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09:50 Dienstag 6. Januar 2009

Hallux Valgus

Der schmerzhafte Großzehenballen - eine unterschätzte Volkskrankheit

Zunächst ist es lediglich ein kosmetisches Problem, wenn sich die Großzehe immer mehr in Richtung der anderen Zehen abwinkelt. Bald jedoch ist ein Hallux Valgus, wie die Fehlstellung im Fachjargon heißt, sehr schmerzhaft und kann im weiteren Verlauf die kleineren Zehenstrahlen störend beeinflussen, sodass sich eine schmerzhafte, komplexe Vorfussdeformität entwickelt. Dann hilft nur noch eine Operation, denn definitiv geheilt werden kann der Hallux Valgus nur operativ.
Der menschliche Fuß ist ein Kunstwerk und Konstruktionswunder der Natur. Er besteht aus 26 Knochen, 33 Gelenken, Muskeln, Sehnen und über 100 Bändern. Er macht durchschnittlich 15000 Schritte am Tag.

Diese Beanspruchung können die Füße nur bewältigen, weil das Körpergewicht mittels der Muskeln und des Fettgewebes der Fußsohle auf eine größere Fläche verteilt wird. Der besonderen Gewölbeform des Fußes kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Über das obere Sprunggelenk ist der Fuß mit dem Schienbein verbunden und beeinflusst damit die Gesamtstatik des Körpers. Von der Stellung des Fußes und der Form der Gewölbe hängt die Haltung des Unterschenkels ab und wie Kniescheibe und Oberschenkel zueinander stehen. 

Über die Hüfte wirkt die Feststellung auch auf die Becken- und Wirbelsäulenhaltung. Der Fuß dient auch als Tastorgan für den menschlichen Körper, denn er ist von unzähligen, feinen Nerven durchzogen und sendet beim Laufen permanent Botschaften über die Beschaffenheit oder Temperatur des Bodens ans Gehirn.
Im völligen Widerspruch zur Bedeutung, die der Fuß für das Funktionieren des menschlichen Körpers hat, steht die Beachtung, die ihm in der Regel geschenkt wird. Viele Menschen nehmen von ihren Füßen erst dann Notiz, wenn sie Probleme mit ihnen haben. Druckschwielen, Schwellungen, Hautreizungen sowie bewegungs- und belastungsabhängige Schmerzen sind Ausdruck dafür, dass die hochkomplexe, anatomische Konstruktion des Fußes gestört ist.
Die häufigste Zehenfehlstellung beim Menschen ist der Hallux Valgus und betrifft weit mehr Frauen als Männer. Neben einer genetischen Veranlagung als Hauptursache für die Entstehung des Hallux Valgus können ein Spreizfuß, enge Schuhe, hohe Absätze, unelastische Schuhsohlen, harte Böden und Übergewicht angeführt werden.

Um die Ursachen dieser Beschwerden zu finden bedarf es der fachmännischen Untersuchung eines Spezialisten mit ganz spezifischen Untersuchungsmethoden.
Viele Beschwerden im Vorfußbereich lassen sich ohne Operation zumindest verbessern oder auch beseitigen. Einlagen, angepasstes Schuhwerk, Polsterungen und eine gezielte Krankengymnastik sind hierbei die entscheidenden Maßnahmen. Ab einem gewissen Grad der Fehlstellung des ersten Strahles jedoch, sowie bei bereits fortgeschrittenen Vorfussdeformitäten mit Fehlstellungen der kleineren Zehen ist die operative Korrektur die einzige Möglichkeit zur Wiederherstellung einer physiologischen Biomechanik des Fußes und zur Beseitigung der Schmerzen.

Alleine im Vorfußbereich gibt es mehr als 130 verschiedene Operationsmethoden. In der modernen Fußchirurgie werden nach Möglichkeit die gelenkerhaltenden Eingriffe bevorzugt. Dies zeigt zum einen, wie häufig Erkrankungen des Fußes auftreten, zum anderen, dass nicht jede Methode in jedem Fall zu einem befriedigenden Ergebnis führt. Deshalb muss jede Operation im Bereich des Fußes individuell betrachtet und abgewogen werden. Aus rein kosmetischen Erwägungen sollte nicht operiert werden.
Bei den unterschiedlichen Operationsmethoden kommen bei der korrigierenden Knochenverschiebung Schrauben, Stifte, Drähte und spezielle Platten zum Einsatz. Bevorzugtes Material der Implantate ist Titan, wobei inzwischen auch bioresorbierbare Materialien eingesetzt werden können.
Ziel aller Methoden ist es, die am Vorfuß wirkenden Muskelkräfte durch entsprechende Knochen- und/oder Weichteiloperationen zu harmonisieren. Somit soll eine physiologische Kräfteverteilung in den einzelnen Phasen während des Gangzyklus wieder hergestellt werden.

In der postoperativen Nachbehandlungsphase muss der Fuß in der Regel nicht eingegipst werden. Die Knochenheilung dauert etwa 6 Wochen. In diesem Zeitraum trägt der Patient einen Spezialschuh, den sogenannten Vorfußentlastungsschuh. Mit Hilfe eines solchen Schuhs kann der Patient den operierten Fuß belasten und ist somit mobil. Im weiteren Verlauf können nach etwa 6 Wochen normale, bequeme Konfektionsschuhe getragen werden und in den meisten Fällen erlangt der Patient wieder eine volle, schmerzfreie Sportfähigkeit.

Dr. med. Petr Spurek
Orthopädie, Sportmedizin, Fuß- und Sprunggelenkschirurgie



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