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08:02 Sonntag 6. Juli 2008

Jaime Ortiz Patiño

Das Gespräch mit Jaime Ortiz Patiño führte Maria Acacia López-Bachiller am 3. November 2007 - Fotos: Doro Plana
Das Gespräch mit Jaime Ortiz Patiño führte Maria Acacia López-Bachiller am 3. November 2007 - Fotos: Doro Plana
geb. am 20.06.1930 in Paris, Ehrenpräsident von Valderrama, erzählt aus seinem Leben

„Meine Geschichte begann vor 22 Jahren. Ich war 55, und mein Leben verlief ganz anders als heute. Ehe ich Valderrama kaufte hatte ich nie auch nur daran gedacht in der Golf-Welt mitzumachen, abgesehen vom gelegentlichen Golf spielen. Der Platz gefiel mir schon immer, aber ich hatte nicht die leiseste Vermutung, wie eng ich einmal damit verbunden sein sollte.

 Als Joe McMicking, der Gründer von Sotogrande, das Ruder an Enrique Zobel abgab, der sich um Financiera Sotogrande kümmerte, beschloss man, den als La Aves bekannten Platz zu verkaufen. Ich erfuhr davon und fand eine Gruppe von Interessenten. Sieben Freunde und ich machten ein Kaufangebot. Ich wollte damit eigentlich nur verhindern, dass dieser Platz in die Hände des Massentourismus fiel. Wir kauften also den Platz und nannten ihn Valderrama, so getauft nach einem der fünf Höfe, die McMicking für die Verwirklichung seines Sotogrande-Traumes damals erworben hatte. Ich selbst übernahm im Jahr 1985 die Hälfte der Anteile.

Drei Jahre später kaufte ich meinen sieben Partnern – Jacques Bemberg, Rainer Gut, Helmut Maucher, Enrique Zobel, Paul Jeanty, George Moore und Sir Philip Oppenheimer – ihre Anteile ab. Ich hatte eigene Ideen und den Willen, diesen Platz zum Besten der Welt zu machen. Aller Verdienst sollte wieder in den Platz investiert werden. Die anderen machten dabei auch ein gutes Geschäft, und der Platz gehörte mir.
1987 kam Mel Pyatt über Derek Brown mit der Idee, hier ein großes Turnier zu veranstalten. Es gab damals aber nur 9 Löcher in gutem Zustand. Wir mussten deshalb viel sprengen, überall arbeiteten 5-to-Laster und Bulldozer. Mel hatte mich überzeugt und überzeugte die European Tour, dass der Turnier-Sponsor das Feld wählen sollte auf dem das Gran Final gespielt werden sollte – er selbst wollte Valderrama.

Ich dachte Mel sei verrückt geworden, weil er nicht mich und meinen Kreis, sondern den Volvo-Vorstand für sich gewinnen musste. Ich sagte: „Mel, das wird schwer sein, die zu überzeugen, sehr schwer“, worauf er entgegnete, „Ich weiß, aber sie werden auf mich hören“.

Er kam zum Essen mit Carlerec Haggstrom zu mir nach Hause, einem echten Gentleman und die Person, die bei Volvo das Sagen hatte. Ich erzählte während des Mittagessens von meinen Plänen und führte sie auf den Platz. Es war Sommer, es gab weder Wasser noch Lehm, nur Traktoren überall, und wir schluckten viel Staub. Ich zeigte ihnen, was heute die neun ersten Löcher sind, den Wasserfall und diesen ganzen Bereich. Mel starrte mich ungläubig an, schüttelte ab und zu den Kopf und fragte: „Glaubst du das schaffst du ?“. Ich versprach es Haggstrom, und so war es. Ich weiß, dass das heute gar nicht mehr möglich wäre.

Denn zu jener Zeit wollten die Menschen arbeiten und vorankommen, die Frauen wollten Spülmaschinen, die Männer Farbfernseher und bessere Autos. Hier im Raum fand ich alle Welt willig, 7 Tage 15 Stunden in der Woche zu arbeiten, man war bereit echt zu schuften um den Lebensstandard zu erhöhen. Ich bot die Möglichkeit, und sie wurde ergriffen. Heute wäre so was leider nicht mehr drin. In Frankreich werfen sie einen ins Gefängnis, wenn über 35 Stunden gearbeitet wird, und hier in Guadiaro gibt es niemanden mehr, der an Wochenenden oder Feiertagen arbeitet. Trotz aller modernen Technik wäre es heute also technisch nicht gegangen, ich weiß. So aber fand ich eine offene Tür, und ich benutze sie.

Ich erfüllte meinen Traum und das Versprechen, das ich Haggstrom gemacht hatte. Valderrama war zum ersten Volvo Masters fertig geworden. Ich glaube ich habe damit Andalusien auf den ersten Platz der Tourismusindustrie katapultiert, denn heute kommen viele Leute an die Costa del Sol zum Golfspielen, so wie die Amerikaner im Winter dafür nach Florida gehen. Andalusien ist das Florida Europas. Aber es war nicht einfach den Leuten das beizubringen.

