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Fassade des Jabalquinto-Palastes in Baeza. |
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Das Weltkulturerbe Spaniens Teil 37Die beiden Schwesterstädte Úbeda und Baeza werden meistens in einem Atemzug genannt. Sie liegen knappe 8 Kilometer von einander entfernt im Herzen der Provinz Jaén. Unweit entspringt im Osten, in der Sierra von Cazorla, der Guadalquivir, der sich mit seinem Nebenfluss Guadalimar durch eine fruchtbare Ebene seinen Weg über Sevilla in den Atlantik sucht. Die Provinz Jaén grenzt im Norden an die Sierra Morena und im Süden an die Sierra Mágina. Bei Úbeda handelt es sich mit 33.000 Einwohnern um eine der größeren Städte der Provinz. Während Úbeda geschäftig und voller Leben ist, blieb Baeza mit seinen knapp 16.000 Einwohnern ein verträumter Ort.
Beide Städte gelten als Wiege der Andalusischen Renaissance und wurden mit ihrer Vielzahl beeindruckender Renaissance-Bauten im Jahr 2003 in den UNESCO-Katalog der Weltkulturerbschaft aufgenommen.
Die ersten Siedlungen dieser heute hauptsächlich Olivenöl produzierenden Gegend entstanden zur Kupfer- und Bronzezeit. Man fand entsprechende Reste von vor 2.000 v. Chr. Als später die Römer kamen, banden sie beide Orte an die Vía Romana zwischen Cástulo (Linares) und Málaga an, was entsprechend zu ihrer wirtschaftlichen Entwicklung beitrug. Im ausklingenden 2. Jh. n. Chr. gingen viele kleine römische Ortschaften ein, aber Úbeda überlebte. Die Araber befestigten den Ort (822-852) unter dem Emir Abd al Rahman II. und tauften ihn Ubbadat al-Arab.
1047 eroberten die Christen Úbeda zum ersten Mal vorübergehend. Das Schicksal der kleinen Grenzstadt war alles andere als eintönig: Mal herrschten die Christen, mal die Mauren. Nach seiner endgültigen Rückeroberung von 1.233 war Úbeda folglich am Boden zerstört. Für gemeine Siedler und Adelige gab es Sonderrechte vom König, wie sie aus Gründen der Sicherung erkämpfter Territorien zur Festigung einer Region erteilt wurden; denn Rück- eroberung bedeutete nicht nur den militärischen Sieg über die Mauren, sondern genauso wichtig die Neubesiedlung eines zerwüsteten Gebietes mit Christen und Morisken.
Im 16. Jh. erreichte die Stadt ihre volle Blüte. Durch Kirche und hauptsächlich Adel entstanden viele der Bauten, die heute unter UNESCO-Denkmalschutz stehen. Der Renaissancekünstler Andrés de Vandelvira drückte Úbeda seinen Stempel auf. Der mächtige dreistöckige Palacio de las Cadenas zum Beispiel, das heutige Rathaus, gehörte einst dem Sekretär von Felipe II. Der Rathausplatz öffnet sich auf den lauschigen Plaza Vazquez de Molina. Hier an diesem ursprünglichen Standtort der arabischen Festung befindet sich die Kirche Santa Maria de los Alcázares. Ein herausragendes Bauwerk der Renaissance ist die Kapelle del Salvador mit eindrucksvollen Wappen, zwei originellen Rundtürmen und einem sechseckigen Glockenturm.
Das Leben findet besonders am Abend auf dem Plaza Primero de Mayo statt. Auch er ist von ehrwürdigen Renaissancepalästen wie dem alten Rathaus (Casas Consitoriales) umsäumt, dessen Fassade einer italienischen Loggia ähnelt. Immer wieder stößt man beim Spaziergang durch die engen Kopfsteingassen auf Patrizierhäuser mit reich dekorierten Fassaden und Portalen mit steinernen Wappen, wie sie zum Beispiel die Fassaden der Paläste Vela de Cobas oder Casa de los Salvajes zieren.
Rings um die Plätze San Pedro, San Lorenzo und Marqués entfaltet sich die Baukunst des 16. Jahrhunderts und rechtfertigt den Beinamen Salamanca des Südens. Hier steht auch der Palacio de los Dávalos, im Volksmund Casa de las Torres, mit der wohl schönsten Plateresko-Fassade Andalusiens. Kapitän Andrés Dávalos war ein Ritter de Santiago-Ordens, weshalb ein Teil des Mauerwerks mit den charakteristischen Jakobsmuscheln besetzt ist.
Ähnlich wie Úbeda entstand Baeza: Man geht davon aus, dass hier ein wichtiges Zentrum der Bronzekultur war. Aus dem 4. Jh. v. Chr. stammen Beweise, dass die Iberer im Raum Baeza befestigte Wohnanlagen hatten. Durch den Wohlstand aus Landwirtschaft und Bergbau war Baeza ab dem 2. Jh. v. Chr. dann ständig bewohnt. Die Römer erteilten der befestigten „Biatia“ das Privileg, eigene Münzen zu prägen. Im 12. Jh. war „Bayyasa“ unter den Arabern die Hauptstadt eines unabhängigen Kleinstaates, der fast so groß wie die heutige Provinz Jaén war.
1227 eroberte Fernando III. von Kastilien Baeza als erste Stadt der Provinz, wodurch sie der Ausgangspunkt aller nun folgenden Feldzüge der Christen wurde und dafür Titel wie „Muy Noble und Muy Leal“ (Sehr Edel und Sehr Treu) oder „Nido Real de Gavilanes“ (Königliches Sperbernest) erhielt. Baeza wurde wieder Bischofsitz und bekam eine Universität. Etliche noble Familien aus dem Norden siedelten sich wegen der verlockenden Privilegien hier an. Im 15. bis 17. Jh. blühten Landwirtschaft, Handel und Textilindustrie, und üppige Renaissance-Bauten entstanden.
Auch viele Sakralbauten hat die ehemalige Bischofsstadt an zauberhaften Plätzen. Auf dem weitläufigen Plaza de la Constitución fanden früher Stierkämpfe statt. Auf dem kleinen Plaza del Pópulo steht ein Löwenbrunnen aus dem 16. Jahrhundert, das Casa del Pópulo selbst ziert eine herrliche platereske Fassade. Der Triumphbogen Arco de Villalar wurde zu Ehren Karls V. errichtet. An der prachtvollen Universität lehrte der Dichter Antonio Machado, ihr gegenüber befindet sich der Palacio de Jabalquinto mit seiner kunstvollen Fassade. Er entstand Ende des 15. Jh. und dürfte mit seiner Zierde wohl der schönste Palast sein, der in Baeza zu bewundern ist. Am Plaza Santa Maria ist der Kreuzgang der Kathedrale einen Besuch wert, und der wappengeschmückte Brunnen Santa Maria ist ein selten schönes Schmuckstück.
Úbeda und Baeza – zahlreiche Kirchen, Herrenhäuser, Plätze und Gassen schwören vergangene Zeiten herauf. Zwar sind neben den Palästen im Laufe der Zeit weiß gekalkte Wohnhäuser entstanden, sie schmälern jedoch nicht den Zauber der alten Stadtteile. Lange Zeit von vergangenem Glanz vor sich hin träumend und vom Tourismus ignoriert, wurden die Schwesterstädte 1975 vom Europäischen Rat mit dem Prädikat „Renaissance-Musterstadt“ ausgezeichnet und nun kürzlich auch zum Weltkulturerbe erklärt.
Fotos: Kunigunde Krippner