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15:12 Dienstag 2. Dezember 2008

Die Aktienmärkte:

Sommerrallye oder Korrektur?

Derzeit erreichen fast jeden Tag viele Börsen 7-Jahres- oder gar historische Höchststände. Dies dauert seit viereinhalb Jahren - nach dem Absturz zur Jahrhundertwende -  ununterbrochen an.

Gründe dafür gibt es hinlänglich; das Weltwirtschaftswachstum ist so breitgefächert und so nachhaltig wie seit langem nicht mehr, und soll, laut vielen Experten, zumindest noch zwei Jahre in diesem Rhythmus, sprich einem Jahresschnitt von 5% andauern. Während dieses Booms sollten die Firmengewinne ihrerseits weiter steigen und den Aktienmärkten ihre Grundnahrung zu weiteren Kurssprüngen liefern. Während der letzten Tage hat es aber auch vermehrt heftigere Minustage an den Weltbörsen gegeben, die jedes Mal spätestens drei Sitzungen später weggesteckt waren, und somit von den Investoren offensichtlich noch nicht ernst genommen werden, obwohl es sich um Marktelemente handelt, die man mit Sicherheit nicht außer Acht lassen sollte.

Zum einen ist die Krise im sogenannten subprime mortgage-Markt in Amerika wieder aktuell. Ganze 17 Milliarden sind von den Rating-Agenturen kürzlich als sehr riskant eingestuft worden. Wenn man weiß, dass insgesamt 300 Milliarden dieser Kredite auf der Kippe stehen, kann der US-Häusermarkt durchaus in einen weiteren Sog nach unten gezogen werden, welcher seinen negativen Einfluss auf Verbrauch und damit auf die Wirtschaft haben könnte.

Dies hat kurzfristig bereits eine weitere Dollarschwäche mit sich gebracht, weil unter diesen Voraussetzungen wohl auch die Zinsen in den USA nicht weiter steigen können. In dieser Negativspirale ist nicht mehr auszuschließen, dass die Händler zuerst die 1,40-Marke zum Euro sehen wollen, und anschließend auch das Dollar-Allzeittief, welches gegen D-Mark zustande kam, und umgerechnet bei 1,45 75 lag.

Dies hat vor einigen Tagen noch ganz anders ausgesehen, als Ben Bernanke erneut die Bekämpfung einer nicht gebannten Inflation zum obersten Ziel erklärte, die Rentenmärkte zum ersten Mal seit langem auf diese wiederholte Drohung reagierten, und die 10-jährigen Renditen auf 5,25% ansteigen ließen.
Sollte sich die Krise um die Kredite legen, und die Inflation tatsächlich aufgrund des sich auf seinem Jahreshoch befindlichen Ölpreises wieder ansteigt, würde dies zu einer zweiten Gefahr für die Aktienmärkte, da diese oder höhere Zinsen die Diskussion um die Risikoprämie, das heißt die Rendite in Bezug auf die Volatilität der beiden Aktivaklassen, entfachen würden.

Schließlich gilt es, trotz der global guten Konjunktur die Firmengewinne in Amerika wiederum im Auge zu behalten. Die US-Wirtschaft wächst nämlich von allen derzeit am langsamsten, und entsprechend könnte das Gewinnwachstum jenseits des Atlantiks einbrechen.

Diese drei großen Unsicherheitsfaktoren, die sich teilweise gegeneinander aufheben, könnten trotzdem, jeder für sich, eine Korrektur auslösen. Eins scheint aber schon sicher: Mehr als eine gesunde Korrektur nach vier Jahren Kurssteigerungen wird es nicht sein.
Die amerikanische Wirtschaft scheint weiterhin stark genug, eine Krise im Immobilienmarkt nach einer vorübergehenden Flaute zu überstehen. Sollten die Gewinne der amerikanischen Firmen abflauen, heißt das im Klartext, dass sie weniger stark wachsen als bisher.
In Bezug auf die Zinsen gilt das Fed-Modell als Maß aller Dinge. Hier wird über den 10-Jahressatz in Bezug auf die zukünftigen Durchschnittsgewinne der 500 Firmen des S&P dessen fairer Wert entwickelt, und derzeit liegen wir noch darunter.

Eine kleine allgemeine Psychose könnte, wie so oft, sollte eins der drei Probleme sich verstärken, zu Gewinnmitnahmen verleiten. Die Investoren, die es versäumen, in dem Moment zu verkaufen, sollte ein paar bange Tage überbrücken und 2008 weiter steigende Kurse sehen können, denn insgesamt bleiben Weltwirtschaft und damit Börsen auf absehbare Zeit gesund.

Claude Schettgen (Direktor für deutsche Privatkunden)
Dexia Private Banking
Tel.: (+352) 621 194 703
www.dexia-privatebanking.com

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