1988 wurde ich oft gefragt: „Wo liegt Valderrama“? Und ich antwortete, na in Spanien. Ja, aber wo da? Ich sagte dann immer: Am Mittelmeer, aber die Leute konnten sich keinen Reim drauf machen und fragten weiter: „Wo, im Norden oder Süden?“. Und dann sagte ich, nahe bei Marbella, ein sehr bekanntes Tourismuszentrum, und die Hauptstadt dort ist Malaga. Sie verwechselten das mit Madrid, so dass ich erst mal klarstellen musste, dass Madrid die Hauptstadt von Spanien ist. Wenn ich dann erklärte, dass Valderrama 10 km östlich von Gibraltar liegt, wusste jeder, dass das am Eingang des Mittelmeeres sein musste. 

Heute wissen von den 60 Millionen Golfspielern, die es weltweit gibt, etwa 90%, wo Valderrama liegt. Sie wissen auch, dass es der erste Platz von Europa ist, wo um einen Ryder Cup gespielt wurde. Man weiß inzwischen, dass Andalusien im Süden Spaniens liegt.

Das ist das Geschenk, das ich Andalusien gemacht habe für die 40 Jahre, die ich hier glücklich gewesen bin. Hier gehöre ich hin, und das zu erreichen war für mich ein Vergnügen und eine Gegenleistung für alles, was ich auf der Erde genießen durfte. Ich wollte einfach diesem Land und seinen Leuten etwas zurückgeben. Ich glaube, dass war mein Beitrag, nicht nur für mich, auch für die Mitglieder von Valderrama.

Robert Trent sagte mir einmal: „Jaime, dies ist der beste Platz, den ich je entworfen habe“. Zu Anfang bei Auftragserteilung hatte man ihm nicht genügend Land und nicht genug Geld gegeben. Als ich ihn anrief, fragte ich ihn: „Wenn ich dir das Geld gebe und das Land ringsum kaufe, macht du mir dann einen großartigen Platz“? „The best“, versprach er mir, den Besten.

Ich bin mit einem Glückstern geboren, hatte viel davon in meinem Leben. Wenn Gott es mir gegeben hat, wird er wissen warum. Ich habe auch ein paar Dummheiten gemacht, aber selbst dabei immer Glück gehabt. Wenn ich etwas abstoße bin ich glücklich, so wie zum Beispiel damals meine Finca in Genf, weil ich die neun Löcher machen wollte. Trent Jones machte zwar das Design, aber das spanische Bauamt gab mir keine Genehmigung. Ich ging vor Gericht, und ich verlor. Einspruch: Abgeschmettert. Neuer Einspruch, bis zum Obersten Gerichtshof – da gewann ich! Ich durfte nun meine neun Löcher machen, aber keine Sandbunker bauen. Fünf Jahre kämpfte ich darum, wobei ich viel Zeit und viel Geld verlor. Am Ende hatte ich mich durchgesetzt und konnte den Platz anlegen. Ich spielte nur eine Runde darauf und verkaufte das Haus, die Kunstsammlung und die Finca. Das war 1992, ich war überglück- lich als ich ging und dachte: Wenn ich in meinem Garten nicht machen dürfte was ich will, sollten sie zum Teufel gehen!

Auch mein Haus in Sotogrande habe ich verkauft und bin froh darüber. Ich merkte dass es zu groß für mich war, mit 10 Schlafzimmern, Schwimmbad, Sauna… Ich habe die Hälfte an einen Banker verkauft, und die andere Hälfte ist für meinen Sohn Felipe. Jetzt lebe ich in Valderrama in einem kleinen Haus, mit einem Schlafzimmer und einem kleinen Wohnzimmer, und bin der glücklichste Mensch der Welt – ich brauche nicht mehr!

Die Präsidentschaft von Valderrama habe ich auch aufgegeben und bin froh darüber. Nach 21 Jahren übertrug ich sie letztes Jahr auf meinen Sohn Felipe. Alle meinten, es fiele mir schwer und wäre traurig für mich. Aber dem ist nicht so. Ich gebe zu, ich hatte Bedenken und wusste nicht, wie Felipe sich anstellen würde. Jetzt aber bin ich angenehm überrascht und sehr zufrieden damit, wie er die Sache anpackt. Ich bin beruhigt, weil ich feststelle, dass ich das Amt in gute Hände übergeben habe, in die besten. Ich hatte mich Mel gegenüber verpflichtet, den Volvo Masters 2007 auszurichten, und wenn ich etwas verspreche, halte ich das immer. Deshalb habe ich mich diese Woche weiter um die Platzwartung gekümmert. Vorige und diese Woche war ich jeden Tag um 5.30 Uhr auf dem Platz, obwohl es mir gar nicht gut ging. Ich fühlte mich wie ein Kind und wünsche mir dass ich bald fertig würde um schlafen zu können, ich bin wirklich müde. Wie ein Kind habe ich die Tage gezählt die mir blieben, diese Arbeit zu beenden. Ich erinnere mich daran, wie wir damals in der Schule sagten: „Neun Tage noch, und die Ferien fangen an, jetzt noch sieben, …“. Mir bleibt nur noch ein Tag bis zum Ferienanfang. Es ist herrlich glücklich zu sein, der glücklichste Mann der Welt“.

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