrwürdige historische Stadt liegt wenige Kilometer nordöstlich von Madrid im Tal des Henares, einem Nebenfluss des Tajo. Sie ist aber nicht nur seinetwegen, sondern auch aus diesem Grunde weltberühmt: Hier steht die Universidad Complutense, die gemeinsam mit anderen historischen Bauten in der Altstadt von der UNESCO im Jahr 1998 zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Die UNESCO bewertete nicht nur die Geschichts- und Kunstschätze von Alcalá de Henares, sondern auch den ausschlaggebenden Beitrag des 16. und 17. Jahrhunderts an die Weltkultur. Alcalá war die Stadt des Wissens, die das Goldene Jahrhundert möglich machte. Als Lehrer oder Schüler lebten hier Intellektulle wie Francisco de Quevedo, Lope de Vega, Calderón de la Barca, Tirso de Molina, Mateo Alemán, San Ignacio de Loyola und San Juan de la Cruz, um nur einige zu nennen.

Die Römer gründeten den Ort, der uns heute beschäftigt, im ersten Jh. v. Chr. als kleine Befestigung namens Complutum Romana. Ihre städtebauliche Bedeutung hielt sich bis zur Zeit der christlichen Rückeroberung in Grenzen, obwohl sie unter den Muselmanen mit dem Namen al-Qal’a ein bereits wichtiger Stützpunkt der maurischen Herrscher in Toledo war. Toledo fiel jedoch 1085 unter Alfons VI. an die Christen zurück, und 1118 wurde auch Alcalá von der maurischen Herrschaft befreit. Von nun ab wurde die Stadt zur Residenz der Erzbischöfe von Toledo. Es waren die Prälaten, die diesen Ort im Laufe der Jahrhunderte ausbauten und verschönerten. Die Blütezeit der Stadt begann jedoch unter den Katholischen Königen mit der Gründung der Universidad Complutense im Jahr 1508. 

Ihr Initiator war der mächtige Staats- und Kirchenmann Kardinal Jiménez de Cisneros, ebenfalls Erzbischof von Toledo. Die heute größte Universität Spaniens begann ihre Lehrinstitutskarriere als Colegio de San Ildefonso. In 10 Jahren entstand ein prächtiger Komplex, von dem besonders die Aula mit der kostbaren Kassettendecke und seine Empore im Platereskenstil beeindrucken. Die Hauptfassade im selben Stil wurde 1543 gebaut und ist das imposanteste Element. Sie erinnert an ein Retabel, ist von zahlreiche Pilastern und Säulen unterteilt und wird von einer ornamentreichen Galerie gekrönt. Der Innenhof “de las tres lenguas” (der drei Sprachen) entstand im Renaissancestil des 16. Jahrhundert. Die barocken Innenhöfe mit dem Patio de los Filosofos als ihrem berühmten Beispiel wurden Ende des 17. Jahrhunderts gebaut. Der schönste Innenhof wurde von Baumeister José Sopeña entworfen. Einer der Patios blieb unvollendet.

Neben der Universität steht die Kapelle des Kollegs San-Ildefonso aus dem 15. Jahrhundert, auch Capilla del Oidor genannt. Sie ist Teil der Pfarrkirche Santa María la Mayor. Die kunstvoll geschnitzte Decke erinnert an Mudéjar-Kassetten- decken. Hier ruhen die Gebeine berühmter Persönlichkeiten der Renaissance: Antonio Nebrija, der die erste kastilische Grammatik schrieb, „El Divino Vallés“, Leibarzt Phillips II., oder Pedro de Gumiel, Architekt des Colegio de San Ildefonso, Ursprung der Universität. Heute beherbergt die Kapelle einen Ausstellungssaal, dessen hoher Rundbogen mit Gipsornamenten im Mudéjarstil viel bewundert wird.

Außer San Ildefonso entstanden über 50 weitere Gymnasien, was von der Bedeutung der Stadt als Stadt des Wissens zeugt. Die Häuser der Jesuiten, Dominikaner, Trinitarier, Basilianer oder das Colegio del Rey sind die berühmtesten Beispiele.
Das Klosterkollegium San Carlos Borromeo dient der Stadt seit 1870 als Rathaus. Sein Sitzungssaal ist über und über mit Stuck verziert. Die Fassade trägt Merkmale sehr unterschiedlicher Stilrichtungen. Außer bürokratischen Zwecken dient das Gebäude auch als Museum und leistet kulturelle Dienste.
Das Casa de la Entrevista war ehemals die Kirche des von Kardinal Cisneros gegründeten Klosters San Juan de la Penitencia. Der Name bezieht sich auf die erste Unterredung von Kolumbus mit der Katholischen Königin, die in diesem Gebäude stattfand. 


Das Karmeliterkloster „de la Imagen“, vom Bildnis, wurde 1563 gegründet. Die Fassade des Renaissancebaus ist mit Fabelwesen und Drachen geschmückt. Das Frontispiz verbirgt in einer Mauernische das Bildnis der Heiligen Jungfrau, daher der Name. Im Innenbereich des Klosters gibt es die schöne Treppe und den stilvollen Innenhof von Covarrubias, der auch die Fassade gestaltet hat.
Das Geburtshaus von Miguel de Cervantes stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es hat zwei Stockwerke und ist ein Museum voller Möbelstücke, Keramik, Gemälde und Stiche aus Cervantes Zeiten.
Auch eine Straße wird von der UNESCO geschützt. Es handelt sich um die Hauptverkehrsader, die Calle Mayor, die hier mit der antiken Verbindung Toledo-Madrid-Zaragoza übereinstimmt. Ihr Umfeld wurde im Verlauf der Geschichte oft verändert, die Trasse blieb aber dem mittelalterlichen Ursprung treu. Sie blieb Spaniens längste Kolonnadenstraße. Am östlichen Ende stand das Tor nach Guadalajara, das sich auf das freie Land öffnete, wo der Viehmarkt abgehalten wurde. Bei einer Erweiterung der Stadt im 15. Jh. wurde die Mauer versetzt und der Marktplatz in die Stadt integriert. Heute heißt dieser zentrale Platz Plaza de Cervantes. 

Natürlich gibt es auch ein Cervantes-Theater in seiner Geburtsstadt. Schließlich wurde Alcalá auch durch ihn eine Spitzenadresse für den internationalen Tourismus. In Verbindung mit dem historischen Geist von Alcalá, entstanden im sonst so finsteren Mittelalter, schuf er das Klima für die Toleranz, mit der Juden, Christen und Mauren hier einmal friedlich neben einander lebten. Die Verweigerung von Erbschaftsannahmen dieser Art bringt allen Kulturen heutzutage ständig wachsendes neues Unglück. 

Fotos zur Verfügung gestellt von: Centro Documentacion ICOMOS, Paris 

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