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03:47 Freitag 25. Juli 2008

Spaniens jüngste Bürgermeisterin

“Sanlúcar está de moda”

Interview mit Irene García Macías (27), Bürgermeisterin von Sanlúcar

Von Beatriz Hohler

aktuelle:  War es schon immer ein Traum von Ihnen, Alcaldessa von Sanlucar zu werden?

IGM:
Ich habe mich seit meinem Jurastudium mit Politik beschäftigt, und bin sehr früh in die Partei eingetreten. Mit 23 stand ich bereits auf der städtischen Liste und kam in die Dipuatición Provincial. Natürlich möchte jeder, der im öffentlichen Leben steht, gerne Bürgermeister des eigenen Ortes werden, weil man aus der Position am meisten für die Bürger erreichen kann. Es ist eine dankbare Aufgabe, wenn auch nicht immer leicht.

Sie sind seit drei Monaten Bürgermeisterin von Sanlucar, entspricht das Amt in dieser kurzen Zeit bereits dem, was sie sich darunter vorgestellt haben?

Ja, zum Großteil. Das Schöne an der Aufgabe ist, dass ich in sehr engem Kontakt mit den Bürgern stehe, man kennt mich auf der Straße, das Verhältnis ist sehr persönlich. Andererseits bin ich natürlich mit einer langen Liste von Wünschen angetreten, die wir gerne umsetzen würden. Doch die momentane wirtschaftliche Situation der Stadt lässt dies nicht zu, so dass man sehr genau abwägen muss, welche Prioritäten gesetzt werden. Wir sind zuversichtlich, dass wir für Sanlucar langfristig sehr viel erreichen können.

Was sind die Besonderheiten, die Sanlucar zu bieten hat?

Wir haben in Sanlucar eine völlig andere Klasse von Tourismus als in den übrigen Orten entlang der Küste. Mit sol y playa können wir nicht mithalten. Dafür haben wir etwas Einmaliges: ein kulturelles Erbe, historische Paläste und Kirchen, ehrwürdige Gebäude, Gärten, Grünanlagen. Doch damit nicht genug: direkt „vor der Haustüre“ liegt der Naturpark Coto Doñana. Sanlucar ist auch die Stadt der Pferde, der Artisten, des Flamenco, und nicht zuletzt eine Stadt des Weines. Nur hier, nirgendwo sonst, gibt es den Wein Manzanilla, dem die Meeresbrise sein besonderes Aroma verleiht. In Sanlucar ist das Klima das ganze Jahr über angenehm mild, so dass die Stadt zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert ist. 

Wie kommt es, dass gerade in Sanlucar so viele historische Schätze zu finden sind?

Sanlucar war lange Zeit die Sommerresidenz für die Grandes de España aus Sevilla. Es wurde auch das „San Sebastian des Südens“ genannt. Selbst dieses Rathaus hier war ein Sommerpalast des Herzogs von Montpensier und seiner Frau Doña María Luisa Fernanda de Borbón aus Sevilla. Durch den Rio Guadalquivir war Sanlucar das Tor nach Sevilla. Vor allem zur Zeit der Entdeckung Amerikas zählte Sanlucar als Drehscheibe für den Handel mit der neuen Welt. Reiche Kaufleute ließen sich hier nieder. Die besten Architekten und Künstler arbeiteten für diese Oberschicht. Dieses historische Erbe möchten wir den Besuchern zugänglich machen. 

Welches sind die vorrangigen Projekte, die Sie planen?

Wir wollen die Besucher über bestimmte Routen durch die Stadt führen. Bei der „Ruta de Barocco“ können sie die verschiedenen Sehenswürdigkeiten erleben. Die „Ruta de America“ lässt die Blütezeit der Entdeckung Amerikas  neu aufleben, und bei der „Ruta Sanlucar nocturna“ erleben die Gäste das wunderbar beleuchtete Sanlucar bei Nacht.  Dazu Konzerte mit klassischer Musik, ein Gläschen Wein, so wird Sanlucar sicherlich zu einem einmaligen Erlebnis. Das Angebot ist äußerst vielseitig. Für diese Stadt sollte man mindestens ein Wochenende oder gar mehr Zeit einplanen. Wir verfügen momentan noch nicht über ausreichend Bettenkapazitäten wie in großen Hotelketten, dafür haben wir aber zahlreiche kleine, reizvolle, romantische Hotels , passend zum historischen Erbe der Stadt, in denen man sich wohl und geborgen fühlt. Wir wollen heuer erstmals im Winter Pferderennen am Strand in kleinerem Umfang durchführen.
Ein weiteres wichtiges Projekt ist, die Saline im Hafen von Sanlucar zu einer Touristenattraktion auszubauen. Mit dem Schiff um die Saline fahren, bei der Salzgewinnung und Erzeugung zuzusehen, das ist sicher ein besonderes Erlebnis. Kaum jemand ahnt, dass viele große Lebensmittelmarken international das Salz aus Sanlucar für ihre Produkte verwenden. (Nestle, Campofrio, Jamones Navidul....)
Wir haben ferner wunderbare Korallenriffs, die in Privatbesitz sind. Wir planen auch damit eine eigene touristische Route ausbauen zu können. Es gibt also viele verschiedene Gründe, nach Sanlucar zu kommen. Sanlucar “está de moda”, und ich möchte gerne alle Leser von “das aktuelle spanienmagazin” einladen, diesen privilegierten Ort  zu besuchen.

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