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13:36 Dienstag 2. Dezember 2008

“Durch die Gesellschaft gezeichnet”

Fernando Botero
Fernando Botero
Fernando Botero

Einer der meistkopierten Künstler auf der Welt, zumindest aber in Südspanien, ist Fernando Botero, Kolumbiens bekanntester Maler (geb. 1932). In nahezu jedem Rahmen- und Dekorationsgeschäft finden Sie die Kopie eines seiner Werke. Glücklicherweise signieren die Immitatoren ihre Gemälde mit dem eigenen Namen, manchmal aber auch nicht.

Bis vor kurzem war Botero bekannt für seine skurrilen Darstellungen fülliger Menschen in einer imaginären Kleinstadt-Welt, die auf seinen Kindheitserinnerungen basiert. Die Ladenbesitzer und Aristokraten, Bauern und Offiziere, Nonnen und Aktmodelle teilen sich alle eine gewisse Rundlichkeit, die ihnen eine liebenswürdige Comicqualität verleiht.

Anfang 1999 begann Botero, die unbarmherzige Gewalt der kolumbianischen „Drogen-Kriege“ darzustellen, heute umbenannt als Teil des „Anti-Terror-Krieges“ – Entführungen, Schießereien, Massaker und daraus resultierende Qualen und Elend meist unter der bäuerlichen Bevölkerung. Bis zu diesem Zeitpunkt, als bereits mehr als 200.000 Menschen getötet worden waren, schaute Botero vermutlich, wie die meisten Kolumbianer, weg.

2003 wurden 50 dieser Werke und Sketche in mehreren europäischen Museen ausgestellt. Im Maillol Museum in Paris zog die viermonatige Ausstellung 116.000 Besucher an. Diese Resonanz ist ein weiteres Zeichen dafür, dass das seltene Ausstellen solcher Werke in Museen und Gallerien nicht durch fehlendes öffentliches Interesse begründet werden kann.
So brach Botero, statt sich nach 40 Jahren künstlerischen Erfolgs zur Ruhe zu setzen, mit den Werken, die ihn so bekannt gemacht hatten. Seine letzte Serie von 50 Zeichnungen und Gemälden, die das Foltern irakischer Gefangener in Abu Gharaib darstellen, werden von seinem umfangreichen Werk wahrscheinlich die größte Wirkung erzielen.

Botero sagt, seine Gemälde basierten heute auf den Nachrichtenbeschreibungen des „New York Magazines“ und der europäischen Presse.
Die Darstellungen von Folter und Mord nicht nur im Gefängnis von Abu Ghraib sondern auch im Bagram Gefängnis in Afghanistan, in Guantánamo Bay, Kuba, zeigen unter anderem Gefängniswärter, „die einem am Boden liegenden Gefangenen ins Genick und einen anderen in die Genitalien treten“, „einen gefesselten Gefangenen, der dazu gezwungen wird, auf dem Boden der Zelle vor und zurück zu rollen und die Schuhe seiner beiden Wärter im Gehen zu küssen.“ Und schließlich „einen anderen Häftling, der Flaschendeckel aus Plastik aus einer mit Exkrementen und Wasser gefüllten Trommel holen muss“ (New York Times, 20. Mai 2005).

Dieser Sadismus und diese Perversität werden von Botero so in Bilder umgesetzt, dass sie beim Besucher mehr auslösen als Nachrichtenberichte oder Fotos. Empörung und Missfallen bestehen weiterhin, es wird jedoch auch eine verstärkte Sympathie mit den Opfern erzeugt, deren Körperfülle sie noch verwundbarer erscheinen lässt.
Wir finden hier die selben sanften und gleichmäßigen Figuren, die schon immer Boteros Welt bevölkerten, jedoch enthüllt und vermummt, aufgreiht in pinker Unterwäsche, gefesselt und geschlagen von kräftigen Soldaten, sich nackt und blutig auf einem Haufen krümmend. Eines der ergreifendsten Bilder ist die Zeichnung eines knurrenden Hundes, der auf einem ebenso knurrenden oder schreienden Mann mit verbundenen Augen sitzt.

Vergleiche wurden zu Picassos Guernica hergestellt, das symbolisch für das Abschlachten unschuldiger Dorfbewohner durch Francos Faschisten während des Spanischen Bürgerkrieges stand.
Nach der Eröffnung in Rom wird die Ausstellung von 170 Werken Boteros, die die 50 Werke von Abu Ghraib beinhaltet, laut Plan nach Deutschland und Griechenland kommen.
Ich wäre wirklich sehr überrascht, wenn die Künstler, die den „alten“ Botero kopierten, auch am Kopieren seiner neuen Werke interessiert wären. Ich wäre überrascht.

Fernando Boteros Abu Ghraib Bilder sind Teil einer größeren Ausstellung von 170 Werken, die am 16. Juni im Museum „Palazzo Venezia“ in Rom eröffnet wird. Im Oktober wird die Ausstellung im Würth Museum in Künzelsau (Deutschland) und 2006 in der Pinakothek in Athen (Griechenland) zu sehen sein. Weitere Museen in Hannover und Baden-Baden haben ebenfalls Interesse an dieser Ausstellung angemeldet.

Joop Huisman
Art Gallery „Colores del Girasol“
Tel.: 952 769 006
Email: joop@coloresdelgirasol.com



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