NATURTEJOEine Reise in die Vergangenheit von Jahrmillionen Erdgeschichte
Der Natur auf der Spur: in über 600 Millionen Jahren hat die Erde mit ihrer Dynamik und Naturgewalten spektakuläre, geologisch interessante Gegenden geschaffen, in denen jeder Fels eine Geschichte zu erzählen weiß, das Aroma und der Duft der Vergangenheit in der gesamten Region spürbar ist, wo jedes Feld, jedes Dorf und die Menschen der Region unverfälscht und authentisch sind: ein Erlebnis von Natur, Mensch und Kultur mit allen Sinnen. Mitten in Portugal, an der Grenze zur spanischen Extremadura, ist eine der geschichtsträchtigsten Regionen Europas: Der Geopark Naturtejo wurde daher von der UNESCO mit dem Prädikat „Nationaler GeoPark“ ausgezeichnet.
Von Beatriz Hohler
Während in Spanien und Portugal sämtliche Küsten und Strände seit Jahrzehnten für den Tourismus voll erschlossen wurden, Infrastrukturen geschaffen wurden und Bars, Restaurants und Geschäfte sich an die Bedürfnisse der internationalen Gäste angepasst haben, Hotels, Häuser und Apartments in allen Variationen für den Ansturm der Touristen hochgezogen wurden, ging damit jedoch auch ein Stück weit der Ursprung der Landschaft, der Mentalität der Menschen, der Authentizität verloren. Je mehr die Menschen durch die Welt gereist sind, fantastische Hotels, Spas, Restaurants, pulsierendes Nachtleben genossen haben, umso mehr wird man sich in den letzten Jahren bewusst, dass auch das Hinterland mit seiner Unberührtheit und faszinierenden Landschaften einen ganz besonderen Reiz ausübt.
Um diesen Naturtourismus zu unterstützen, verleiht die UNESCO das Label „Nationaler GeoPark“ an großräumige Landschaften, die besondere geologische Verhältnisse aufweisen, und wo man sich für eine nachhaltige Entwicklung der Region einsetzt.
Erster Geopark in Portugal
Oberhalb des Rio Tajo in Portugal umfasst der Geopark Naturtejo fast 5000 km2 Fläche, in denen man 16 verschiedene Naturlandschaften entdecken kann, sowie einzigartige Zeugnisse eines natürlichen, historischen und kulturellen Erbes aus Millionen von Jahren. Ob spektakuläre Felsen, interessante Fossilien, Täler mit Flüssen und Seen, außergewöhnliche Flora und Fauna, oder historische Orte mit Burgen und Sehenswürdigkeiten, die verschiedene Völker beim Durchqueren oder ihrem Aufenthalt in dieser Region hinterlassen haben, es gibt so viel zu entdecken, dass es nicht an einem Tag als Ausflug zu bewältigen ist, sondern man vor allem Zeit und Muße mitbringen sollte, um sich auf eine spannende Reise in die Vergangenheit zu begeben. Hotels, Pensionen und Casas rurales bieten entsprechenden Komfort und regionale Gerichte an.
Mit verschiedenen Routen wird das breite Spektrum der diversen Möglichkeiten thematisch unterteilt und den individuellen Interessen der Besucher angepasst.
Um all die geologischen Feinheiten zu entdecken und zu verstehen, gibt es geführte Programme, für jede Tour jeweils 3 Tage mit 2 ÜN und Frühstück, meist zwischen 108-120 pro Person, je nach Jahreszeit und Hotelauswahl. Darin enthalten ist auch die Verköstigung von gastronomischen Leckerbissen aus der Region, und man kann zusätzlich sportliche oder kulturelle Aktivitäten wählen.
Reichtum an Fossilien
Die „Ruta de los Fósliles“ ist im Bereich der Stadt Castelo Branco, die seit ca. 750 Jahren existiert. Sie führt zu Fossilien, die bis auf 480 Millionen Jahre zurückgehen. Es kann sich dabei um Muscheln, Schnecken oder Pflanzen handeln, oder auch um Spuren verschiedener Lebewesen, Vorfahren des heutigen Menschen, Fußabdrücke von Dinosauriern etc. Die Fossilien lassen viele Rückschlüsse auf die Geschichte der Erde zu. Man kann feststellen, ob es sich um Lebewesen handelte, die im Meer entstanden sind oder im Süßwasser. Die Forscher kennen die zeitliche Abfolge, in denen Leitfossilien auftraten, und können damit das Gesteinsalter bestimmen.
Faszinierende Flora und Fauna
Im Herzen des Naturparks Naturtejo erlebt man auf der „Ruta de los Buitres“ ein wahres Paradies an verschiedenen Pflanzen, Tieren und vor allem Vogelarten. Von bestimmten Stellen aus kann man unter anderem spanische Kaiseradler, Königsadler, Adlergeier, Schwarz- und Weißstörche oder Wanderfalken beobachten. Die Region ist auch Lebensraum von Hirschen, Nutria (Sumpfbibern), Ginsterkatzen, Wildkatzen, Füchsen und Dachsen, oder von Reptilien wie Wasserschildkröten, Salamandern, Geckos und Schlangen. In der Region findet man ferner iberische Wölfe und Luchse.
