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20:00 Freitag 25. Juli 2008

Tapas

Häppchen für Häppchen Spanien pur

Der Duft nach Olivenöl und Knoblauch erfüllt den schmalen Raum. Um die dunkeln Balken über der Bar wickelt sich eine lange Knoblauchkette, umgeben von einem Himmel voller getrockneter Schinken. Entlang der Theke reihen sich Tonschalen aneinander, die überquellen mit Salaten, einfachen Patatas oder raffinierten Fischgerichten. Die Wände sind vollgepflastert mit Bildern, Zeitungsauschnitten und Gemälden. Wahllos hängt ein Marienbild neben einer temperamentvollen Flamencotänzerin und dem Bild eines spanischen Promis mit Unterschrift. Nichts passt wirklich zusammen. Doch aus jeder einzelnen Komponente ergibt sich schließlich ein Gesamtkunstwerk:

Von Sarah Weik

Ein Paar aus England steht noch etwas ratlos an der Bar und zeigt zögerlich auf die Tapas, die sich hinter den Glasscheiben aufreihen. An den Tischen wird lebhaft gestikuliert, geredet und gelacht. In der Bar herrscht ein Lärmspiegel, der in Deutschland vermutlich nur bei einem Länderspiel erreicht wird. Bald wird die Bar aus allen Nähten platzen und die Menschenmenge sich kurzerhand auf die Straße ergießen – denn was braucht man mehr als ein Glas Wein in der Hand, den Lieblingstapa und gute Freunden um sich herum?  

Tapas sind in der Regel kleine Häppchen, die ein Getränk, meist Wein oder Bier, begleiten. Doch „Tapear“ – Tapas essen gehen – ist viel mehr als sich mit kleinen Köstlichkeiten die Zeit bis zum richtigen Abendessen zu versüßen. Tapas ist eine eigene Esskultur und sowohl die beste Einführung in die andalusische Küche als auch in die Lebensart im Süden Spaniens. Freunde, Geselligkeit, lebhafte Unterhaltungen, guter Wein oder ein kühles Bier und ein Tisch voller Tellerchen – das sind die Zutaten, die einen typisch spanischen Tapeo ausmachen. Kein Spanier geht alleine Tapas essen, oder bestellt nur für sich – alles wird geteilt und probiert. Bestellt wird meistens nicht à la carte, sondern man fragt sich durch die jeweiligen Spezialitäten und Angebote. Einige Weingläser und Tapas später macht man sich dann auf in die nächste Bar. Denn tapear beinhaltet vor allem auch das Bummeln von einer Bar zur nächsten. Ein Streifzug (Chateo) durch die verschiedenen Kneipen der Stadt ersetzt dabei oft das Abendessen. um die jeweiligen Spezialität des Hauses zu probieren und sich mit neuen Freunde zu treffen. Tapear ist ein zutiefst sozialer Brauch. Und praktischerweise sind die Häppchen so klein, dass man dafür nicht allzulange sein Gespräch unterbrechen muss. Sie entsprechen so sehr der andalusischen Lebensart, dass es beinahe verwundert, dass ihre Erfindung einen rein praktischen Grund hatte. 

Die Bezeichnung Tapas kommt von dem spanischen Verb tapar, bedecken. Und genau das war die ursprüngliche Funktion der Tapas. Sie bedeckten die Weingläser, um unerwünschte Gäste wie Fliegen und Sand fernzuhalten. Um diese Abdeckung zu beschweren und sie etwas zu verzieren, ging man in den Bodegas dazu über kleine Häppchen darauf zu legen. Angefangen mit Kleinigkeiten wie einer Scheibe Schinken oder einem Stück Manchego, wurden die Abdeckmethoden immer einfallsreicher und kunstvoller. Bald waren die Tapas nicht mehr aus den Bars wegzudecken. Sie dienten sowohl dazu Kunden anzulocken, als auch als Werbung für die Küche des Hauses. Tapas sind die Visitenkarten des Kochs und die beste Überredung doch noch auf ein Bier zu bleiben. 

Es gibt jedoch auch andere Anekdoten zu der Entstehung der kleinen Leckereien. So konnte der spanische König Alfons X, der Weise, während einer Krankheit nur kleine Häppchen mit etwas Wein zu sich nehmen. Er fand jedoch so Gefallen daran, dass er dies auch nach seiner Krankheit beibehielt und verordnete, dass in den Kneipen seines Landes kein Wein mehr serviert werden darf, der nicht von einer Kleinigkeit zu Essen begleitet wird. Auch heute noch bekommt man in einigen Bars zu jedem Getränk unaufgefordert eine Tapa gereicht. Damals wie heute eine gute Maßnahme, um den Effekt von Alkohl auf leerem Magen entgegenzuwirken. Für eine pünktlichere Post und weniger betrunkene Vagabunden.  

