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22:50 Freitag 5. September 2008

Melilla

Ziemlich genau gegenüber von Almería liegt an der Nordküste Afrikas am Kap Tres Forcas die alte Festung und Stadt Melilla. Sie war im Altertum eine phönizische Siedlung mit Namen Rusadír und hatte bereits einen strategisch wichtigen Hafen im Krieg der Karthagener gegen die Römer. Die Römer kolonialisierten Rusadír im Jahr 46 n. Chr. und tauften den Ort um zu Flavia. Als die Römer auf der Iberischen Halbinsel von den Vandalen überrannt wurden, ereilte dasselbe Schicksal im Jahr 429 auch Flavia. Die Stadt wurde total zerstört. Später bauten Westgoten und Byzantiner sie wieder auf.

Zur Zeit der muselmanischen Ausdehnung in Nordafrika wurde auch das Gebiet um Flavia im VII. Jahrhundert erobert. Wieder bekam der Ort einen neuen Namen, diesmal Melilia, und man integrierte sie in das Riffgebirgsemirat Nekor. Als die Wikinger das Mittelmeer für sich entdeckten, plünderten sie die umliegenden nordafrikanischen Siedlungen und steckten sie anschließend in Brand, so im Jahr 859 auch Melilla. 926 wurde sie von Abderramán III., dem Emir und anschließenden Kalifen von Córdoba, genommen. So kam Melilla zum ersten Mal zu Spanien, genauer Al Andalus.

Ein Reiseberichterstatter beschrieb die Stadt im Jahr 1067 als solide befestigte Hauptstadt einer großen Provinz, die eine große Zitadelle mit Moscheen, öffentlichen Bädern und Bazaren hatte.
Im 13. Jh. ging die Stadt an das Königreich Fez. Melilla blühte im 14. und 15. Jahrhundert. Die Sultane von Tlemeén (Algerien) wollten sie deshalb für sich erobern, aber ihre Kriege gegen Fez rieben die Stadt nur auf. Sie wurde schließlich von ihren Bürgern verlassen. 

Ende des 15. Jahrhunderts findet in Spanien das sogenannte „Glorreiche Ende“, die endgültige Rückeroberung statt, indem Granada an die Katholischen Könige geht und sich der letzte Maurenkönig auf spanischem Boden über die Straße von Gibraltar gen Melilla absetzt. Im Oktober 1493 geht er in Cazaza, 18 km von Melilla entfernt, mit seinem Hof an Land.

Strategische und politische Gründe bewegten die spanischen Herrscher, an die nordafrikanische Küste als Standort für militärische Vorposten zu denken. Sie sollten der nationalen Sicherheit dienen und einen eventuellen Invasionsversuch der Muselmanen detektieren. Deshalb schickten sie Spione übers Meer, die sie über die dortige Lage informieren sollten. Melilla fand man zwar praktisch unbewohnt vor, aber in der Umgebung hatten sich sehr viele aus Spanien geflohene Mauren angesiedelt. Einer der Entsandten warnte die Katholischen Könige vor der geplanten Annexion von Melilla, weil man den Versuch später wahrscheinlich als Abschlachtung anstatt als Ansiedlung der Christen in den Geschichtsbüchern wieder fände.

Als der II. Graf von Medina Sidonia erfuhr, dass die Katholischen Könige im Begriff waren von ihrem ursprünglichen Vorhaben Abstand zu nehmen, schickte er (mit ihrer Einwilligung) den als Händler getarnten Pedro de Estopiñan Virués mit seinem Artilleristen Francisco Ramirez Madrid nach drüben. Sie studierten die Lage vor Ort und hatten einen Plan: Bei Nacht und Nebel wurden 5.000 Mann eingeschifft, ausgestattet mit allen lebensnotwendigen Nahrungsmitteln, Waffen - und Baumaterial. Sie schlichen sich in die leere Stadt und befestigten sie notdürftig über Nacht. Als es Tag wurde trauten die überraschten Bewohner der Umgebung ihren Augen nicht: Die Stadtmauer war dicht, und dahinter hörte man Trommeln und Pfeifen und Artilleriefeuer. Sie glaubten an Teufelswerk, verließen fluchtartig Haus und Hof und verbreiteten überall, was sie mit eigenen Augen gesehen hatten.

Dass statt dem Teufel die Christen von der anderen Seite des Meeres Einzug gehalten hatten, kam niemanden in den Kopf. Die aber reparierten Türme und Mauern gründlich und konnten sich eines Tages erfolgreich dem König von Fez widersetzen, als er ihnen seine Soldaten schickte. Sie zogen sich unverrichteter Dinge zurück. Dann kehrte Don Pedro mit seinen Maurern und Schreinern nach Spanien zurück, nicht ohne Kapitän Gómez Suarez und seiner Garnison den Auftrag zum Halten Melillas erteilt zu haben.

Die Katholischen Könige jubilierten, als sie von dem gelungenen Abenteuer erfuhren. In einem Schreiben an den Grafen von Medina Sidonia vom 18. Oktober 1497 heißt es: „Die Freude die Ihr uns mit der guten Nachricht bereitet habt lindert unseren Schmerz, weil wir bei Gott hoffen, dass das Ganze von großem Nutzen ist“.

Als offizielles Eroberungsdatum gilt der 17. September 1497. Die Stadt hatte oft unter Angriffen der muslimischen Grenznachbarn zu leiden. 1860 unterzeichnete Spanien mit dem Sultan von Marokko das Abkommen von Wad-Ras, das die Grenzen zwischen marokkanischem Gebiet und der spanischen Stadt festlegte. Immer wieder flackerten Gefechte mit den Bewohnern des Riffgebirges auf, die im 20. Jahrhundert für Melilla besonders kritisch wurden. Zwei davon machten der spanischen Herrschaft fast den Garaus: Die „Katastrophe am Barranco del Lobo“ 1909 und das „Unheil von Annual“ im Jahr 1921.
Die Militärerhebung, aus der der Spanische Bürgerkrieg entstand, begann am 17. Juli 1936 in Melilla. An jenem Tage schickte der Zivilgouverneur der Zweiten Republik Spanien (1931-1939) einen Stoßtrupp der Polizei in die Kasernen – zur Inspektion, weil er den Absichten des in Melilla stationierten Militärs nicht traute. Das Militär widersetze sich und begann damit dem Aufstand, den es für den nächsten Tag geplant hatte. Damit provozierte es eine Repression, deren prominenteste Opfer der Bürgermeister und der Generalkommandant von Melilla waren, und die für ganz Spanien schwerstwiegende Folgen hatte.
Marokko reklamiert Melilla, ebenso wie Ceuta und den winzigen Rest der spanischen nordafrikanischen Territorien als Teil seines Hoheitsgebietes, was für Spanien nie zur Debatte stand oder stehen wird.  g
Nächsten Monat besuchen wir das heutige Melilla

Fotos: Mark A. Bela

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