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04:22 Montag 13. Oktober 2008

Santísima Trinidad

Der Stolz der spanischen Marine des 18. Jahrhunderts in Originalgröße nachgebaut

In einer Zeit, in der Schlachten noch auf See ausgetragen wurden und Kanonenkugeln durch die Luft flogen, war sie als Gigant der Ozeane berühmt, berüchtigt und gefürchtet. Die Santísima Trinidad war weltweit das größte Kriegsschiff, das jemals vom Stapel gelassen wurde. Jedenfalls bis 1805. Dieses Jahr markiert den Untergang des Meeresriesen. Im Hafen von Málaga ist aber seit Anfang August ein detailgetreuer Nachbau der Santísima Trinidad in Originalgröße zu bewundern – von innen und von außen.

Von Natija Dolic (Text) & Mark. A. Bela (Fotos)

“Málaga ist durch das Schiff um eine Attraktion reicher”, ...
...  sagt Jose Antonio Guerrero, Direktor der Santísima Trinidad, bei der Eröffnung Anfang September. Denn: Neben einem Museum, geführten Besichtigungstouren und verschiedensten Veranstaltungen bietet das Modellschiff auch kulinarisch gesehen eine weite Bandbreite. Das Restaurant “El Trinidad” im Bauch des Schiffes verköstigt die Gäste in exklusivem Ambiente mit allerlei Gaumenfreuden; nach dem Essen bieten sich auf den Decks verteilt vier Bars an, um einen Aperitif oder schnellen Absacker einzunehmen. 

 Geschichtliche Eckdaten der Santísima Trinidad

  • 1769 Stapellauf des spanischen Linienschiff im Hafen Havannas, Kuba
  • 1770 Überführung nach El Ferrol in Nordspanien
  • 1795 Ausbau zum Vierdecker
  • 1797 schwer beschädigt bei der Seeschlacht von Kap St. Vincent
  • 1805 Schlacht von Trafalgar; nach starker Beschädigung durch Angriffe und Stürme versank die Trinidad am 22. Oktober

 

Die malagenische Firma Eurodoblon hat über sechs Millionen Euro für das Projekt investiert, die Innenausstattung nicht miteinbegriffen. “Da kommt noch ein Sümmchen dazu”, merkt Guerrero schmunzelnd an. Von den massiven Holzschnitten an den Schiffswänden bis zu den Außenlaternen – die detailgetreuen, und deshalb kostenintensiveren, Nachbauten standen beim Projekt “Santísima Trinidad” im Vordergrund, um die Besucher ins 18. Jahrhundert zu versetzen. Sogar der Anstrich wurde dem Original präzise nachempfunden, das in rot und schwarz bemalt war. “Die Farbwahl war aber nicht zufällig”, sagt der Direktor.  Jedes Kriegsschiff der damaligen Zeit wurde schwarz-rot angestrichen, damit das Blut der Toten und Verwundeten keinen negativen Effekt auf die noch lebenden Kämpfer zur Folge haben konnte. Selbst die Segel sind detailgetreu konstruiert und an den Masten befestigt worden. “Nur beim Stoff mußten wir vom Original abweichen, da er heutzutage zu teuer ist”, erklärt Guerrero.
Die Modellbasis bildet ein kleines Handelsschiff, dessen Rumpf aus Stahl ist. Nachdem es wegen Tabakschmuggels von der Guardia Civil beschlagnahmt und im Hafen von Vigo angelegt wurde, erwarb es die Firma Eurodoblon 2003 in einer Versteigerung. Ein Jahr später fingen die Restaurierungsarbeiten, Umbauten und Nachbildungen in Algeciras an, wo das Modellschiff der Santísima Trinidad im Rohbau fertiggestellt wurde. “Schwierigkeiten gab es weniger bei der Materialbeschaffung als bei der Suche nach qualifizierten Handwerkern”, schildert Direktor Guerrero. “Die Techniken von damals, wie das Material verarbeitet wurde, das können heutzutage nur noch wenige Schiffbauer”.

Im August 2006 kam der Santísima-Nachbau im Hafen von Málaga an. Dort hat man an der Inneneinrichtung und dem Feinschliff gearbeitet, bis das komplett fertige Modell im September der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte.
Rund 200 Mann wären nötig, um die Kopie des Schiffes segelfertig zu machen. Und obwohl es sich um das einzige Modell handelt, das genauso groß ist wie das Original, so hat doch die Santísima Trinidad des 18./19. Jahrhunderts eine Besatzung von über 1000 Mann gebraucht. Mit einer Länge von 60 Metern, Breite von 16 Metern und einem Tiefgang von 8 Metern, war der Vierdecker nicht nur das größte Schiff seiner Zeit, sondern auch das am schwersten zu manövrierende. Neben der Besatzung fielen die über 130 Kanonen an Bord der Santísima Trinidad schwer ins Gewicht, die das Schiff langsam und schwer zu segeln machte. Diese Trägheit nutzten die Engländer in der Schlacht von Trafalgar 1805. 

Mit über 1500 Mann an Bord zog die Santísima Trinidad, der Stolz der spanischen Marine, in den Kampf  gegen die Briten um die Vorherrschaft auf See. Nachdem sie aber von den britischen Schiffen Victory, Temeraire und Neptune eingekesselt und schwer beschädigt von den Briten erobert wurde, fanden über 400 Seeleute den Tod. Weitere 600 wurden vermisst oder verletzt gemeldet und 500 Mann gerieten in Gefangenschaft. Als das Wasser durch etliche Lecks in das Innere der Santísima Trinidad eindrang, halfen die siegreichen Briten den Spaniern, mittels Pumpen das Wasser aus dem Schiff zu halten. Schließlich sollte die Trinidad als Trophäe der Briten nach Gibraltar geschleppt werden. Der Abschleppversuch durch die Prince gelang wegen eines Sturmes jedoch nicht. Das Schiff wurde aufgegeben, die Besatzung sollte auf vier britische Schiffe evakuiert werden, aber die Trinidad versank am 22. Oktober 1805, einen Tag nach der Schlacht, mit 150 Verwundeten an Bord. 

 Die Schlacht von Trafalgar

Die Schlacht von Trafalgar am 21. Oktober 1805 war eine Seeschlacht am Kap Trafalgar zwischen den Briten und den miteinander verbündeten Franzosen und Spaniern im Rahmen des dritten Koalitionskriegs, die die englische Vorherrschaft zur See für mehr als ein Jahrhundert sicherte und indirekt auch zu Napoleons Niederlage auf dem europäischen Festland beitrug.
Im Verlauf der Schlacht besiegte die britische Flotte unter Vizeadmiral Horatio Nelson die französisch-spanische Flotte unter dem französischen Vizeadmiral Pierre Charles de Villeneuve. Dieser sollte im Auftrag Napoleons aus dem von den Briten blockierten Hafen von Cádiz ausbrechen, um eine Landung in Süditalien zu unterstützen. Doch seine Flotte erlitt dabei eine verheerende Niederlage: Die Briten eroberten oder zerstörten 20 seiner Schiffe, darunter die einzigartige Santisima Trinidad, während sie selber kein einziges Kampfschiff verloren. Nelson fiel in der Schlacht, aber seine Aktion vereitelte Napoleons Pläne für eine Invasion der britischen Inseln endgültig.

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