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16:24 Dienstag 2. Dezember 2008

SELL IN MAY AND GO AWAY?

Einer durch Zahlen belegten Börsenweisheit zufolge lädt der Wonnemonat Mai dazu ein, Aktien zu verkaufen und erst im November wieder einzusteigen.

Vor genau einem Jahr war dieser berühmte Spruch fehl am Platz, gerade nach der kurzen Korrektur der letzten Maitage musste man einsteigen, um anschließend 12 Monate (minus 2 Wochen Ende Februar/Anfang März) steigende Kursgewinne zu genießen. Dabei hat vor allem der altehrwürdige Dow Jones 40 historische Rekordmarken nacheinander erreicht und steht derzeit gut über 13000.
Trotzdem wurde wohl einigen Investoren beim Abreißen des Kalenderblattes am 1.Mai mulmig zumute und sie fragten sich, ob gerade dieser Mai nach so einer langen Gewinnstrecke der richtige Zeitpunkt sein würde, um zu verkaufen.

Gründe dafür gibt es eigentlich fast keine. Gerade erst vor ein paar Wochen hat der Internationale Währungsfonds der Weltwirtschaft eine gute Diagnose gestellt, 5% Wachstum sowohl fürs laufende als auch fürs kommende Jahr. Dass keine Inflation aufkommt, dafür sorgt einerseits die weiterhin überbesorgte Zentralbank, andererseits die Rohstoffpreise, die nach ihrem letztjährigen Boom eingeschlafen sind, zumindest was Öl und einige Edelmetalle anbelangt. Eine direkte Auswirkung dessen ist, dass die Börsenindize nicht nur von Werten aus diesen Bereichen getragen wurden, wie das noch 2005 der Fall war, sondern dass die 12monatige Rallye sektorenmässig breit gefächert und auf einer Anpassung der Aktienpreise nach oben, gegenüber stark steigenden Firmengewinne beruhte. Dies wiederum bedingt bei weiter steigenden Ergebnissen, dass die Börsen weltweit weiterhin eher fair bewertet sind. Dass eine regelrechte Fusionitis herrscht, und dies in allen Bereichen, verspricht ebenfalls eine positive weitere Entwicklung der Märkte.

Warum sollte man denn nun im Mai verkaufen?
Ein schlauer Mann hat einmal gesagt, man solle aufhören, wenn es am schönsten ist, und so gesehen könnte eine Korrektur ganz einfach daher kommen, dass Gewinne mitgenommen werden; davon ist ja bekanntlich noch niemand ärmer geworden.

Eher fundamental verdrängt zumindest der Börsenmarkt etwaige Probleme die doch wohl in der amerikanischen Wirtschaft zu finden sind. Die kleine Krise im sogenannten subprime lending hat immerhin über 30 Milliarden weggespült, die dem so wichtigen Konsum nicht mehr zur Verfügung stehen, und dies könnte nur die Spitze des Eisberges sein, wenn der Immobilienmarkt sich weiter verschlechtert. 

Der Devisenmarkt hat bereits reagiert. Der Euro erklomm vor ein paar Wochen neue Gipfel, was Beobachtern zufolge der Tatsache Rechnung trägt, dass Europa derzeit wirtschaftlich stärker wächst als Amerika. Alan Greenspan hat vor stagnierenden Gewinnen hinsichtlich einer Rezessionsgefahr in den USA gewarnt. Diese Entwicklung wird trotz aktuellen Rekorden die Wall Street vielleicht eines Tages einen Schnupfen kosten und wir all wissen ja: wenn NY verschnupft ist, hat der Rest der Welt eine starke Grippe. Auch die negative Dollarentwicklung wäre damit wohl nicht abgeschlossen und so könnte ein Teufelskreis entstehen.

Was wie ein Weltuntergangsszenario klingt könnte lediglich für ein paar Monate für Trubel sorgen, solange bis die Finanzwelt verstanden hat, dass währenddessen die restliche Weltwirtschaft auch ohne Amerika weiter wachsen kann.

Bleibt also der Rückschluss: Korrekturen sind in dieser etwas heiklen Saison nicht auszuschliessen, der positve Trend der Börsen wird aber wohl noch einige Zeit anhalten. Die Zocker sollten also auf der Hut sein, für langfristige Investoren gilt es wohl dabeizubleiben.

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