Über Deutsche und ihre „Geiz-ist-geil“-Mentalität“Bekomme ich einen Rabatt wenn ich bar bezahle?“ – Ich traute meinen Ohren nicht, orientalisches Gefeilsche in einem deutschen Supermarkt an der Costa del Sol. Was ist nur aus den protzigen, mit Trinkgeldern nur so um sich schmeißenden Deutschen geworden? Sie sind nicht wieder zu erkennen.
Seit im Jahre 2003 der „Geiz ist geil“-Werbeslogan kreiert wurde, haben sich, meiner Meinung nach, die Mehrzahl aller Deutschen verändert. Sie haben diesen Spruch zu ihrem Lebensmotto gemacht, er spiegelt heute den deutschen Zeitgeist wider.
Geld ist nicht zum Ausgeben da, nein, man(n) und Frau sitzt drauf, brütet es aus in der Hoffnung, dass es sich noch vermehrt.
Schön und gut essen gehen? Aber wo kommen wir denn da hin? Da nehmen wir doch besser ein Fertiggericht und einen 6-er Pack Bier aus dem Supermarkt mit nach Hause, setzen uns gemütlich vor die Glotze und gucken eine hirnlose Blödelshow. Dann vielleicht einen neuen Fernsehsessel? Warum denn, der alte tut es doch noch, braucht man nur ein Deckchen auf die durchgescheuerte Sitzfläche legen und hat gleich wieder 199,- Euro gespart. Ist das geil. Selbst bei der Gesundheit wird gespart, nur das Allernötigste wird gekauft, die empfohlene Dosis wird halbiert, wird schon reichen, die Pharmakonzerne sind eh viel zu reich. Eine Heizung für die feuchte und klamme Wohnung? Das geht die paar Monate hier in Spanien auch ohne diesen Luxus, eben mit triefender Nase und in eine Decke gehüllt.
Und dann gibt es noch die Schlaflosen, die vor lauter Sorgen, was mit ihren aufgehäuften Euro-Noten mal passieren wird, wenn sie erbenlos gehen müssen, keine Ruhe mehr finden. Schlafmittel sind ja so teuer und sollen abhängig machen, also einen Billigweinfusel aus dem Tetra-Pack, damit die Augen auch mal zufallen.
Ich bin erschüttert. Wie wäre es, den „Geiz ist geil“-Slogan in „Gier ist gut“ umzutaufen?
Mit geizigen Grüßen
Ihr
Hans Seybold (Herausgeber)