Es war alles andere als normal, was sich zehn Bankangestellte des Großkonzerns aus den Niederlanden für einen guten Zweck zugemutet haben. Sie liefen sich buchstäblich die Hacken wund für die 25.000 Pfund Sterling, die als Preisgeld winkten.Dafür hatte die kleine Truppe der Auserwählten als Teil einer 40-Mann starken Wandergruppe 72 Kilometer durch Marokkos Riffgebirge zu trecken. Bis zu sieben Stunden am Tage quälten sie sich in den letzten Tagen des Frühlings durchs Gelände und aßen, was die Berber aßen, schliefen, wie und wo die Berber schliefen, gingen durch ausgedehnte Kannabisplantagen und teilten sich ein Wasserloch als einzige Bademöglichkeit weit und breit.
Adrian Mansfield war der Expeditionsführer und berichtet anschaulich, wie die unerschrockenen „Schreibtischtäter“ eines frühen Morgens frischen Mutes Gibraltar verließen und von Tarifa nach Tanger übersetzten. Per Bus ging es von dort aus nach Chefchaouen, einem malerischen Dorf im Riffgebirge am Rand des Talassemtane Nationalparks. Der ist über 60.000 Hektar groß und ein wildes Gebiet mit Bergmassiven und Klippen, dichten Wäldern mit Ebern, Affen und Raubvögeln und einer unglaublich vielseitigen Flora rings um Wasserfälle und versteckte Dörfer.
Der Ernst des Lebens begann tags darauf mit einem 23 km Marsch durchs Gebirge nach Akchour, wohin sich nicht viele Touristen verlaufen. Die Bescheidenheit und Gastfreundschaft der Berber entschädigten die Expedition für nicht existente hygienische Einrichtungen ebenso wie deren einfache doch schmackhafte Gerichte.
Von Akchour lief man am nächsten Tag über Telembote nach Beni Maala – 24 Kilometer bergauf, aber in Richtung Flussdelta, das ins Mittelmeer mündet. Wer allerdings meinte wandernder Weise möglicherweise etwas abzuspecken irrte sich gewaltig – denn wieder schmeckte das einfache Essen viel zu gut! Und nachts kam man sich beim Zelten gezwungener maßen etwas näher, weil die Schlafsäcke durch das abschüssige Gelände andauernd ins Rutschen kamen. Auffahren heißt das im Straßenverkehr.
Von Beni Maala aus ging es dann endlich bergab ins Küstendorf Oued Lau. Unterwegs traf man viele Bauern, die durch Kannabisanbau ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die Finanzmänner- und frauen rechneten insgeheim aus, durch wie viel Millionen sie hier wohl liefen – wenn die illegale Ware auf der anderen Seite verkauft wird. Das Mittelmeer war jedenfalls ein willkommener Anblick und Oued Lau der Ort, an dem man herrlich Blasen kühlt. Nach Tanger zur Fähre ging es mit dem Bus, und wieder zu Hause in Gib war es ein gutes Gefühl, die Fonds für Action Aid ehrlich erkämpft zu haben. Die Hälfte davon geht nun für Lebensmittel, Geräte, Vieh und Saatgut nach Liberia und die andere für die Erziehung der Kinder in die „Gottestadt“ nach Brasilien.