Im GeoPark Naturtejo wachsen vorwiegend Pinien, Korkeichen, Steineichen, Oliveneichen und Kastanienbäume. Besonders betörend sind die Aromen von Erdbeersträuchern, phönizischem Wacholder, Jasmin oder Zistrosen. Vor allem im Sommer, wenn sie viel Harz bilden, duften sie allein schon beim Vorbeigehen sehr angenehm. Das Harz der Zistrosen (Ladanum) wurde bereits bei den alten Ägyptern zum Räuchern verwendet, aber vorwiegend auch als Heilmittel und für die Schönheit. Inzwischen hat man von den Naturvölkern gelernt und setzt es auch bei uns mehr und mehr als Heilmittel in der Naturmedizin ein.
Historische Dörfer und Monumente
Als Krönung des faszinierenden Geoparks Naturtejo zählen die beiden historischen Orte Monsanto und Idanha-a-Velha, einst wichtige Zufluchtsorte der Tempelritter.
Monsanto gilt als der „typischste portugiesische Weiler“, eingebettet in ein riesiges Granitfelsenmeer, aus dem die Inselberge herausragen. Von der alten Festung auf dem Hügel des Ortes hat man einen fantastischen Ausblick auf das einzigartige Panorama.
Beide Orte bestechen durch ihre schmalen Gassen, ausgefallene Architektur der Häuser und laden zu einem Rundgang ein. Auffallend sind im gesamten Gebiet des Naturtejos herausragende religiöse Bauten, entweder durch ihre Grandiosität oder gerade durch ihre charmante Schlichtheit.
Idanha-a-Velha war die „alte Hauptstadt“ und galt früher schon als wichtiger Militärstützpunkt mit relativ hoher wirtschaftlicher Macht. Noch heute zeugt der Ort von einer ruhmreichen Vergangenheit und der Geschichte zahlreicher Zivilisationen. Wie eine Art Echo empfindet man hier die Jahrhunderte alte Existenz und fühlt sich zurückversetzt in Zeiten, die wir niemals erlebt haben.

Felsmalereien und Kunstwerke
Beachtliche Zeugnisse früherer Populationen sind großartige, in Fels und Stein geritzte Malereien entlang der Ufer des Rio Tajo. Gemütlich gleitet man in einem Boot den Fluss entlang, Ruhe und friedvolle Gelassenheit kehren in die Seele ein, wie eine Reise zu den eigenen Wurzeln. Mit Hochachtung bestaunt man auf dieser „Ruta del Arte Rupestre“ die Werke der Menschen aus der Steinzeit.
Ein majestätisches Monument von seltener Schönheit sind die Portas der Kleinstadt Vila Velha de Rodao, die den Tajo überspannen. Sehenswert sind in der Stadt die Kirche, die Kapelle, Schlossruinen und ein Pranger. In der Gegend hat man viele prähistorische Funde ausgegraben. Bei dieser Route erlebt man weitere unverfälschte, geschichtsträchtige Dörfer und kann Minen der ehemaligen Goldsucher besichtigen.
Freizeitvergnügen
Faszinierend an diesem Geopark ist nicht nur die Natur, sondern auch die Vielfalt an Sportmöglichkeiten: Wandern auf alten Schmugglerpfaden, um die Abenteuer der Großväter aufleben zu lassen, ist eine begehrte Route. Mountainbiker erkunden wilde, unberührte Landschaften, besonders das großartige Geomonument Portas de Valle Almourao. Naturtejo bietet exzellente Möglichkeiten für allerlei Sportarten wie z. B. Reiten, Klettern, Trekking, Kanufahrten, Angeln, Jagen oder auch für Foto-Safaris. Ideale Bedingungen findet man im Park mit dem ganzjährig milden Klima für para-gliding, Skysurfing oder Ballonfahrten. Abenteurer, die den Kick und Adrenalinschub genießen, können aus luftiger Höhe per Tandemsprung mit dem Fallschirm der Erde entgegensausen.
Doch was wäre die schönste Gegend ohne die Menschen, die in dieser Region leben, und noch immer nach alter Tradition ihre Handwerke ausüben. Sie zaubern Kunstgegenstände aus den verschiedensten Materialien, und lassen sich z.B. bei der Keramiktechnik Raku über die Schulter schauen, einer speziellen Rauchbrandtechnik, die ursprünglich im 16. Jahrhundert in Japan und Korea entstanden ist und fantasievolle Unikate hervorbringt.
Als krönender Abschluss jeglicher Route bieten die Einwohner ihren Gästen gerne landestypische Gerichte an, nach alten Rezepten, die von Generation zu Generation überliefert wurden.
Den wahren kulturellen Reichtum dieser einzigartigen Region kann man nicht einfach beschreiben. Es ist besser, in diese Welt einzutauchen und sie mit allen Sinnen zu erspüren und nachempfinden, indem man mit den Menschen aus dieser Region lebt und sich ganz auf ihre Lebensweise einlässt. Wer dieses wunderbare Gefühl einmal erfahren hat, kommt immer wieder gerne zurück, in den GeoPark NATURTEJO.
NATURTEJO
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