Der Vater des Volvo Masters
Das Volvo Masters, das große europäische Saisonfinale, findet vom 1. bis 4. November zum zwanzigsten Mal im Golfclub Valderrama in San Roque (Cádiz) statt.
Viele erlebten das erste Turnier 1988 mit, aber die Jüngeren kennen nicht die Geschichte, wissen nicht, wie dieser Wettbewerb ins Leben gerufen worden ist. „Vater“ war der englische Golfprofi Mel Pyatt, Präsident und Geschäftsführer des Volvo Event Managements – dieses Jahr ist er zurück getreten.
Anfang 1987 traf Mel Pyatt, als er Direktor von Atalaya Golf war, eines Tages im Hotel Carlerec Haggstrom, der für das weltweite Marketing von Volvo zuständig war. „Wir spielten Golf, er lud mich zum Abendessen ein und erzählte mir, dass die Verantwortlichen von Volvo einen wichtigen Schritt Richtung Europa-Tour gemacht hätten“, sagt Pyatt. Sie planten ein großes Turnier, das möglicherweise unter dem Namen Volvo Masters laufen und in Spanien spielen werde, fährt er fort. Nach dem Essen habe ihn Haggstrom gefragt, ob er nicht das Projekt leiten wolle.
Zu dieser Zeit lebte Pyatt mit seiner Frau Alicia in Atalaya und die Kinder waren noch klein. Anfangs habe ihn die Idee nicht so sehr begeistert, aber nachdem er einige Monate darüber nachgedacht hatte, habe ihn Haggstrom schließlich überzeugt.
Die Verantwortlichen von Volvo wollten, dass das Turnier in Spanien stattfindet, Ende Oktober oder Anfang November, um die Saison abzuschließen, und dass es „un Orden de Mérito“ gibt. „Carlerec fragte mich, ob ich einen guten Golfplatz kenne und zeigte mir gleichzeitig eine Liste mit verschiedenen Plätzen, auf der erstaunlicherweise nicht Valderrama war“, erzählt der Golfprofi.
Er schlug Valderrama, einen Privatclub ohne Werbung, vor – wusste aber nicht, ob dessen Präsident Jaime Ortiz-Patiño zustimmte. Pyatt nahm mit seinem Freund Derek Brown, seinerzeit Direktor von Valderrama, Kontakt auf und erzählte ihm von dem geplanten Volvo Masters Turnier. Brown setzte sich mit Ortiz-Patiño in Verbindung und machte zwei Tage darauf einen Termin aus.
„Ich erklärte ihm, dass dies ein besonderes Projekt sei“, erzählt Pyatt. Jaime Ortiz-Patiño sei es anfangs zu kurzfristig gewesen. Er schlug ihm einen späteren Zeitpunkt vor. „Ich erklärte ihm, wenn wir nicht das darauf folgende Jahr spielen, werden wir das Turnier auf einen anderen Platz verlegen“, fährt der Sportler fort. Es habe ihn viel Überzeugungskraft gekostet, es sei keine einfache Aufgabe gewesen. Aber für ihn kam nur dieser Platz in Frage, da er sehr groß war.
Schließlich hat Ortiz-Patiño zugesagt, Pyatt sowie Haggstrom zum Essen eingeladen und ihnen den Platz sowie das Clubhaus gezeigt. Sie stimmten sich ab und begannen zu arbeiten. „Bis heute“, erzählt Pyatt. „Wir haben einen Vertrag zwischen Volvo, Circuito Europeo und Turismo Andaluz abgeschlossen.“ Das Turnier ist bis 2010 in Valderrama.
Das Volvo Masters hatte viele Freunde, einige versuchten es auf die gesamte andalusische Küste auszudehnen, vor allem nach Portugal und Asien. „Wir waren in Portugal und haben uns Plätze angesehen“, erzählt er. „Aber ich wollte immer, dass es in Andalusien bleibt.“ Die Funktion, die Germán López Senior (mehrere Jahre Präsident von Volvo España) und Germán López Junior (derzeitiger Präsident) inne hätten sie immer hundertprozentig erfüllt, so Pyatt. „Für sie war das Volvo Masters mehr als ein einfaches Golfturnier.“
Auch Jeff Kelly und Antonio Sánchez spielten eine wichtige Rolle. Die Gründer der Zeitschrift „Andalucía Golf“ überzeugten mit ihrem Blatt den andalusischen Tourismus in das Turnier zu investieren, damit dieses in seinem „Geburtsort“ Andalusien bleibt. „Die Presse war von Anfang an unserer Seite und hat immer sehr positiv berichtet“, freut sich Pyatt. Ohne sie wären sie heute nicht da, wo sie sind.
Er sei sehr stolz auf das Volvo Masters, das für alle ein großes Turnier ist. „Vor allem auf die Freundschaft mit Jaime Ortiz-Patiño“, sagt er. Mit ihm verfolgte er während all der Jahre die gleiche Vision, sie hätten mit größtem Respekt zusammengearbeitet, jeder Wetterlage, jeden Widrigkeiten getrotzt. „Ein Jahr hatten wir einen sehr wichtigen Gast aus Kanada, der bei Pro-Am mitspielen wollte“, erinnert er sich. „Er war nie auf dem Platz. Dienstag kam er an, Mittwoch regnete es und Pro-Am wurde gestrichen, Donnerstag früh fuhr er wieder zurück.“ Er habe gesagt, mit all der Gastfreundlichkeit in Valderrama und einem Glas Rioja in der Hand sei er der glücklichste Mensch gewesen.
Auch die Spieler hätten viel dazu beigetragen, dem Turnier Farbe und Schauspiel zu verleihen, erzählt Pyatt. Obwohl er immer mehr hinter dem Telefon als auf dem Platz gewesen sei. Er habe viele emotionale Momente beim Volvo Masters miterlebt, „el Orden de Mérito“sei oftmals erst mit dem letzten Putt vergeben worden. „Es war immer bis zur letzten Minute spannend.“