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22:22 Montag 6. Oktober 2008

Die romanischen Stadtmauern von Lugo

Das Weltkulturerbe Spaniens Teil 34

Die Stadtmauer von Lugo ist die einzige Befestigung der Römerzeit, die als kompletter Ring auf fast 2200 Metern Länge vollkommen intakt erhalten ist. Sie sieht heute so aus wie im 4. Jahrhundert und gilt als besterhaltenes Beispiel der Militärarchitektur des weströmischen Reiches. Sie ist ringsum begehbar und wurde als archäologische und historische Einmaligkeit am 30. November 2000 in Cairns (Australien) zum Kulturgut der Menschheit erklärt.

Lucus Augusti, Lugo, Provinzhauptstadt im Norden Spaniens, wurde als Truppenlager von Kaiser Augustus im Jahr 14 v. Chr. gegründet. Die hier errichtete Verteidigungsmauer hat das Römische Reich als einzige heil überlebt. Sie ist das bedeutendste Kulturgut der mit zahlreichen anderen historischen Schätzen bestückten kleinen galicischen Stadt. Dank Pax Romana und wichtiger Mineralvorkommen in der Umgebung war Lucus Augusti nämlich Verwaltungszentrum (Conventus Iuridicus Lucense) und wichtiger Knotenpunkt mehrerer Handelswege - daher die beeindruckenden öffentlichen Gebäude und prächtigen Stadtvillen.

An der 8 bis 12 m hohen Konstruktion wurde ab 263 gebaut, weil sich Lugo gegen die ersten Überfälle der Barbaren aus dem Norden verteidigen musste. Das Fertigstellungsdatum ist unbekannt, genauso wie der Grund dafür, dass man bereits bewohnte Stadteile wörtlich draußen vor ließ und stattdessen reines Ackerland und gänzlich brachliegende Flächen mit einschloss.   

Eine Stadtmauer formt die städtebauliche und gesellschaftliche Entwicklung. Die von Lucus Augusti hielt nur kurz feindlichen Eindringlingen stand. Als sie Anfang des 5. Jh. von den Sueben bezwungen wurde, floh die Bevölkerung in Panik. Allerdings heißt es, dass die Sueben unter Hermerico im Jahr 460 die Stadt nur einnehmen konnten, weil die Bürger im Rausch der Osterfeierlichkeiten die Stadttore offen gelassen hatten – errare humanum est. Das Erlebnis hat das historische Bewusstsein derart gebrandmarkt, gefressen, dass daraus dieses populäre Sprichwort entsprang: „Nos hicieron la Pascua“, sie haben uns das Osterfest verdorben, was so viel bedeutet wie… „sie haben uns alles kaputt gemacht“.

Von da an gingen die Eroberer in Lugo aus und ein. Die Westgoten vertrieben die Sueben, 714 wurde Lugo von den soeben auf der iberischen Halbinsel gelandeten Mauren geplündert, und 755 eroberte Alfonso I. die Stadt zurück. 968 wurde sie von den Normannen auf ihrem Weg ans Mittelmeer genommen. Unter dem starken kastilischen König Alfonso VIII. (1155-1214) wägte sich die christliche Bevölkerung sicher, doch noch einmal wurden die vier bis sieben Meter dicken Mauern bezwungen, diesmal von Almanzors maurischen Truppen, die ihr bei den Kampfhandlungen einigen Schaden zufügen konnten. Er wurde jedoch noch im Mittelalter behoben. 

Aus dem niedrigen Mittelalter stammen auch die Wehrtürme, teilweise in die Mauer integriert. Treppen und Rampen führen zu ihnen und auf die Mauerkrone. Von den ursprünglichen Bauten stehen noch 46, weitere 39 wurden ganz oder teilweise demontiert. Sie waren stets zweistöckig und im Grundriss meist halbkreisförmig, selten eckig oder kegelförmig, und nur einer hat Fenster.
Im 16. Jh. schlug man Breschen in die Mauer, in die man neue Häuser baute und damit ein bescheidenes Wachstum der Stadt ermöglichte. Heute gibt es zehn Stadttore, 5 aus der Römerzeit, 5 weitere aus der Zeit von 1853 und 1921. Dies sind die 5 romanischen Ursprungs: Die Puerta del Carmen ist das älteste Tor und hat seinen ursprünglichen Aspekt behalten. Die Puerta de Santiago wurde von den Römern gebaut und nicht verändert, die Puerta Nueva wurde Ende des 19. Jh. umgestaltet. Die Puerta Toledana öffnete sich auf die Via XIX de Initerario de Antonino. Auch die „Hintertür“, die Puerta Falsa, ist romanischen Ursprungs.

Nach römischer Manier hat eine Verteidigungsanlage von außen nach innen betrachtet zunächst einen Graben, dann eine Mauer und dahinter das Intervallum. Das Intervallum war der Aktionsort der Verteidiger beim Abfangen von Wurfgeschossen und zur Sorge für den Nachschub. Die Mauer von Lugo steht auf bergigem Gelände. Ihr Grundriss ist quadratisch, mit abgerundeten Ecken. Das Baumaterial besteht hauptsächlich aus Schiefer und Granit, beides in der Nähe in großen Mengen vorhanden. Insgesamt sind 34,4 Hektar von der Mauer umbaut. Zum Betreten und Verlassen der Stadt sind heute vier Tore für den Autoverkehr freigegeben. 

1921 wurde das Bollwerk um Lugo zum Nationalen Monument erklärt, was bedeutet, das es baulich nicht noch einmal verändert werden durfte. Aber 1971 entschied man anders: die zivilen Gebäude neueren Datums in der Mauer wurden abgerissen. Das war der erste Schritt auf dem Weg zum Weltkulturerbe-Status. Die Aktion Sanierung nahm sich aller zweckentfremdeten Stellen an und machte die Mauern wieder zu dem, was sie einmal waren: eine typische antike Verteidigungsanlage, die durch die UNESCO weltberühmt geworden ist.

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