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16:24 Dienstag 2. Dezember 2008

Kloster Poblet

Kloster Poblet
Kloster Poblet
Das Weltkulturerbe Spaniens Teil 17

Das “Reial Monestir de Santa Maria”, Kloster Poblet in der Provinz Tarragona im Südwesten Kataloniens, wurde im Jahr 1991 von der UNESCO unter Denkmalschutz gestellt. Es ist beispielhaft für katalanischen Sakralbau. 1151 hatte Ramon Berenguer IV., seines Zeichens Graf von Barcelona, das Kloster ins Leben gerufen, indem er den  Grund und Boden zweckgebunden an den Zisterzienser-Orden der Abtei Fontfreda aus der Nähe von Narbonne abtrat. Der legte dort einen befestigten Klosterbau an - in einer Zeit der endlosen Kämpfe der Christen gegen die Mauren, als jede gewonnene Schlacht mit einem Gott rühmenden Baudenkmal gefeiert wurde.

Territoriale Verteidigungsallianzen der spanischen Monarchien untereinander bildeten sich heute und wurden morgen aufgelöst. Dabei war der Einfluss der Kirche allgegenwärtig. Die Königshäuser von Aragonien und Katalonien hatten sich durch politische Ehen soeben eng aneinander gebunden. So kam es, dass ein aragonischer König, in diesem Fall Ferdinand I. „der Gerechte“ im Kloster Poblet in Katalonien bestattet wurde. Sein Pantheon gibt dem Kloster zusätzlich die besondere Note des Fünf-Sterne-Siegeszeichens, weil er es war, der als aragonischer Regent des Frontgebietes Andalusien im September 1410 die Nazarí-Festung Antequera eingenommen hatte. Daraufhin wurde er 1414 in Zaragoza zum König von Aragonien gekrönt und bekam den Ehrennamen Ferdinand von Antequera.
Die Gotik ist in Katalonien der Stil, in dem die großen weltlichen Bauwerke errichtet wurden, der aber neben der schlichten Romanik ebenfalls als sakral korrekter Stil für Kirchen und Klöster gilt. Als Ordenshaus der Zisterziensermönche ist Kloster Poblet es in erster Linie von der betonten Einfachheit dieses Ordens geprägt. Schlichte Linien und spärliche Dekoration dominieren das Gesamtbild. Die Hauptgebäude stammen aus der Zeit von Dreizehn- bis Fünfzehnhundert. Da jedoch an der Anlage bis ins 18. Jahrhundert immer mal wieder gebaut wurde, stammen neben romanischen und gotischen Stilmerkmalen viele aus dem Barockzeitalter.

Inmitten einer friedvollen Landschaft gelegen, war Kloster Poblet das liebste Urlaubsdomizil der Könige von Aragonien. Es war damals eine durchaus wehrhafte Anlage mit allen Einrichtungen für die Selbstversorgung seiner Bewohner und wurde von Spenden der Grafen und Adeligen von Katalonien unterhalten. Die Mauern um die gesamte Anlage herum sind 1,5 km lang. Im 14. Jh. umfasste ihr Einflussgebiet mehr als 60 Dörfer mit seinen Ländereien. Der Ertrag daraus floss zum großen Teil in den Ausbau der Klosteranlage.

Gemäß Zisterziensertradition war die Anlage von Westen (aus der Dunkelheit) nach Osten (dem Licht entgegen) ausgerichtet. Die Struktur verkörpert das lateinische Kreuz mit dem symbolischen Kopfteil, dem Kirchenschiff als Körper, dem Querschiff als Arme und dem Altar als das Herz. Die Entstehungsgeschichte von Kloster Poblet begann mit dem Bau einer dreischiffigen Kirche (1166-1181) und setzte sich fort mit einem ausgefallenen Projekt: sie bekam als abrundendes Kopfende eine zentrale Apsis romanischen Stils und einen Rundgang mit 5 strahlenförmig ausgerichteten Kapellen. Das Cimborrio über dem Schnittpunkt von Kreuzgang und Kirchenschiff stammt aus dem 15. Jh. und ist die grandioseste Konstruktion des Klosters. Es stammt aus seiner Blütezeit, als neue Räume, Kapellen, Tore und Ornamente entstanden. Hinzu kam auch eine Bibliothek, die mit der Zeit an Bedeutung gewann. 

