Wie kann man die „Historische Erinnerung“ einer Nation per Gesetz regeln? Das fragen sich zurzeit nicht wenige Spanier. Den Übergang von einer 40 Jahre dauernden Diktatur zur Demokratie haben sie mit Bravour geschafft, seit 32 Jahren ist der Diktator tot und begraben wie die Ressentiments, die der Bürgerkrieg und seine Repressionen mit sich brachte. Ein Franco- Standbild im Dorf X oder ein Straßenname des Falange-Gründers in Stadt Y mag den einen oder anderen gestört haben, aber das hätte man längst auf kommunaler Ebene regeln können - also jetzt noch mit großem Palaver ein Gesetz?
Der Entwurf zur Regulierung des Historischen Gedenkens, der gegenwärtig im Parlament diskutiert wird, soll laut Regierungspräsident Rodriguez Zapatero (PSOE) noch vor den Wahlen im kommenden Frühjahr Gebot werden. Nur zwei Parteien stellen sich dagegen: Die republikanischen Linken Kataloniens (ERC), denen der Text nicht radikal genug ist, und die Opposition (PP), die darin den Versuch der Sozialisten sieht, die (rechte) PP zu den historisch Bösen und sich selbst zu den Guten zu machen. Ein Schritt weiter wäre, in diesem Zusammenhang Zapatero vorzuwerfen, den Zustand vor dem Bürgerkrieg wieder herstellen zu wollen, und das wäre „weg mit der Monarchie“.
Das geplante Gesetz sieht im großen und ganzen also eine Säuberungsaktion vor. Ein Katalog soll erstellt werden, der alle zu eliminierenden Symbole des Frankismus enthält. Allen privaten Einrichtungen – darunter fällt in diesem Fall auch die Kirche – sollen Subventionen gestrichen werden, wenn sie das Gesetz nicht befolgen. Das wichtigste aller Gedenkstätten ist das Tal der Gefallenen bei Madrid, das sich der Generalisimo zu Lebzeiten unter großen Opfern von seinen Gegnern zum Mausoleum errichten ließ. Ein irreal wirkender Ort, an dem bisher an dessen Todestag seine Anhänger aufmarschierten und der den Rest des Jahres eine Touristenattraktion ist.
Dieser Ort soll künftig „alle Menschen würdigen, die im Bürgerkrieg gefallen sind und Opfer der Repression wurden, mit dem Ziel, die Kenntnisse über diese Zeit zu vertiefen und den Frieden und die demokratischen Werte zu stärken“. Urteile, die unter Franco gefällt wurden, werden unrechtmäßig erklärt, die Diktatur verurteilt und ihre repressiven Gesetze aufgehoben. Man hatte hier das Gefühl, irgendwie sei Gras über die dunkle Geschichte gewachsen, aber dem ist wohl nicht so.