das aktuelle spanienmagazin hat Geburtstag. 20 Jahre Unternehmensgeschichte liegen hinter uns. Eine Zeit, in der sich vieles, vor allem in Spanien, verändert hat. Deshalb möchte ich hier auch nicht vordergründig über das Magazin und seine Entwicklung schreiben, sondern mehr über Spanien, das Land in dem wir leben und das in den letzten 20 Jahren seit seinem EU-Beitritt im Jahre 1986 erstaunliche Fortschritte zu verzeichnen hatte.
Die demokratische Öffnung, der EG-Beitritt 1986 und die Teilnahme an der Wirtschafts- und Währungsunion sind Meilensteine der wirtschaftlichen Entwicklung Spaniens. Die Industrie wurde zunehmend liberalisiert und modernisiert. Das Land wurde dem internationalen Wettbewerb geöffnet und zog eine Flut ausländischer Direktinvestitionen an. Spanien nimmt gegenwärtig unter den Industrienationen mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 906 Mrd. EURO (2006) den 8. Rang ein.
Die spanische Wirtschaft wächst mit 3,4% weiterhin deutlich über dem EU-Durchschnitt. Hauptmotoren des Wachstums sind der private Konsum und die Bauwirtschaft - angetrieben durch steigende Löhne, niedrige Realzinssätze und massive öffentliche Investitionen in die Infrastruktur des Landes. Der Beitrag der Außenwirtschaft zum BIP ist dagegen negativ, da die spanischen Exporte weit hinter den Importen zurückbleiben. Die Inflationsrate lag 2005 bei 3,4%, 2006 bei 3,6%. Die Arbeitslosenquote, die 1996 noch 23% betrug, lag Ende 2005 mit nur noch 8,4% erstmals unter dem Durchschnitt der EU.
Die sektorielle Aufteilung der spanischen Wirtschaft entspricht in etwa der anderer Industrienationen: 67% Dienstleistungen, 18% verarbeitende Industrie, 9% Bauwirtschaft und 3% Landwirtschaft. Wichtigste Wirtschaftszweige sind Tourismus, Bau, Kommunikation und Informatik, metallverarbeitende Industrie (einschließlich Kraftfahrzeugsektor und Schiffbau), Maschinenbau, Landwirtschaft (einschließlich Ernährungswirtschaft und Fischerei), petrochemische Erzeugnisse. Spanien ist weltweit das sechstgrößte Fahrzeughersteller-Land, in Europa liegt es knapp hinter Frankreich auf dem dritten Platz. Spanien hat seit fünf Jahren einen ausgeglichenen Haushalt. Unter Einbeziehung der staatlichen Sozialversicherung wurde 2005 sogar ein Überschuss von 1% des BIP ausgewiesen. Auch 2006 wurde wieder ein Überschuss erzielt.
Eines ist sicher: Die iberische Halbinsel ist im Aufwind. Die Iberer sind einfach überall. Im Kino heißen sie Alejandro Amenabar, Almodovar und Penelope Cruz, im Plattenladen Mecano, Julio Iglesias und Las Ketchup. Sie haben die Leinwand und das Radio erobert. Und bei näherem Hinsehen findet man sie sogar in unseren Kleiderschränken mit Marken wie Zara oder Mango. Mit über 500 Boutiquen in 36 Ländern geht es der 1975 gegründeten Zara ziemlich gut. Das Unternehmen ist der weltweit drittgrößte Hersteller von Prêt-à-Porter.
Diese Schwärmerei erklärt José Jiménez, der Direktor des Pariser „Instituto Cervantes“ mit der Fähigkeit der Spanier, informelle Beziehungen zu schaffen und sie mit Hilfe einer speziellen Mischung zu kultivieren. “Zusammen dinieren heißt nicht einfach essen, sondern auch und vor allem etwas mit anderen tun.“ Er fügt gleich hinzu, dass die Spanier zu arbeiten verstünden, aber eben auch wüssten, wie man ausgeht und sich amüsiert. Was die EU und den Beitritt Spaniens 1986 betrifft, spricht José Jiménez von einem „zwei- gleisigen Austausch“. Europa habe seinem Land eine demokratische Kultur gebracht. Im Gegenzug sei Spanien eine der Triebkräfte bei der Konstruktion eines kulturellen Europas gewesen, denn die Europäische Union „konnte doch nicht nur bürokratisch gedacht sein.“
So gibt es eine unleugbare, vor allem touristische Öffnung in Richtung Spanien. Mit rund 60 Millionen ausländischen Touristen im Jahr 2006 und einer jährlichen Zuwachsrate von 3,4 % nach den Statistiken von Exceltur, der Vereinigung der wichtigsten Tourismusunternehmen des Landes, ist Spanien das am zweithäufigsten besuchte Land der Welt.
Ganz so atemberaubend sind weder unsere Zahlen noch unsere Entwicklung. Trotzdem sind auch wir stolz auf das Geleistete. 20 Jahre bedeuten im schnelllebigen Medienbereich enorm viel, sehr wenige der fremdsprachigen Magazine haben diese Zahl erreicht. Deshalb gilt unser Dank allen treuen Lesern, die uns jahrelang die Stange gehalten haben und natürlich, besonders diesen Monat, allen Inserenten, die durch ihre Unterstützung diese 20 Jahre erst möglich gemacht haben.