Das Retabel am Kopfende der Kirche ist im Renaissancestil aus weißem Marmor gemeißelt. Das Königliche Pantheon ist die letzte Ruhestätte einer Anzahl von katalonisch-aragonesischen Monarchen. Ihre Gebeine sind eingemauert in Sarkophage, die von Säulen getragen werden. In der Tür zur alten Sakristei stehen oben auf einer Mauer die kleinen Särge von vier Söhnen von Joan I. Die Sarkophage der Könige haben zu Füßen steinerne Löwen als Sinnbild für Stärke und Macht, die der Königinnen Hunde, ein Zeichen für Treue und Redlichkeit.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Neue Sakristei, ein großer Raum von 400 Quadratmetern. Darüber befinden sich die Schlafsäle und Zellen. Über dem Vestibül hat der Abt sein Gemach. Der Klosterkeller war anfangs der Speiseraum der Konvertierten und wurde später zum Weinkeller umfunktioniert. Im Klostermuseum, das einmal ein einfacher Schlafraum war, kann man die Geschichte der aufwendigen Restauration der Anlage nachvollziehen.

Der Klosterkomplex besteht aus einer dreimal ummauerten Anlage. Ins Kernstück, das eigentliche Kloster, gelangt man durch das Tor Porta Reial, zunächst in einen Flur, dann in ein Vestibül und schließlich durch ein romanisches Tor von westlicher Seite auf den Kreuzgang. In diesem wurde ab 1208 das ganze 13. Jahrhundert hindurch gebaut, so dass an Bögen und Fenstern klar die Entwicklung der Baustile vom Romanischen zum Gotischen zu erkennen ist. Alle wichtigen Räume des Klosters öffnen sich auf diesen Innenhof, auch die Kathedrale. Sie liegt an seiner Südseite. Im Norden sind die Küche und das Refektorium. Direkt davor steht im Innenhof ein Springbrunnen, an dem man sich vor dem Essen wusch. Hier ist auch der kleine Raum, wo man sich an einem Kessel wärmen konnte. Im Osten befindet sich das Locutorio, in dem gesprochen werden durfte, die Bibliothek und der Capitular-Saal, der Gemeinschaftsraum der Konvertierten. Er ist 15 x 15 m groß.

Im ältesten Teil des Klosters, nahe der Kapelle Sant Esteve, lagen die Zellen der ersten Mönche. Der kleine Kreuzgang Sant Esteve und der Locutorio-Kreuzgang sind dem Publikum verschlossen.
Im 16. Jh. begann der Niedergang der Gemeinschaft. 1836, als die Desamortisation von Mendizábal begann, lebten hier immerhin noch 70 Mönche. Das Kloster wurde geschlossen, die Ländereien versteigert, und ein großer Teil der Mobilien ging für immer verloren. 1921 erklärte man die Anlage zum Nationaldenkmal, 1930 begann die Restauration. Seit dem 24. 11. 1940, als vier italienische Ordensbrüder einzogen, leben hier wieder Zisterziensermönche, im Gegensatz zu den Bruderklöstern Santes Creuz und Vallbona de les Monges, die ebenfalls an der Zisterzienser-Route liegen und eine ähnliche Geschichte haben, aber unbewohnt sind. 

Inzwischen sind weite Teile von Kloster Poblet wieder hergestellt. Das königliche Pantheon wurde komplett restauriert. Der König-Martin-Palast beherbergt seit 1978 eine interessante Sammlung von architektonischen und keramischen Elementen und Kultgegenständen, die die Geschichte des Klosters dokumentieren. 



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