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04:13 Montag 13. Oktober 2008

Fiestas de los Humanitarios de San Martín

in Moreda de Aller Asturien

Das Fürstentum Asturien spielt eine besondere Rolle im Autonomien-Kreis der Post-Franco-Ära Spaniens: mit Kronprinz Felipe de Asturias und seiner asturianischen Frau Letizia als prominenteste Bürger. Sie ist die einzige Fiesta, die diesen Monat offiziell von „nationalem Tourismusinteresse“ ist, und das seit 1984. Zwar gibt es in Asturien besonders viele große und kleine Feste, aber den Sprung über die regionalen Grenzen hinaus schaffte nur die die in der Überschrift genannte Fiesta. Das kleine Bergdorf Moreda de Aller wurde außerdem in diesem Jahr mit noch etwas ausgezeichnet, nämlich mit dem Preis für ein „Beispielhaftes asturianisches Dorf“. Diese Anerkennung wird der Stiftung Principe de Asturias, 1990 ins Leben gerufen, vergeben, was einer einzigartigen Organisation, der Sociedad Humanitarios de San Martin, zu verdanken ist.

Zunächst eine Erklärung zur „Humanitären Gesellschaft“: Gegründet wurde sie 1905 zu dem Zwecke, ein für alle Male Frieden zu stiften zwischen den Hirten der Gemeinden Aller und Lena, welche sich ständig um die Nutzung der Weiden zwischen beiden Dörfern stritten. Aus jenem Jahr stammt auch ein Gesetz, das die Zählung der Tiere reguliert. Außerdem machten es sich die Gründer zur Aufgabe, Not leidenden Nachbarn beider Gemeinden humanitäre Hilfe zu leisten. Sankt Martin ist der Schutzpatron von Aller und wurde deshalb zum Namensgeber des gemeinnützigen Vereins. Man beschloss damals, sich stets am 11. November zu versammeln. Mit Beginn des Bürgerkrieges wurde diese edle Brauch unterbrochen, nur ein paar treue Mitglieder trafen sich weiterhin Jahr für Jahr am Sankt Martinstag. Erst 1966 entschlossen sich die Kinder und Enkel der Alten, die Humanitäre Gesellschaft wieder aufleben zu lassen. Zwar gab es keine Streitigkeiten um Weideland mehr, aber da waren noch genügend Bedürftige. 1200 Mitglieder kümmern sich seitdem wieder um wirtschaftliche Notfälle, besorgen Schulmaterial, Nahrungsmittel, Rechtsberatung und kümmern sich um die Aufrechterhaltung der Beziehungen zu den alten Auswandererfamilien in aller Welt. 

Zu den Bedürftigen gehörte auch die asturianische Tradition, und die wird von den Humanitarios besonders gehegt. Es geht um Pflege und Verbreiten der heimischen Kultur in allen ihren Ausdrucksformen, wie sie jeden 11. November mit einer großen Fiesta gefeiert wird.
Morgens um 9.30 Uhr beginnt mit der Alborada mit zum Dudelsack tanzenden Trachtengruppen ein Umzug durch die Straßen von Moreda. Um 10.45 werden die Xanas mit Dudelmusik abgeholt, um gemeinsamen zur Kirche zu ziehen, wo eine Messe zu Ehren Sankt Martins gefeiert wird. Das Hochamt wird auf herkömmliche Weise gesungen und instrumental von Dudelsack und Trommel begleitet.
Anschließend beginnt die Puya’l Remu. Diese Tradition wird in verschiedenen Gebieten von Asturien gepflegt. Das Remu ist eine Holzstruktur, auf der heimische Erzeugnisse wie Back- und Wurstwaren präsentiert werden. Sie kommen zur Versteigerung, zur Puya. „Wer bietet mehr“ ruft der Auktionator seit vorchristlicher Zeit hier in den Bergen, so steht es jedenfalls in den Chroniken.

Um 13.00 Uhr mittags findet ein großer Umzug unter der Leitung der führenden Persönlichkeiten der Sociedad Humanitarios statt. Ihnen folgen geschmückte Ochsenkarren mit Dorfschönen Xanas und ihren kleinen Schwestern, den Xanines, Trachtengruppen, Dudelsackspieler, Trommler, Pfeifer und Mundschenke, die die heimische Sidra, einen sehr herben Apfelwein, ans Volk ausschenken. Alles und alle erinnern an geschichtliche Augenblicke und alte Bräuche: Und alles, was bei diesem Umzug gezeigt wird wie Trachten, Musikinstrumente, Wagen und Gerätschaften und alle Getränke und Speisen, die an die Besucher verteilt werden, sind handwerklich hergestellt worden.

Das Essen ist ein besonders wichtiges Element am Feiertag des Heiligen Martins. Um 15.00 Uhr gibt es ein Bruderschaftsessen, wo natürlich die asturianische Fabada die Hauptrolle spielt, ein Bohneneintopf, mit süßen Anis-Strudeln Casadielles und Panchón zum Nachtisch. Panchón ist eine Art Brot aus Dinkel, Schmalz und Zucker. Tausende von Kilos von Fabada und Unmengen Gebäck werden an diesem Tag konsumiert. Denn von weit her kommen die Landsleute, um die besten „fabes“, das ist Fabada auf bable, der asturianischen Mundart, der Welt zu probieren. 

Um 18.00 Uhr gibt es eigens für die Kinder Schokolade und für sie erdachte Aufführungen, traditionelle Spiele, Tänze usw.
Die vielen Kalorien können ab 19.30 Uhr abgearbeitet werden, wenn die Festteilnehmer paarweise auf den Tanzboden drängen. Beim allgemeinen Tanzvergnügen zu den Klängen einer regionalen Kapelle erklingen mit Rücksicht auf Geschmack und Alter der Tänzer auch, aber nicht ausschließlich, Stücke vom Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Sociedad Humanitarios de San Martín gegründet wurde. 

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