Der botanische Garten La Concepción in Malaga ist ein Naturparadies
Text & Fotos: Simone Sälzer
Eine majestätische Platanenallee am Eingang, eine Fülle edler Riesen-Strelitzien und eine 47 Meter hohe australische Zimmertanne – im historisch botanischen Garten „La Concepción“ in Malaga fühlen sich die Besucher wie in einer Art Dschungel: Mehr als 800 tropische und 200 einheimische Pflanzen auf 13 Hektar, die florale Vielfalt erstreckt sich über alle fünf Kontinente. Vor gut 150 Jahren haben Amalia Heredia und Jorge Loring, die aus den zwei reichsten Familien Malagas stammten, den Garten gegründet. „Die beiden reisten in den Flitterwochen sieben Monate durch Europa“, erzählt die Fremdenführerin Lucia Salcedo. „Amalia verliebte sich in den Gedanken, einen tropischen Garten anzulegen und sammelte dafür Ideen.“ Sie zeigt auf Clivien, Philondendron und Grünlilien im „Jardin de aclimatación“. Wegen des milden Klimas seien alle tropischen Pflanzen im Freien – was in Europa sehr selten ist. „Ihre Flotte brachte Samen aus Afrika, Australien, Südamerika und Asien mit“, fährt sie fort.
Der Weg führt über die prächtige Platanenallee zu einem kleinen, verschnörkelten Holzsteg. „Das ist die Brücke der Verliebten“, schmunzelt Lucia Salcedo. Einige Meter davor steht ein großer Gummibaum, dessen Stamm einem Fuß gleicht. „Das ist mit seinen 170 Jahren der älteste Baum im Garten, ‚el abuelo de jardin’, der Großvater“, erzählt die zierliche Braunhaarige. „Laut einer Legende läuft er nachts durch den Garten und bewacht die anderen Pflanzen.“ In seiner Gesellschaft, nicht weit von ihm entfernt, die älteste Pflanze: Die Sago-Palme bringt sogar noch 30 Jahre mehr mit. Versteckt mitten im Garten ein zitronengelbes Haus. „Die Mutter von Amalia kam aus Irland, deswegen der romantisch-englische Stil“, erklärt die Fremdenführerin. Das Haus wirkt sehr bescheiden, man glaubt kaum, dass es 50 Zimmer umfasst. „Amalia wollte nicht, dass es das Wichtigste ist und ließ es mehr lang als breit bauen.“ Umso prächtiger die Pergola, umschlungen von Blauregen. „Im März blüht alles, die Blüten fallen nach zwei Wochen und bilden einen blauen Teppich“, sagt Lucia Salcedo.
„Das ist wunderschön.“ Das Kunstwerk aus Eisen ließ Amalias Vater fertigen, der in der Provinz Malaga die erste Eisenfabrik hatte. Amalia Heredia und Jorge Loring haben oft die bekanntesten Aristokraten, Politiker und Künstler in die Pergola zum Essen und Feiern eingeladen, auch Sissi sei dort gewesen. Die Fremdenführerin gibt weiter
Einblick in die Geschichte des Gartens: 1900 stirbt Jorge Loring, zwei Jahre später seine Frau. Malaga steckte zu dieser Zeit in einer Krise, ihre neun Kinder verloren alles und verkauften den Garten 1911 an die baskische Familie Echevarría-Echevarrieta, die ihn nochmals erweiterte. „Allerdings nicht wie ihre Vorgänger im englischen, sondern im französischen Stil, Vorbild war Versailles.“ Alles sei sehr formal, es zähle nicht wie bei Amalia Heredia der Überraschungseffekt. Der Weg führt weiter in die Vielfalt verschiedener Bäume: Die höchste Königspalme Europas (27 Meter) und der größte Baum der Provinz Malaga, die 47 Meter hohe australische Zimmertanne, konkurrieren mit Drachenbäumen, Eukalyptus, Pinienkiefern und Bambus um das Licht. Im Hintergrund hört man an fast jeder Stelle Wasser plätschern. In einem Teich mit Seerosen spuckt eine Nymphe Wasser, an anderer Stelle fließt ein Wasserfall oder kleine Rinnsale. „Es ist ein geschlossener Kreislauf“, erklärt Lucia Salcedo.
Doch der Garten ist nicht nur eine Sammlung tropischer Flora, sondern es finden sich auch Überreste römischer, arabischer und phönizischer Kultur. Amalia ließ unter anderem ein römisches Bad, das Mausoleum von Charlottenburg oder die „Bank der Geheimnisse“ aus Pompeji nachbilden. Ein Mini-Museum im dorischen Stil beherbergte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts römische Mosaike, Marmorstatuen und bedeutende Bronzestück wie die „Lex Flavia Malacitana“. Von einem historischen Mirador blickt man auf die Stadt und die Berge von Malaga.
1943 wurde die Anlage zum kunsthistorischen Kulturgut erklärt. 1990 erwarb die Stadt Malaga den Garten – restaurierte ihn aber vier Jahre, bevor sie ihn wieder eröffnete. Die Gestaltung, Artenzahl und Erhaltung des historisch botanischen Gartens ist einzigartig in Europa.
Öffnungszeiten:
Der Garten ist von 9.30 Uhr an geöffnet.
Von 1. April bis 30. September schließt er um 20.30 Uhr, von 1. Oktober bis 31. März um 17.30 Uhr. Der Eintritt ist bis eineinhalb Stunden vor Schließung möglich.
Anfrage für Besuche mit Führungen
(Telefon 952 25 21 48).
Anfahrt:
Von der letzten Haltestelle des Busses 2 sind es 15 Minuten zu Fuß. Samstags, sonntags und an Feiertagen fährt die Linie 61 direkt.