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19:50 Freitag 25. Juli 2008

Hotel Claude

Klassik mit modernem Chic

Von Simone Sälzer (Text & Fotos)

Sieben stilvoll und individuell eingerichtete Zimmer, ein Patio mit altem, gediegenem Brunnen und eine Dachterrasse mit einer Chill-Out-Zone im marokkanischen Stil. Klassische Elemente mit modernem Chic, jedes Detail perfekt geplant. „Mein Herz liegt in diesem Haus“, sagt Franz-Josef Willmes. Vor kurzem eröffnete der Halbspanier in der Altstadt Marbellas das Hotel Claude, das er zusammen mit seiner gallizischen Frau Maria José Aller und seiner Schwester Désirée Willmes führt, die die Direktorin des Hotels werden wird.

Ihr Stiefvater Don Juan Berjano kaufte Mitte der 70er Jahre das Stadthaus mit seiner damaligen Frau Claude Devoize, einer Opernsängerin. Als Hommage an sie gab Franz-Josef Willmes dem Hotel den Namen Claude. Mehr als 20 Jahre stand das Haus, das im 17. Jahrhundert erbaut worden war, leer. „Ich wollte, dass es in Familienbesitz bleibt“, sagt der Vater der zweijährigen Eva. Ein Hotel zu eröffnen, sei schon immer sein Traum gewesen. 

Vor 15 Jahren hat der Sauerländer sein Touristik-Studium abgebrochen und ist zum ersten Mal nach Marbella gekommen. „Ich habe ein halbes Jahr im Hotel Benabola Park Plaza Suites gearbeitet“, erzählt der 38-Jährige weiter. „Aber das war nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe.“ Investmentbanker aus New York, die zufällig Gäste in dem Hotel waren, vermittelten ihm die Idee, nach New York oder London zu gehen, um dort mit seinen Sprachkenntnissen als Broker für deutsch und spanisch sprechende Kunden zu arbeiten. „Sie gaben mir den Anstoß, erstmal diesen etwas lukrativeren Weg einzuschlagen“, erzählt der Hotelier. Durch Zufall sei er bei seiner Jobsuche 1994 beim weltgrößten Interbanken-Broker ICAP in London gelandet. Dort betreut er seit 13 Jahren deutsche, österreichische und spanische Banken in Zins- options-Geschäften.   

Durch seine Brokertätigkeit bei ICAP hat er sich und seiner Familie eine finanzielle Unabhängigkeit geschaffen. „Ich wollte meinen Traum vom eigenen Hotel verwirklichen“, sagt er. Einen ähnlichen Weg schlug seine Schwester Désirée ein. Auch sie hat zuerst in Hotels, später dann als Broker in London gearbeitet. Seit sieben Jahren ist sie nun  Schauspielerin – zur Zeit schreibt sie ihr erstes Drehbuch. „Ich konzentriere mich aber jetzt darauf, das Hotel auf die Beine zu stellen“, sagt die 37-Jährige.
Bis die beiden eine Baugenehmigung für das Hotel hatten, hat es allerdings zweieinhalb Jahre gedauert. „Ich wollte nicht schmieren, sonst hätte ich sie damals schneller bekommen“, schmunzelt der Hotelier. „Aber das wäre jetzt dafür wertlos gewesen.“ 2004 haben sie zu bauen begonnen. Das Haus war sehr ruinös, musste kernsaniert werden. „Wir wollten einen klassisch mediterranen Stil beibehalten“, so Franz-Josef Willmes. Geplant haben sie eineinhalb Jahre, gedauert hat es letztendlich drei. „Unsere Mutter hat sich die ganzen Jahre, wo wir nicht hier waren, um alles gekümmert“, sagt Désirée Willmes. 1,5 Millionen wollten sie investieren, mehr als 2 Millionen sind es dann doch geworden. Der erste Bauunternehmer habe sich komplett verkalkuliert. Er sei es wie die meisten Unternehmer vor Ort nicht gewohnt gewesen, Kernsanierung zu betreiben. „Und ich wollte auch, dass jedes kleinste Detail perfekt ist.“ 

Jedes der sieben Zimmer sollte ein kleines Paradies sein. Seit jeher galt das Haus mit seiner einzigartigen Stucco-Fassade als Treffpunkt für illustre Gäste. Anfang des 19. Jahrhunderts aber wurde das Privathaus als Nachbarschaftshaus umfunktioniert und zeitweise wohnten bis zu 45 Menschen dort. „Als ich jetzt die Eingangstore wieder geöffnet habe, sind alte Damen gekommen und haben geweint“, erzählt er. „Sie haben früher hier gelebt.“

Die Investition hat sich gelohnt. Jedes Zimmer hat seinen exklusiven Stil, seinen eigenen Namen und vermittelt ein individuelles Flair. Verschiedene Stilrichtungen, neue und alte Materialien wurden miteinander kombiniert. So steht ein modernes Glastischchen neben einem edlen Canapé auf original spanischem Terrakotta-Boden. 

