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13:58 Dienstag 2. Dezember 2008

La Cañada Club de Golf

La Cañada Club de Golf
La Cañada Club de Golf

 “Zwei Seelen ruhen, ach in meiner Brust”.  Der gute alte Faust hätte diesen Golfkurs nicht treffender charakterisieren können. Ein Campo, zweimal 9 Löcher, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, doch in einem wesentlichen Merkmal gleich: schmale Fairways begrenzt von „klebenden“ Semiroughs. Eine Herausforderung für alle Spieler, die das Anfängerdasein schon hinter sich gelassen haben.
Der erste öffentliche Platz an der Costa del Sol gehört der Gemeinde Guadiaro und liegt in sanften Hügeln mit herrlichen Aussichten oberhalb des  kleinen Ortes. Zu Unrecht kaum im Blickpunkt der Öffentlichkeit neben seinen wohlbekannten Nachbarn Valderrama und Sotogrande, deren Architekt Robert Trent Jones auch die ersten neun Löcher des heute getesteten Kurses konzipiert hat. Die zweite Hälfte, erst im Jahr 2000 eingeweiht, zeichnete Dave Thomas, offenbar mit der Absicht, die erste noch zu toppen.

Unser Flight ist hervorragend besetzt mit den beiden AKTUELLE-Fans Roger und Margot Jann (beide Hcp 18) und meiner besseren Hälfte Wolfgang (auf dem besten Weg sein Hcp 25 auf immer zu verlassen).

Gleich der erste Abschlag, ein Par 4, 366 m lang, ist eine Herausforderung. Vor uns breitet sich genüsslich ein großer See aus, geduldig auf unschuldige Bälle wartend. Dahinter sanfte, leicht bewaldete Hügel. Wir überwinden das Wasser und landen leider zu weit rechts, so dass eine nicht zu unterschätzende Gruppe von Korkeichen uns den Weg und den Blick zum Grün versperrt. Schon hier wird deutlich, was uns erwartet. Der schmale Fairway geht fast unmerklich in ein Semirough über, das die Bälle nur äußerst ungern wieder freigibt.

Das Grün, wie alle 18 in exzellentem Zustand, schnell aber ehrlich, wird von drei Bunkern bewacht. Exzellent unterstützt von Korkeichen, die z.T. in tiefen gemauerten Gräben stehen. Roger, der sich klugerweise als einziger gleich links orientiert hat, liegt mit dem 2. Schlag auf dem Grün und damit die Bäume nicht gleich in den Himmel wachsen, springt sein Birdieball kurzerhand wieder aus dem Loch und beschert ihm „nur“ ein Par.

Nummer 2 ist ein interessantes Par 3, 142 m lang und der Index (16) signalisiert uns: leicht. Aber so leicht ist das Grün nicht zu treffen. Man muss äußerst präzise spielen. Davor breitet sich ein langgezogener Bunker aus und die Hänge rundherum zeichnen sich durch das schon erwähnte Semirough aus, das jede Hoffnung auf ein Herunterrollen aufs Grün in den Bereich der Utopie schiebt.
Schmal und gewunden bietet sich uns der Fairway des anschließenden Par 5 dar. 468 m lang, links out of bounds, Bunker zu beiden Seiten und Semirough unter Bäumen. Wir sind beeindruckt von der Landschaft. La Cañada liegt unaufgesetzt eingebettet in die naturbelassene Umgebung, als wäre der Platz schon vom lieben Gott dort vorgesehen gewesen. Keine angepflanzten Blumenrabatten, keine eingeführten Palmen, nur ursprüngliche Natur pur. Diese Erkenntnis mildert den Frust, wenn das Semi wieder einmal die Bälle festhält. Durchziehen mehr als sonst ist die Devise und statt Holz die Eisen aus dem Bag holen. Rund um alle Grüns ersetzt das Semirough aufs trefflichste die Bunker, die auf diesem Platz nur sehr sparsam verteilt sind. Jeder von uns hat im Laufe der Runde eine 30m-Annäherung nur 5m weit erneut ins Rough gespielt. Margot meint, man müsse für diesen Platz extra einen Roughkurs besuchen.

 Das nächste Par 5 ist die Nummer 5. 489 m lang, ein Dogleg nach links, das nach dem Knie von Bäumen gesäumt wird. Tigerline abkürzend spielen ist für Nicht-Longhitter gefährlich, man landet leicht im Rough unter den Bäumen und dann hilft nur ein Befreiungsschlag flach auf die Spielbahn, aber nicht zu weit, denn nach wenigen Metern, manchmal sind es nur 10, fängt wieder das Semirough an. Wolfgang gelingt hier ein Klasse-Birdie.

