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Alan Greenspan |
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Alan GreenspanInsgesamt 18 Jahre lang stand er der mächtigsten Zentralbank der Welt vor, der amerikanischen Federal Reserve Bank. Als Alan Greenspan im vergangenen Jahr am 1. Februar in seinen wohlverdienten Ruhestand ging, stellten ihm alle Beobachter das beste Zeugnis in der Geschichte aller bisherigen Präsidenten aus. Auch wenn er während seiner Amtszeit zumindest einmal die Zinsen zu spät und ein anderes Mal zu heftig gesenkt hatte, stand sein Name doch insgesamt über die 18 Jahre für währungspolitische Stabilität, und damit als Garant für ein weltweites einigermaßen stabiles Währungs- und Finanzsystem.
Seine Aura war zum Zeitpunkt seines Abganges so stark, dass einige Experten gar behaupteten, die mangelnde Glaubwürdigkeit seines Nachfolgers Bernanke, (die außer durch ein paar kleine Ausrutscher, nur eben auf seinen Ziehvater und Vorgänger Greenspan zurückzuführen war] hätte letztendlich dazu geführt, dass die US-Zinsen auf 5.25% steigen mussten, um wirtschafts- – und währungstechnisch als korrekt bewertet werden zu können, unter Greenspan hätten 0.75% weniger es auch getan.
Während den 18 Jahren war Greenspan ein viel beachteter und teilweise gefürchteter Redner. Seine Ausstrahlung brachte zum Teil mit sich, dass jede seiner Bemerkungen auf die Goldwaage gelegt wurde, und dies nicht selten zu heftigen Kursbewegungen auf Renten, Aktien und Währungen führte.
Den größten Kursrutsch hatte er 1996 ausgelöst, als er Anfang Dezember, mitten im Börsenboom, bereits von „irrational exuberance“ sprach. Er löste damit einen tagelangen Kursverfall aus, und die Aktienmärkte brauchten anschließend 4 Jahre bis sie sich wieder erholt hatten.
Seit Februar 2006 ist er also nun in Pension, das Reden hat er aber noch nicht aufgegeben. Vorher zählten Anhörungen vor Senat und Kongress zu seinen Pflichten, in der Zwischenzeit läuft alles nur noch über Verpflichtung. Für teures Geld, wie bei Ex-Politikern vom Schlage einer Margaret Thatcher oder eines Gerhard Schröder vor ihm, steht Greenspan zur Verfügung, um weiterhin seine Ansichten und Visionen zur Weltwirtschafts- und Märkteentwicklung von sich zu geben.
Ende Februar/Anfang März, als ein Kursrutsch in Shanghai eine Minibörsenkrise ausgelöst hatte, trat er ausgerechnet genau am darauf folgenden Tag in Singapur auf und haute in die gleiche Kerbe, was den Trend anbelangte, in dem er der amerikanischen Wirtschaft aufgrund schleppender Gewinne für Ende des Jahres eine Rezession prophezeite. Ziemlich unbemerkt hat er in der Zwischenzeit seine Meinung stark revidiert.
Am 23. Mai war es dann erneut soweit. In einer Videokonferenz mit einem Veranstalter in Madrid prophezeite er, das globale Wirtschaftswachstum der letzten 5 Jahre sei das stärkste in der Weltgeschichte gewesen und in diesem Rhythmus nicht haltbar. Besonders gegenüber China äußerte er sich dahingehend, die aktuelle Börsenblase würde platzen und die chinesischen Kleinanleger ins Verderben stürzen.
Dies hat erneut Kursabschläge mit sich gebracht, doch obwohl er gewissermaßen erneut von irrationaler Übertreibung geredet hatte, blieben die großen Minusbewegungen aus.
Ob dies nun den Schluss zulässt, dass Greenspans Worte in der Zwischenzeit an Gewicht verloren haben, scheint also so gesehen einigermaßen klar zu sein; ob er nichts desto trotz recht behalten wird, lässt sich, wie die Geschichte zeigt, vielleicht erst in 5 Jahren sagen.
Eines aber steht jetzt schon fest: Nach und nach werden die Auftritte des Herrn Greenspan immer weniger werden, da der Schluss nahe liegt, dass immer weniger Investoren sich dafür interessieren, was er meint.
Damit ist der gute Alan wiederum nicht allein. In den 70iger Jahren hieß der Wall Street Guru E.F.Hutton von der gleichnamigen Firma. Von ihm ging damals der Slogan aus: “When EF Hutton speaks, people listen“.
Anfang der 80er war er längst durch Henri Kaufman von Salomon Brothers ersetzt. Kostolany, der Deutschen Lieblingsbörsengott, ist auch seit ein paar Jahren verstorben, und eigentlich wäre es am besten, es gäbe keine Nachfolger mehr.
Wenn nämlich das Schicksal der Märkte im Endeffekt von den Aussagen einiger Gurus abhängt, ist dies für diese Märkte ein Armutszeugnis, und das wäre bei deren Eigendynamik dann doch schade, und außerdem falsch.
Claude Schettgen (Direktor für deutsche Privatkunden)
Dexia Private Banking
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