Das größte Zimmer ist die Suite „Francesa“: klassisch chic, klassisch edel, klassisch französisch. Ein grünes Samtsofa im Schlafzimmer, im Waschbereich eine alte französische Badewanne. Eher im mediterranen Stil gehalten ist „Provenzal“, modern in Silber mit dunklem Holzboden ist „Contemporánea“ und das Maisonnette-Zimmer „Flamant“ erinnert mit seinen weißen Möbeln und Balken an mittel- und nordeuropäisches Wohnen. 

„Das Flair der Zimmer wird durch die Namensgebung unterstrichen“, erklärt Franz-Josef Willmes. Die warmen Farben vermitteln Ruhe – der Gast fühlt sich nicht wie in einem Hotel, vielmehr wie zu Hause oder bei Freunden. Perfekt für eine Familie mit Kindern oder befreundete Paare sind die Zimmer „Marroquí“, klassisch rot, und „Savannah“, mit beigem Leder. Sie sind durch einen kleinen Balkon miteinander verbunden. Eine besonders schmucke Schlafgelegenheit verbirgt sich unter dem Dach, das Zimmer „Oriental“: chinarot mit schwarzem Lack, neben dem Bett eine klassisch alte Badewanne in Rot.

Die Linie, das Mobiliar wiederholt sich, die Türen sind handgefertigt, aber jedes Zimmer hat ein angenehmes, unverkennbares Ambiente. Franz-Josef Willmes hat Elemente eingearbeitet, die er in den vergangenen Jahren in den verschiedensten Hotels gesehen hat. Die Möbel wurden speziell für das Haus entworfen. Die Zimmer sind zudem mit modernster Technik wie Flatscreen ausgestattet, Playstation, DVD-Spieler, i-pods und Laptops können ausgeliehen werden. Noch was Besonderes: Mit Ausnahme von „Marroqui“ sind alle Bäder offen, nur die Toilette ist abgetrennt. „Die Gäste sollen sich frei, nicht beengt fühlen“, sagt der Hotelier. Für die Inneneinrichtung wurde Angell Gordon, einer der führenden Innenarchitekten Spaniens engagiert. Er hätte auch ein Hotel mit 15 Zimmern machen können, sagt Franz-Josef Willmes. Aber das kam für ihn nicht in Frage. „Das Haus soll unseren Gästen gehören, sie sind König hier.“ 

In außergewöhnlicher Atmosphäre genießen die Gäste den Abend auf der Sonnenterrasse. In netter Gesellschaft im Chill-Out-Bereich plaudern oder ungestört auf die Dächer Marbellas blicken. Sie können kulinarische Spezialitäten speisen oder nur einen kleinen Snack – so auch im schwarz-weißen, verspiegelten kleinen Restaurant. Zuvor im hellen Patio, mit Bögen aus dem 17. Jahrhundert, einen Ape- ritif nehmen oder sich zur Tea-Time im klassisch schicken, eleganten Lesezimmer mit Kamin treffen. Sonntags ist Brunch auf der Dachterrasse oder im Restaurant. „Wir sind 24 Stunden für unsere Gäste da“, sagt der Hotelier.

230 Euro kostet das kleinste Zimmer, 340 die Suite. Im Preis inbegriffen sind Kaffee, Tee, Wasser, Säfte, Rotwein sowie Obst und Snacks. Auch das Fitness-Center O2 kann kostenlos genutzt werden. „Ich bin sicher, dass das Hotel seinen Nischenmarkt finden wird“, ist Franz-Josef Willmes überzeugt. „Unsere Gäste erleben das originale Marbella.“ Er und sein Team wollen vor allem auf Mundpropaganda setzen. Ein bestimmtes Klientel ansprechen, einen Stamm aufbauen – sie seien nicht auf Massen- oder Sonnentourismus aus, sondern auf Gäste, die das originale Spanien kennenlernen und genießen wollen. „Wir wollen ein kleines Hotel auf höchstem Niveau, ohne aber den familiären Charakter zu verlieren“, sagt der Halbspanier. Mit dem Hotel habe er seinen Kindheitstraum verwirklicht. Als Broker will Franz-Josef Willmes trotzdem noch arbeiten. „Erst mal bis zum Vierzigsten, dann sehen wir weiter.“ Ein weiteres Hotelprojekt ist schon in Planung – ein Landhaushotel mit Restaurant und Spa sowie einem kleinen Weingut in den Rias Baixas in Galizien.     

Kontakt:
Hotel Claude
Casco Antiguo, Calle San Francisco No. 5
29600 Marbella
Telefon: 952 900 840
Fax: 952 766 272
info@hotelclaudemarbella.com
www.hotelclaudemarbella.com

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