Welche Anekdote nun auch tatsächlich zutrifft, sicher ist, dass sich die Tapas-Kultur im 13. Jahrhundert von Andalusien aus schnell über ganz Spanien verbreitete. So geht man im Norden heute pinchos (Spießchen) essen, in Aragón und Navarra alifaras und im Baskenland poteos, da hier der Wein in Krügen (potes) gereicht wird. Und im 20. Jahrhundert setzten die spanischen Häppchen dann zu einem globalen Siegeszug an, der bis heute anhält. 

Der Vielfalt an Tapas sind keine Grenzen gesetzt. Sie variieren je nach Geschmack und den gastronomischen Traditionen jeder Region. Die Klassiker unter ihnen sind jedoch Oliven in allen Formen und Farben, getrockneter Schinken (Jamon serrano) und Manchego-Käse. Weitere sind Albondigas (Hackfleischbällchen) oder Gambas al pil pil, die man am besten frisch zubereitet und noch brutzelnd aus einer mit Knoblauch und Öl gefüllten Tonschale fischt. Fisch und Meeresfrüchte, ob frittiert, gebraten oder gegrillt sind vor allem in Andalusien immer eine Tapa wert. Von kleinen gegrillten Sardellen (Boquerones) und Calamares bis zu frischen Muscheln findet man hier alles auf der Speisekarte. 

Neben diesen traditionellen Gerichten tauchen auch immer wieder neue, raffiniertere und feinere Rezepte auf. Auch ausländische Spezialitäten wie Lachs, Kaviar, deutsche Würstchen oder französischer Käse enden mitunter als Tapas. 
Doch vor allem sind es die Menschen, die Geselligkeit und die Atmosphäre in einer Tapasbar, die einen Chateo zu einem einzigartigen kulinarischen, kulturellen und geselligen Erlebnis machen.


Bar-Empfehlungen

Wer nun Lust bekommen hat, sich selbst einmal auf einen kulinarischen Streifzug durch die verschiedenen Bars und Bodegas zu machen, hier einige empfehlenswerte Tapasbars an der Costa del Sol und der Costa de la Luz. 

Algeciras
La Casita
(C/Tarifa)
Sehr große Vielfalt an Tapas bis zur Paella. Gutes Preis-Leistungsverhältnis. 

Cádiz

Terraza, Bar (Plaza de la Catedral)
Der beste Ort um frittierten Fisch und einen Sherry zu sich zu nehmen. Beliebte Bar im Zentrum der Stadt.

El Faro (C/San Félix, 15)
Gutes Preis-Leistungsverhältnis. Innovative, exzellente Tapas. 

Fuengirola
La Flauta del Pollo ( C/ Jábega (Kreuzung Avenida Miramar))
Mediterrane Bar mit typischen Spezialitäten, aus Spanien bis zum Libanon. 

Málaga
La Campana (C/ Granada)
Typische, kleine Tapas-Bar im Zentrum der Stadt. Exzellente und preiswerte Fisch- und Meeresfrüchte-Tapas.  

Lo Güeno (C/ Marín García, 9)
Traditionelle, urige Bar. Eine mehrere Meter lange Tapasbar lädt zum Schlemmen ein, große Auswahl, dazu spezielle Tagesgerichte.

Marbella
El Estrecho (C/ San Lázaro, 12)
Darf bei keinem Chateo durch Marbella fehlen. Traditionsreiche Bar mit hervorragendem Service.

Nerja
El pulguilla (C/ Cristo o Llano de Carabeo )
Fast immer vollbesetzte Bar mit großer Tapas-Auswahl. Schöne Terrasse.

Torre del Mar
Rincon de Paco (C/ San José)
Eine der wenigen Tapas-Bars, die zu jedem Getränk noch eine Tapa, meist frische Gambas, reichen. Große Auswahl an Fisch- und Meeresfrüchten.

Oasis (Avenida del Sol und Azucarera (Nähe Rathaus)
Bar, die die wohl besten und variantenreichsten Tostadas der Küste serviert. Traditionelle und innovative Küche bei schönem Ambiente.

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