Im Juli 2004 wurde vom Kultusministerium Andalusiens in der andalusischen Landeshauptstadt Sevilla die Barenboim-Said- Stiftung (Fundación Barenboim-Said) ins Leben gerufen. Damit verwirklichte die Landesregierung (Junta de Andalucía) ein Angebot des Autonomiepräsidenten Manuel Chaves, das er Daniel Barenboim und Edward Said in den neunziger Jahren unterbreitet hatte: unter der Schirmherrschaft Andalusiens die Stadt Sevilla nicht nur zum Standort eines Workshops des West-Eastern Divan Orchestra und ähnlicher Projekte zu machen, sondern zum Sitz der Stiftung selbst.
Von Uwe Zimmermann, Granada/Berlin (Text) & Fundación Barenboim-Said/Luis Castilla (Fotos)
Seitdem finden im Sommer mehrere Wochen lang die Orchesterproben in Sevilla statt. Die Junta de Andalucía finanziert besonders begabten Musikern das Studium in Europa und USA, von denen einige heute im israelischen Philharmonieorchester, dem Symphonieorchester Damaskus oder der Oper von Kairo spielen. Nach einem intensiven Arbeitsplan musizieren die jungen Künstler in entspannter und inspirierender Umgebung. Natürlich werden dabei auch aktuelle Themen des arabisch-israelischen Konflikts behandelt. Über eines ist man sich jedoch stets einig: Eine militärische Lösung von Konflikten scheidet aus.
Das nach der Gedichtsammlung von Johann Wolfgang von Goethe benannte West-Eastern Divan Orchestra wurde 1999 von dem israelischen Musiker und Dirigenten Daniel Barenboim und seinem 2003 verstorbenen Freund, dem palästinensischen Literatur-Professor Edward Said ins Leben gerufen. Das Jugendorchester, dessen Mitglieder aus Israel, Spanien und den arabischen Staaten des Nahen Ostens stammen, fühlt sich Goethes kosmopolitischer Gedankenwelt verbunden und versteht sich als parapolitisches Projekt. Eine „Musik-Republik“, in der es möglich wird, was draußen im richtigen Leben undenkbar scheint: die friedliche Koexistenz und eine Convivencia zwischen Religionen und Kulturen.
Das Orchester besteht aus ca. 100 jungen Musikern die unter Leitung ihres Dirigenten Daniel Barenboim ausgebildet werden, üben, in Work- shops zusammenkommen und mit ihrer Friedensbotschaft international auf Tournee gehen. Seit dem Jahr 2004 besteht für das Orchester und sein Anliegen nun die Stiftung „Fundación Barenboim-Said“ unter der Schirmherrschaft der Andalusischen Landesregierung in Sevilla. Von dort aus sind unter der Leitung der Direktorin Muriel Paez Rasmussen in den vergangenen Jahren auch die Konzertreisen in viele Länder und Städte und auch Krisengebiete der Welt organisiert worden: u.a. nach Deutschland, England, Frankreich, Schweiz, Belgien, Türkei, Italien, USA, Argentinien, Uruguay, Brasilien und Spanien, aber auch nach Ramala in Palästina.
Das Bestreben der jungen Leute, ihre Liebe zur Musik mit der Notwendigkeit der Verständigung der Mittelmeerkulturen untereinander zu kombinieren, wird von der ganzen Welt bewundert. Die wird unmittelbarer Zeuge, wenn das West-Eastern Divan Orchestra auf Tournee ist. Beim West-Östlichen Diwan handelt es sich also nicht nur um ein musikalisches Projekt, sondern um einen Rahmen für den Dialog zum palästinensisch-israelischen Problem. Durch ihr Zusammenspiel wollen die Musiker mithelfen, die politischen und kulturellen Hindernisse zu überwinden. Sie teilen nicht nur die Liebe zur Musik, sondern Unterkunft, Reiseerlebnisse und Lebenserfahrungen.
Das Orchester ist nach der gleichnamigen Gedichtsammlung von J.W. von Goethe benannt worden, weil nach Worten der Stiftungsgründer „der Dichter und Dramaturg einer der ersten Deutschen war, der sich aufrichtig für andere Länder interessierte und mit über 60 Jahren noch begann, Arabisch zu lernen“. Bei den Konzerttourneen wird die ganze Welt Zeuge, welche Bedeutung Musik für die Verständigung zwischen Menschen haben kann. So geschehen auch bei einem kürzlich Auftritt in Berlin, bei dem Manuel Chaves und Rodriguez Zapatero inkognito zugegen waren. Das Publikum fiel sich nach dem Verklingen der letzten Note gegenseitig in die Arme. „Alle Menschen werden Brüder….“ hatte als Abschluss von Beethovens 9. Symphonie der Chor der Berliner Staatsoper (in dem übrigens die Ehefrau des spanischen Regierungspräsidenten, Sonsoles Espinosa, mitsang) erklingen lassen. Als Schiller seine Ode an die Freude schrieb, konnte er nicht ahnen dass seine Worte einmal als Hymne der EU einem Gebet sehr nahe kommen würden.
Dass es bei Gedanken dieser Art nicht bei frommen Wünschen bleiben möge, dafür engagieren sich Daniel Barenboim und die Witwe des verstorbenen Edward Said, Mariam Said, indem sie die Sommerkonzerte ihrer Schützlinge europaweit veranstalten. Sie hoffen, mit den Auftritten des West-Eastern Divan Orchestra dazu beizutragen, dass es für die Konflikte im Nahen Osten irgendwann vielleicht doch einmal eine „Partitur“ geben wird.
www.barenboim-said.org
www.free-international-music-school.de
Die Sommerkonzerte 2007
03. August : Malaga, Teatro Cervantes
04. August : Cordoba, Gran Teatro
05. August : Madrid, Plaza Mayor
07. August : Lissabon, Fundación Calouste Gulbenkian
13. August : Salzburg, Grosses Festspielhaus
21. August : Luzern, KKL
23. August : Brüssel, Palais des Beaux Arts
26. August : Berlin, Philharmonie
Ticketreservierungen für die beiden Konzerte in Andalusien:
Malaga: UniTicket (www.unicaja.es)
und Tel. 902 360 295 sowie 952 076 242
Cordoba: El Corte Ingles (www.elcorteingles.es/entradas) und Tel. 902 400 222