Spektakulär wird es bei Loch 7 (Par 4, 370 m, Index 5). Es fängt ganz harmlos an und wird zum Grün hin zunehmend komplizierter. Zunächst ist die Puttingzone nicht einsehbar, auch beim 2. Schlag ahnt man noch nichts Böses. Der kann aber, weil der Fairway urplötzlich einen scharfen Knick nach links macht und die Kniescheibe unverhofft von einem glitzernden Gewässer gekühlt wird, in eben diesem baden gehen. Ausnahmsweise sind wir diesmal froh, dass es auch hier ein Semirough gibt, das unser Spielmaterial gnädig festhält. Viermal Doppel-Bogey ist die wenig ruhmvolle Ausbeute an diesem Loch. Dennoch sind wir alle sehr angetan.
Die 2. Hälfte des Platzes ähnelt mehr einer bewaldeten Parklandschaft, manchmal sogar einer blumigen Wildnis. Die Verbindungswege zwischen Grün und nächstem Abschlag sind dicht bewachsen von blühenden Oleandersträuchern, die Pfade sind nicht geteert, eher Spuren auf einer Pirsch. Und so kamen wir uns manchmal auch vor, denn die Ausschilderung zum nächsten Abschlag ist nicht unbedingt optimal. Optimal ist allerdings die Steigerung im Schwierigkeitsgrad. Hier liegen die schwersten Löcher des Platzes.

Laut Index das schwerste ist die Nummer 12 mit 385 m das längste Par 4. Der Abschlag ist eng von Buschwerk gesäumt, der Fairway wie üblich sehr schmal.
Aber die größere Herausforderung stellte sich uns bei Loch 13. Dieses Par 5, 518 m lang, „nur“ Index 12, muss man kennen, um es Par spielen zu können. Fast bis zum Schluss spielt man es „blind“. Das Gelände steigt zunächst an. Beim zweiten Schlag auf der Höhe sieht man zwar wieder wunderschön das Mittelmeer, aber das Grün entzieht sich weiterhin unseren Blicken. Wir fahren mit den Buggies vor (der Platz ist auch gut zu laufen) um endlich einen Blick aufs Grün zu erhaschen und sind einigermassen geschockt. Urplötzlich fällt dieser wunderschöne, sanft gewellte Fairway steil ab auf ein ziemlich kleines Grün und dahinter, diesmal ohne roughhemmenden Auslauf, ein steiler Abhang zu einem riesigen See. 

Meine drei Mitstreiter entschließen sich für das Unternehmen Hasenfuß und landen sicher aber unerquicklich im roughigen Hang vor dem Grün. Bei mir setzt sich mal wieder der Hang zum „Alles oder Nichts“ durch, spiele ein sauberes Eisen 5, das genau auf Fahnenhöhe landet, dann aber frohgemut Richtung Badeferien rollt. Der rote Begrenzungspfahl setzt diesem vorlauten Benehmen gottseidank ein Ende und so liege ich als einzige auf dem Grün. Mit einem Bogey bin ich hochzufrieden.
Aus Platzgründen muss ich mich beschränken. Dieser 2. Teil des Platzes ist wunderschön und hochinteressant. Die herausforderndsten Löcher hat sich der Platzdesigner für den Schluss aufgehoben.

Loch 17, ein Par 3, 145 m lang, Index 3. Hier kommt nicht nur der eben erwähnte See ins Spiel, sondern auch noch ein davor liegendes, tiefes bewaldetes Tal. Das Grün liegt gleich hinter dem See, ist relativ klein und der Gipfel des dahinterliegenden kleinen Abhangs ist wiederum rot ausgesteckt. Nirgendwo sonst muss so exakt das Grün angespielt werden wie hier.

Aber es gibt noch eine Steigerung. Loch Nr. 18 scheint mir das schwerste an der Küste zu sein. Vielleicht nicht für Longhitter, aber für uns „Normalos“ wirkt es schon ein wenig wie der Vorhof zur Golferhölle. Vor unserem Abschlag gähnt eine Schlucht, die in meinen Augen der Meerenge von Gibraltar erstaunlich ähnlich ist und dabei ist es nur ein Par 4 von 363 m Länge. Der kürzeste, um Par zu spielen uneffektivste, Drive führt nach rechts, wo sich auch ganz versteckt eine kleine Dropingzone befindet, die der Architekt in einem Anfall von Nächstenliebe für diejenigen eingerichtet hat, die die Schlucht nicht überwinden. Der 2. Schlag von hier sollte links ausgerichtet sein, sonst gerät man geradewegs in eine Batterie von Bunkern. Der Fairway schlängelt sich wie üblich schmal zwischen den Roughs entlang. Margot und Roger schaffen unisono eine hervorragende 5, Wolfgang und ich sind froh mit einer Acht, sozusagen mit heiler Haut davongekommen zu sein.
Loch 19, das Clubhaus mit Restaurant, Caddymaster und Proshop ist eine Klasse für sich. Genüsslich sitzen wir unter der überdachten Veranda, beobachten die Spieler auf der daneben liegenden Driving Range und genießen den Blick in die Ferne auf den Felsen von Gibraltar.



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