Von allen finanz- und wirtschaftstechnischen Ausdrücken, mit welchen die Medien uns fast täglich berieseln, ist die Preisteigerung wohl derjenige, der jedem ein Begriff ist, weil wir ihn am eigenen Leib, oder eher an der eigenen Geldbörse täglich verspüren.Seit Wochen und Monaten steigen die Preise auf allen Gebieten. An der Tankstelle haben wir uns ja bereits an die Preissteigerungen gewöhnt, welche schon fast eine jahrelange Tradition darstellen, und noch ist kein Ende abzusehen, im Gegenteil: der Barrel hat in der Zwischenzeit Niveaus von über 90 Dollar überschritten, die magische 100-Dollarmarke ist in greifbarer Reichweite. Der Ursprung der Hausse liegt in der weltweit gestiegenen Nachfrage, hauptsächlich in den aufstrebenden, bevölkerungsstarken Schwellenländern China und Indien. Diese Nachfrage wiederum hat die Entwicklung von Alternativenergien interessant gemacht, welche hauptsächlich aus Grundnahrungsmitteln wie Mais, Weizen und Soja gewonnen werden. Diese Nahrungsmittel fehlen wiederum auf den Märkten dieser Welt, und somit in den Tellern. Nun beschränkt sich die gestiegene Nachfrage der oben zitierten Länder halt nicht auf Energieprodukte, im Gegenteil: der gestiegene Lebensstandard geht einher mit verbesserten Ernährungsgepflogenheiten.
Dass über den Weg der Alternativenergien das Brot bei uns teurer wurde, ist noch lokal erklärbar, dass allerdings in der Zwischenzeit auch der Milchmarkt leer gefegt ist und alle Milchprodukte ebenfalls deutlich mehr kosten, liegt einzig und allein wiederum an den Schwellenländern.
Dieses Phänomen hat zumindest eine gute Seite, nämlich die, dass der lang verschriene europäische Butterberg genauso wie der Milchsee Geschichte sind. Leider aber muss die europäische Landwirtschaft aus strukturellen Gründen weiterhin stark subventioniert werden, so dass für den Verbraucher die gestiegenen Preise leider nicht durch Steuersenkungen kompensiert werden.
Anderes Thema: die Löhne. Deutschland wird derzeit von einem Lokführerstreik verkehrstechnisch über Tage lahmgelegt, die Forderungen um die es hier geht, liegen prozentmäßig in Bereichen, die man nicht mehr als läppisch abtun kann. Der aufstrebende Reichtum der Schwellenländer bringt ebenfalls von der Seite Inflationsrisiken mit. Er geht nämlich auch dort einher mit Lohnforderung, welche über kurz oder lang auch dort Preissteigerung mit sich bringen werden, auf den Produkten, die wir derzeit noch zu Billigpreisen einführen.
Die Preisspirale dreht sich also. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie sich in den Inflationszahlen der einzelnen Länder niederschlägt, und gegen dieses Phänomen gibt es eigentlich nur ein Allheilmittel: Zinserhöhungen.
Sowohl in Amerika als auch in Europa hatten wir uns ja über die letzten Jahre auf eine Verteuerung des Geldes eingestellt, seit dem Sommer ist aber manches anders.
Die amerikanische Subprimekrise ereilte die Märkte, führte zu einer regelrechten Liquiditätskrise, welche die Zentralbanken bewog, den Markt mit Geld zu überschwemmen um das System vor einem Kollaps zu bewahren. Um in Amerika größere Schäden vom Immobilienmarkt, und vor allem in dessen Zuge von der Gesamtwirtschaft abzuwenden, hat die Zentralbank dort gar ihren Leitzins bereits um ¾ Prozent zurückgenommen, und es steht wohl zumindest eine weitere Senkung im Raum. In Europa wurde sowohl im September als auch im Oktober eine erwartete Zinserhöhung ausgesetzt, wohl nicht für lange. Der sehr starke Euro erlaubt vielleicht, das Status Quo noch ein paar Monate zu verlängern, mehr sicherlich nicht.
Durch die US-Immobilienkrise wurden allerdings in den letzten Wochen die Wachstumserwartungen für kommendes Jahr weltweit zurückgenommen. Im Moment können viele Länder noch gut mit dem zu erwartenden Rückgang umgehen, weitere Zinserhöhungen zum Eindämmen der aufgeflammten Preisteuerung könnte allerdings ganz schnell eine weitere Spirale ans Drehen bringen, heißt zu weiterem Wirtschaftsrückgang führen.
Unsere Währungshüter sind also mehr denn je gefordert, ein gutes Händchen zu haben, um zwischen dem grad notwendigen und dem übermäßigen zu unterscheiden.
Das Vertrauen der Märkte in die Bernankes und Trichets dieser Welt ist derzeit hoch. Dies beweist einerseits, dass sie sich dieses Vertrauen durch gültige Entscheidungen verdient haben, es heißt aber auch, dass ein Vetrauensschwund nach fragwürdigen Entscheidungen negative Psychose fördern könnte.
Wenn wir also in ein paar Monaten schreiben werden, dass wir der Stagflation entgangen sind, haben sie ihren Job wohl gut gemacht.
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Claude Schettgen
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